31. August 2015 14:36
Freifahrtsschein
Ungarn winkt Flüchtlinge durch
Im ungarischen Budapest hat die Polizei am Montag hunderte Flüchtlinge nach Österreich und Deutschland weiterreisen lassen.
Ungarn winkt Flüchtlinge durch
© Antenne Salzburg

Auf seiner Reise wurde der Zug innerhalb Österreichs nicht kontolliert. Die Weiterreise bis zum Zielbahnhof in München hat jedoch nicht geklappt. Die bayrische Polizei hat einen außerplanmäßigen Stopp in Rosenheim bewirkt.

Stopp in Salzburg

Der erste Zug aus Ungarn machte gegen 17:00 Uhr in Salzburg halt. Rund 500 Flüchtlinge waren an Bord. Viel Zeit blieb nicht. Der Zug nur wenige Minuten. In der Zeit liefen viele aus dem Zug um Lebensmittel, die freiwillige Helfer zum Bahnhof gabracht hatten, entgegenzunehmen. 1500 Flüchtlinge waren heute Nacht auf der Durchreise. Die Menschen waren panisch, sie glaubten der Züge würde nicht auf sie warten. Frauen, Kinder und Männer stürmten in die  Züge und ließen alles stehen und liegen. Auf dem Boden des Bahnsteigs sind leere Flaschen, einzelne Rucksäcke, zurückgelassene Kuscheltiere und Essensreste zu sehen. Dieses Bild bietet sich momentan am Hauptbahnhof.

Auch Landesräten Martina Berthold war Vorort und hat geholfen. Sie erzählt uns wie die Situation in der Nacht ausgesehen hat. „In der Bahnhofhalle waren 1500 Menschen die am Boden gesessen sind, gelegen sind. Die Kinder die da gespielt haben, geschlafen haben. […] Manche die einen angelächelt haben, manche die eben verzweifelt waren.“

 

Ostbahnhof an seinen Grenzen

Die seit Tagen an den Bahnhöfen festsitzenden überwiegend syrischen Einwanderer stürmten Züge Richtung Wien, München und Berlin, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. In Österreich wurden bei wieder eingeführten Kontrollen in der Grenzregion 200 Einwanderer entdeckt und fünf Schlepper aufgegriffen.

Westbalkanroute

Ungarn liegt an der sogenannten Westbalkanroute, über die Flüchtlinge aus Syrien und anderen Krisenregionen nach ihrem Eintreffen in Griechenland weiter in westliche EU-Länder gelangen wollen. Nach den gemeinsamen EU-Asylregeln ist Ungarn verpflichtet, alle Einwanderer zu registrieren. Viele Flüchtlinge wollen aber gleich nach Österreich oder Deutschland weiterreisen.

Bahnhofslager

Bis zu 2000 von ihnen saßen seit Tagen in provisorischen Lagern an Bahnhöfen in Budapest fest. Am Montag waren schließlich keine Sicherheitskräfte mehr zu sehen, die sie von der Weiterreise abhielten. An einem Gleis spielten sich dramatische Szenen ab, als einige Flüchtlinge einer Frau im Rollstuhl noch in den Zug halfen. Obwohl er überfüllt war, fuhr der Zug mit 20 Minuten Verspätung ab.

Ein österreichischer Polizist an dem Bahnhof sagte allerdings, die Einwanderer würden gestoppt, sobald sie über die österreichische Grenze kämen. Wien hatte am Vorabend in der Grenzregion wieder Kontrollen eingeführt, um Flüchtlinge in Lastwagen und Kleinbussen ausfindig zu machen und Schlepperbanden zu stoppen.

Die "Schwerpunktaktion", bei der nach offiziellen Angaben binnen weniger Stunden fünf mutmaßliche Schleuser aufgegriffen und mehr als 200 Einwanderer entdeckt wurden, führte zu einem Verkehrschaos auf ungarischer Seite: Bis zu 50 Kilometer stauten sich die Autos am Montag auf der Autobahn von Budapest nach Wien.