Palfinger

Zuversicht fürs laufende Geschäftsjahr

Trotz des auch konjunkturell unsicheren Umfelds und der aktuellen Beeinträchtigungen in einem Werk in China ist der Salzburger Hebevorrichtungs-Hersteller Palfinger zuversichtlich für das laufende Geschäftsjahr. 2019 hat man Rekorde geschrieben und zahlt deshalb mehr Dividende. Große Zukunftshoffnungen setzt das börsennotierte Unternehmen in den dynamischen chinesischen Kreuzschifffahrtmarkt.

Die europäische Kreuzfahrtindustrie sei am Limit und auf Jahre voll ausgelastet, es gebe aber eine große asiatische und zusätzlich die europäische Nachfrage, die den Sektor in China boomen lasse - riesige Werften würden dort binnen kurzem aus dem Boden gestampft, hieß es am Mittwoch beim Bilanzpressegespräch in Wien. Palfinger sei in beiden Regionen gut aufgestellt, die Wettbewerber jeweils nur lokal. Für die Ausrüstung der Kreuzfahrtschiffe sei man die erste Adresse, "in fünf, sechs Jahren kann das ein relevanter Markt für uns sein". Man geht davon aus, davor schon bei kleineren Schiffen aus Ausrüster zum Zug zu kommen.

Durch die auf viele Segmente verteilten Aktivitäten sieht sich Palfinger breit genug aufgestellt, um vorübergehende Schwächen da oder dort ausgleichen zu können, wie Chief Operating Officer (COO) Martin Zehnder erklärte. Öl, Gas oder Bau, teils auch Forst, seien volatilere Segmente, andere dafür stabiler. Die Wechselkursrisiken könne man im Branchenvergleich wiederum durch die breite regionale Streuung und die primär lokale Fertigung gering halten, so Finanzvorstand Felix Strohbichler.

2019 sei das Umfeld für Palfinger "divergent" gewesen, berichtete CEO Andreas Klauser. In der Region EMEA (also im wesentlichen Europa) sei das Wettbewerbsumfeld von einer starken Preiskonkurrenz geprägt gewesen, in Nordamerika (NAM) habe die Bauwirtschaft ein stabiles Wachstum verzeichnet. In China und den GUS-Staaten sehe man eine Verlangsamung der Nachfrage, etwa durch die Embargomaßnahmen gegen Russland mit Devisenbeschränkungen. Im kleineren SEA-Segment, das grundlegend umstrukturiert wurde, sehe man positive Auftragseingänge, was sich auch in einem positiven Ertrag niederschlagen sollte.

Im chinesischen Produktionswerk in Rudong (nördlich von Shanghai), das als 50:50-Joint-Venture mit dem chinesischen Partner Sany betrieben wird, ist Palfinger noch immer durch die Reiseeinschränkungen wegen des Coronavirus beeinträchtigt. Von den an sich 480 Mitarbeitern an dem Standort darf knapp die Hälfte gar nicht von außerhalb nach Rudong zurückkehren, aktuell kann faktisch nicht produziert werden. Zuletzt konnten nur 130 Beschäftigte tätig werden, so Zehnder. "Der Output ist nach hinten verschoben", sagte CEO Klauser. Auch Komponenten Dritter würden dadurch "zeitlich verschoben" zu Palfinger kommen - das sei eine Situation, die noch in den nächsten drei bis sechs Monaten anhalten könne. Auch wegen der China-Probleme hat Palfinger Dienstagabend gewarnt, dass die Profitabilität heuer im ersten Quartal "deutlich" unter dem "hervorragenden" Jahresauftakt 2019 liegen werde. Den Ausblick fürs Gesamtjahr und die Mittelfrist-Ziele für 2022 sieht man aber weiter intakt: Übernächstes Jahr sollen organisch 2 Mrd. Euro Umsatz erreicht sein und EBIT-Marge sowie Rentabilität (ROCE) über 10 Prozent betragen.

Für 2020 ist Palfinger zuversichtlich. Trotz der Unwägbarkeit der weltweiten Konjunkturentwicklung und dem schwierigen Marktumfeld in Europa gehe man von einem soliden Geschäftsjahr aus. Die Effizienzsteigerungen und Synergiegewinne würden sich auf allen Ebenen stärker auswirken. Die Präzisierung des Markenkerns werde die positiven Entwicklungen unterstützen.

2019 hat Palfinger bei Umsatz, operativem Ergebnis (EBIT) und Nettogewinn neue Höchstmarken gesetzt und die Erwartungen der Analysten übertroffen. Der Nettogewinn stieg um 38 Prozent auf 80,0 Mio. Euro - die Dividende soll von 0,51 auf 0,71 Euro je Aktie erhöht werden, wird der Hauptversammlung vorgeschlagen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) wuchs um fast 14 Prozent auf 223,6 Mio. Euro und das EBIT um 17 Prozent auf 149,0 Mio. Euro. Der Umsatz legte 8,6 Prozent auf 1,754 Mrd. Euro zu. Das EBIT-Margen-Ziel von 9 Prozent wurde mit 8,5 (nach 7,9) Prozent aber verfehlt.

CFO Strohbichler betonte, dass 2019 mehrere Ergebnisgrößen, die Eigenkapitalquote und auch die Verschuldung (Gearing) noch besser ausgefallen wären, hätten sich nicht rund 60 Mio. Euro an Leasing-Verbindlichkeiten negativ ausgewirkt, die man aufgrund der IFRS-16-Bestimmungen aktivieren musste. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich auf 38,3 (36,4) Prozent, ohne IFRS 16 wären es 3,4 Prozentpunkte mehr gewesen und nicht nur 1,9 Prozentpunkte. Das Gearing hätte sich nicht nur von 92,8 auf 83,6 Prozent verbessert, sondern um 20 Prozentpunkte, rechnete der Finanzvorstand vor. Mit 4,5 Prozent Restlaufzeit seiner Verbindlichkeiten bei durchschnittlich 1,69 Prozent Zinsbelastung sei Palfinger "bestens aufgestellt", "höchst solide". Auch bei der Rentabilität aufs eingesetzte Kapital (ROCE), die sich auf 9,9 (8,5) Prozent verbesserte, habe man die 60 Mio. Euro zusätzlich stemmen müssen.

Palfinger mit Kerngeschäft hydraulische Kräne (30 Prozent Weltmarktanteil) beschäftigt rund 11.100 Mitarbeiter. Die Mehrheit am Unternehmen (56,6 Prozent) gehört der Familie Palfinger, 7,5 Prozent der chinesischen Sany, 35,9 Prozent sind im Streubesitz.

Quelle: APA

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