Thiem scheitert an Rafael Nadal

French Open-Halbfinale

Thiem scheitert an Rafael Nadal

Der tolle Siegeslauf von Dominic Thiem wurde am Freitag im Halbfinale der French Open jäh gestoppt. Der 23-jährige Niederösterreicher agierte gegen Sandplatz-"König" Rafael Nadal weit von seiner Topform entfernt, war viel zu fehlerhaft und unterlag glatt nach 2:07 Stunden mit 3:6,4:6,0:6. Damit bleibt Thomas Muster vorerst der einzige österreichische Einzel-Finalist bei einem Major-Turnier.

"Für mich unerklärlich, wie erschreckend schwach er war. Er hat sich sehr schlecht bewegt, hatte kaum Druck auf der Rückhand und hat viel schlechter serviert als zuletzt in Rom bei seinem Sieg über Nadal", meinte Thiem-Coach Günter Bresnik in einer ersten Stellungnahme.

Nadal kämpft am Sonntag gegen Stan Wawrinka, der zuvor Andy Murray in fünf Sets in 4:34 Stunden bezwungen hatte, um seinen zehnten French-Open-Titel. Das zweite Halbfinale, das als das Duell der beiden in dieser Saison besten Sandplatz-Spieler eine höhere Klasse hatte erwarten lassen, konnte an das erste nicht anschließen.

Fehlt noch die Konstanz?
Die leichten Befürchtungen Thiems vor dem Spiel bewahrheiteten sich: "Bisher habe ich im Match nach einem Sieg über einen Topspieler immer viel schlechter gespielt. Also ich hoffe, dass ich das verbessern kann", hatte der Weltranglisten-Siebente, der ab Montag um einen Platz zurückrutscht, nach seinem Drei-Satz-Erfolg im Viertelfinale über Titelverteidiger Novak Djokovic gemeint. Zuletzt war es ihm in Rom nach dem 6:4,6:3-Sieg im Viertelfinale über Nadal im Halbfinale gegen Djokovic so ergangen.

Das Match begann auf dem Center Court Philippe Chatrier zunächst zwar für Thiem nach Wunsch. Er nutzte gleich den ersten Breakball im ersten Game zur 1:0-Führung. Doch der Lichtenwörther musste gleich im darauffolgenden Spiel selbst sein Service abgeben. In der Folge ließ Thiem zu viele Gelegenheiten aus: Sowohl im dritten als auch im fünften Game hatte er je zwei Breakbälle gegen den Weltranglisten-Vierten. Er selbst gab den Aufschlag aber zum 1:3 erneut ab.

Zu viele Fehler bei Thiem
Thiem agierte mit sehr viel Power, aber zu fehlerhaft. Nicht nur bei den Risikoschlägen, sondern auch bei vermeintlich einfacheren. Nach 45 Minuten hatte der neunfache French-Open-Sieger mit 6:3 bereits die Weichen in Richtung 22. Grand-Slam-Finale gestellt. Ein Nadal wird, in Führung liegend, immer stärker, darum kam dem Auftaktsatz auch große Bedeutung zu.

Als der als Nummer 6 gesetzte Thiem bei einer 1:0-Führung im zweiten Satz neuerlich zwei Breakbälle zum 2:0 nicht nutzte und er zum 1:2 den Aufschlag abgeben musst, war schon eine kleine Vorentscheidung gefallen. In diesem Satz sollte Thiem keine Gelegenheit mehr bekommen, ein Rebreak zu schaffen. Nadal war in seinem Aufschlag-Games unantastbar und stellte nach 96 Minuten die 2:0-Satzführung her.

Gleich zu Beginn des dritten Durchgangs gab Thiem seinen Aufschlag ab. Der ohne Satzverlust in sein zweites French-Open-Halbfinale gekommene Schützling von Günter Bresnik sollte auch beim zweiten Versuch, in ein Major-Endspiel einzuziehen, keinen Satz gewinnen. Vor einem Jahr hatte Thiem im Halbfinale gegen Novak Djokovic 0:3 in Sätzen verloren.

Für Thiem geht es nun nach Hause und dann in eine drei Turniere umfassende Rasen-Saison. Er spielt ab 19. Juni in Halle, danach in Antalya sowie in Wimbledon.

Thiem rätselte nach Aus

Thiem rätselte nach seinem Aus nach schwacher Vorstellung. "Der Anfang war ganz gut, je länger das Match gedauert hat, umso schwächer ist meine Vorstellung geworden, warum auch immer", sagte ein enttäuschter Thiem. "Die Gründe werde ich finden müssen. Der Start war noch das beste vom ganzen Match."

Mit dem Sieg über Djokovic bzw. einer Wiederholung der Rom-Ereignisse (Sieg über Nadal, dann klare Niederlage gegen Djokovic) wollte der Niederösterreicher es nicht in Verbindung bringen. "Ich habe das in Rom gespürt, aber das waren auch andere Gründe. Ich war voll da auf jeden Fall, heute waren spielerische Sachen einfach nicht gut. Das hat null damit zu tun gehabt, dass ich Djokovic vorgestern geschlagen habe."

Die nicht genützten Breakbälle (insgesamt dreimal konnte Thiem ein 15:40 nicht nutzen) wollte Thiem nicht als Schlüssel für die Niederlage sehen. "Eigentlich nicht. Er hat bei den Breakbällen gut gespielt, ich habe keine richtige Chance gehabt. Auf diese Zahlenspielchen was da gewesen wäre, kann man sich nicht einlassen, er war einfach klar besser heute."

Resümee nach Sand-Saison
Thiems Resümee nach der Sand-Saison, die ihm zwei Finali in Barcelona und beim ATP-1000er-Event in Madrid sowie Halbfinali in Rom und bei den French Open gebracht hat: "Ich bin jetzt sehr enttäuscht. Aber generell war die Sandsaison echt gut, mit einem bisserl einem bitteren Ende. Es wird nächstes Jahr wieder eine kommen."

Nadal war hingegen über seine Performance sehr glücklich, wollte aber gar nicht lange über die Chance reden, dass er am Sonntag den zehnten Paris-Titel holen kann. "Ich glaube, ich brauche nicht noch mehr Geschichte. Neunmal zu gewinnen, ist sehr gut. Daran denke ich heute nicht. Ich muss sehr happy sein, weil ich hier ein sehr gutes Event spiele."

Auch Nadal wusste natürlich, dass Thiem nicht in Bestform war. "Dominic hat fehlerhafter als normal gespielt. Er hat auch noch nicht so oft auf dem Centercourt gespielt, das hat ihm wahrscheinlich nicht geholfen", meinte Nadal, der auch von windigen Bedingungen sprach. "Er hat auch ein bisschen Pech gehabt. Er hatte im ersten Satz zweimal 15:40 und die Chancen nicht genützt. Bei 1:0 hatte er dann noch einmal 15:40. Wenn man diese Chancen nicht nützt, kommt man in Schwierigkeiten", sagte Nadal, der im siebenten Aufeinandertreffen mit Thiem seinen fünften Erfolg feierte.

Nadal hat auf seinem Weg ins Endspiel nun nur 29 Games abgeben und ist auch gegen Stan Wawrinka Favorit. In bisher 18 Begegnungen mit dem Eidgenossen hat Nadal nur drei Mal verloren.

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