18. Februar 2013 14:17
Lebensmittelschwindel
Was ist wirklich drin?
Nach dem Pferdefleischskandal fragen sich viele: „Wie kann ich sicher gehen, dass ich auch wirklich das bekomme, was auf dem Produkt draufsteht?“
Was ist wirklich drin?
© TZ Oesterreich/Fuhrich Roman

Kaum jemand versteht oder kennt alle Zutaten, die zum Beispiel auf einer Tiefkühl-Lasagne angegeben sind. Und wie viel Erdbeeren sind in einem Erdbeerjoghurt wirklich drin? Als Faustregel kann man sich merken:

Je weniger Zutaten, desto besser! „Man sollte auch kurz nachdenken, wie viele verschiedene Zutaten man selbst für das Gericht verwenden würde“, erklärt AK-Lebensmittelexperte Stefan Göweil im Antenne-Interview. Grundlegend kann man sagen: Je weniger Zutaten, desto höher der Preis. Eigentlich eine kuriose Tatsache.

Substanzen statt Erdbeeren

Ein durchschnittliches Erdbeerjoghurt enthält zwar Erdbeeren, der Prozentanteil ist jedoch oft nur marginal. Der tatsächliche Fruchtgeschmack wird durch Geschmacksverstärker und diverse künstlich erzeugte Substanzen herbeigeführt.

Fleischwurst
Sie muss nur mindestens 8 % Muskelfleisch ohne Sehnen und Schwarten enthalten, traditionell vom Schwein. Der Rest kann aus einfachem Speck, Fett und billigem Sehnenfleisch bestehen.

Leberkäse
Leberkäse muss Leber enthalten, die im Handel erhältlichen „Leberkäse“ allerdings nicht. Sie bestehen zu über 80 % aus Schweinefleisch. Die restlichen Zutaten sind Wasser, teilweise Speck, Salz, weitere Gewürze und verschiedene Zusatzstoffe.

Gummibärchen
Der „Gummi-Effekt“ entsteht durch Gelatine, die oft aus Schweineschwarten gewonnen wird. Vor dem BSE-Skandal in den 1990er-Jahren wurde die Gelatine von Rindern gewonnen.

Fruchtsäfte
Fruchtsaftgetränkesind eine Mischung aus Wasser, Zucker und Fruchtsaft (nur 6 bis 30 Prozent). Bei Fruchtnektar beträgt der Saftgehalt 25 bis 50 Prozent. Nur Fruchtsäfte müssen zu 100 Prozent aus der genannten Frucht stammen. Fruchtsaft kann aber auch aus Konzentrat verdünnt sein, Direktsaft hingegen darf nicht aus Konzentrat stammen.

Um einen süßeren Geschmack zu erzielen, dürfen Säften bis zu 15 Prozent Zucker beziehungsweise 150 Gramm pro Liter zugesetzt werden.

Schokoladenpudding
Er muss nur ein Prozent Kakaopulver enthalten, der Rest kann aus Aromen, Gelatine, Emulgatoren und Fetten bestehen.

Geflügel-Salami
Wenn der Geflügelanteil über 15 Prozent beträgt, darf eine Wurst Geflügel-Wurst genannt werden – auch, wenn der Rest Schweine- und Rindfleisch ist. Beides muss nicht extra genannt werden. Nur als „rein Geflügel“ deklarierte Ware darf kein Rind oder Schwein enthalten.

Fruchtjoghurt
„Joghurt mit Fruchtzubereitung“ muss nur 3,5 Prozent Fruchtanteil haben. Die Fruchtzubereitung kann Fruchtrückstände, Süßungsmittel und Konservierungsmittel beinhalten. „Fruchtjoghurt“ muss nur mindestens sechs Prozent Fruchtanteil enthalten. Fruchtstücke dürfen aus der Gelierung von Fruchtsäften mit der Zugabe von Aromen gewonnen werden.

Übrigens: Verbraucher lehnen künstliche Aromen meist ab. Deshalb gewinnen die Hersteller sogenannte „natürliche Aromen“ mit anderen Mitteln, runden zum Beispiel Erdbeer-Aroma mit dem Öl des Zeylon-Zimtbaumes ab.

Pflanzenmargarine
Sie muss zu mindestens 97 Prozent aus Fetten pflanzlichen Ursprungs bestehen. Der Rest kann allerdings auch Rindertalg, Milchfett oder Fischöl sein.

Fleischsalat
Er muss mindestens 25 Prozent Fleisch oder Brühwurst enthalten. Wurstreste sind dagegen nicht erlaubt. Außerdem dürfen maximal 25 Prozent Gurke enthalten sein.

Der Rest ist Mayonnaise mit würzenden Zutaten (z. B. Zwiebeln, Paprika). Erlaubte Zusatzstoffe: Ascorbinsäure (E 300), damit das Fett nicht ranzig wird, Karmin (E 120) als roter Farbstoff für das Fleisch und Johannisbrotkernmehl (E 410) zur Verdickung.

Kalbsleberwurst
Der Anteil an Kalbsleber muss hier nur mindestens 15 % betragen. Oft ist billigeres Leberfleisch von Schweinen oder anderes Fleisch enthalten.

Kalbfleisch- Leberwurst
Diese Wurst muss gar keine Kalbsleber enthalten, sondern nur mindestens 15 % Kalbfleisch.

Lachsforelle
Dahinter verbirgt sich gar kein Lachs, sondern eine Forelle. Die rote Färbung kommt durch spezielle Fütterung zustande.

Heringssalat
Der Salat muss nur mindestens 20 Prozent Hering enthalten. Der Rest kann aus Rindfleisch oder „Fleischsalatgrundlage“ bestehen.

Balkan- oder Hirtenkäse
Das sind keine geschützten Begriffe, die Milch für diesen Käse muss nicht vom Balkan kommen, kann auch aus Deutschland oder anderen Ländern sein. Es darf auch Kuhmilch statt Schafsmilch verwendet werden.

Geräucherte Wurst
Der Rauchgeschmack muss nicht echt sein, also aus dem Räucherschrank stammen. Das Fleisch kann auch in industriellem Flüssigrauch getränkt sein.

Körnerbrot
Es muss gar kein Vollkornmehl enthalten. Oft ist der Teig gefärbt, zur Deko werden einige Körner draufgestreut.

Mozzarella
Er muss nicht aus Italien stammen und auch keine Büffelmilch enthalten. Meist wird er aus Kuhmilch produziert.