Hausfrau wehrt Einbrecher mit Messerstich ab | Maskierten Räuber aus Haus verjagt

Nach Home Invasion in Appartement in Wals

Vier Männer verurteilt

Laut Anklage 25.300 Euro erbeutet - 32-jähriges Opfer verletzt - Angeklagte gestanden Schläge ein - Raub bestritten - Mehrjährige Haftstrafen nicht rechtskräftig

Nach einem Raubüberfall auf einen 32-Jährigen in einem Apartmenthaus in Wals-Siezenheim (Flachgau) in der Nacht auf 3. April 2021 sind am Dienstag vier Angeklagte in Salzburg zu unbedingten Haftstrafen von zweieinhalb bis fünf Jahren verurteilt worden. Die Rumänen sollen den Landsmann mit Fäusten, Fußtritten, einem Messer und einem Baseballschläger verletzt und 25.300 Euro erbeutet haben. Sie gestanden Schläge ein, beteuerten aber, weder ein Messer noch Geld gesehen zu haben.

Die Angeklagten wurden wegen schweren Raubes und versuchter absichtlich schwerer Körperverletzung nicht rechtskräftig verurteilt. Ein 30-Jähriger erhielt dreieinhalb Jahre, ein 23-Jähriger zweieinhalb Jahre, ein 41-Jähriger fünf Jahre und ein 27-Jähriger drei Jahre Haft. Die Staatsanwältin erbat Bedenkzeit. Der Verteidiger verzichtete auf Rechtsmittel. Der Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Gabriele Glatz sprach dem Opfer 27.800 Euro an Schadensersatz und Teilschmerzensgeld zu.

Zugetragen hat sich die Home Invasion von insgesamt sechs Tätern im Zuhältermilieu. Der 32-jährige Rumäne soll in der Nacht zuvor in dem gemieteten Appartement mit einem Bekannten und zwei Prostituierten gefeiert haben. Weil es laut Anklage Differenzen wegen der Bezahlung gab, verließen die Frauen und auch der Bekannte das Haus. Wenig später klopfte ein Bruder des 23-jährigen Angeklagten, der derzeit von den Behörden abgesondert verfolgt wird, an der Türe. Weil diese nicht geöffnet wurde, drohte er dem 32-Jährigen am Handy, er werde mit seinen Brüdern aus Berlin kommen und ihn umbringen.

In der folgenden Nacht brach einer von mehreren vermummten Männern über die Balkontüre in das Appartement ein und öffnete den Mittätern die Haustüre. Sie überfielen das wehrlose Opfer, das im Bett geschlafen habe, wie die Staatsanwältin erklärte. Mit den Worten "Wo ist das Geld? Öffne den Safe" und "alles Geld was du hast, gibst du her, sonst bringe ich dich um", sollen sie die 25.300 Euro, ein Mobiltelefon und eine Packung Zigaretten erbeutet haben.

Der überfallene 32-Jährige erlitt vier Rissquetschwunden am Kopf, eine Schnittverletzung am rechten Daumen und eine Schädelprellung. Die Täter flüchteten mit zwei Autos und dem erbeuteten Bargeld. Im Zuge einer Großfahndung wurde am Grenzübergang Laufen ein schwarzer Pkw von der deutschen Polizei kontrolliert, die vier Angeklagten wurden festgenommen. Es wurden 2.580 Euro sichergestellt. Auf einem 500-Euro-Geldschein haftete Blut des Opfers, wie später festgestellt wurde. Am Tatort und an Kleidungsstücken fanden Ermittler die DNA von Beschuldigten. Die zwei weiteren Verdächtigen sollen mittlerweile festgenommen worden sein.

Die vorsitzende Richterin konfrontierte den 41-Jährigen Angeklagten mit einem aufgezeichneten Telefonat eines abgesondert verfolgten Haupttäters mit dem Opfer, in dem er dem 32-Jährigen angeboten habe, das erbeutete Geld zurückzugeben, falls er die Anzeige zurückzieht und die vier Festgenommenen freigelassen werden. "Von diesen Diskussionen habe ich nichts mitbekommen", antwortete der 41-Jährige. Wie die anderen Beschuldigten auch schilderte er, dass keiner von ihnen ein Messer dabei gehabt habe. Der 32-Jährige habe Schläge kassiert, dann seien sie weggegangen. "Ich schwöre auf mein Leben, ich habe keinen Safe und kein Geld gesehen".

Der 30-jährige Angeklagte sagte auf die Frage der Staatsanwältin, woher denn die 2.580 Euro stammten, die bei der Polizeikontrolle in Laufen im Wagen gefunden wurden, das Geld habe ein Mitinsasse von einem Autoverkauf erhalten. Er sei mit dem 27-jährigen Angeklagten von Berlin nach Salzburg gefahren, nachdem sie einen Anruf erhalten hätten, in dem ihnen mitgeteilt worden sei, dass der 32-Jährige die Personalausweise der Prostituierten an sich genommen habe. "Wir sind hingekommen, damit er die Ausweise den Frauen wieder zurückgibt, und um uns zu versöhnen. Er war im Wohnzimmer und wir haben geredet. Er wollte die Ausweise nicht zurückgeben. Er sagte, er wolle, dass die Frauen für ihn arbeiten, er sei der Schlaue." Dann hätten sie begonnen, ihn zu schlagen. "Es war keine Rede von Raub. Es ist nichts weggenommen worden." Und der 23-jährige Angeklagte erzählte, der 32-Jährige habe seinen Bruder bedroht.

Der Verteidiger erklärte, keiner der Angeklagten habe dem 32-Jährigen Geld weggenommen. Es habe kein Raub stattgefunden, sondern eine qualifizierte Nötigung. Der Rechtsanwalt des Opfers, Franz Essl, sprach von einem "heimtückischen professionellen Raub", dem sein Mandant völlig überraschend zum Opfer gefallen sei. "Eine Bande von sechs Leuten sind auf einen Wehrlosen, der schlief, losgegangen." Die Prostituierten hätten das viele Geld in dem Appartement des Mannes gesehen, sagte Essl vor Prozessbeginn zur APA.

Der Strafrahmen reichte von einem Jahr bis zu 15 Jahren Haft. Der jüngste der Angeklagten ist bisher unbescholten, die anderen sind bereits mehrmals vor Gericht gestanden. Der 41-Jährige war in mehreren europäischen Ländern bereits 13 Mal verurteilt worden - vorwiegend wegen Diebstahlsdelikten.

Quelle: APA