Thalgauer als

Das größte Volksfest kommt aus Österreich

Thalgauer als "Erfinder" des Oktoberfestes

Bis zu sieben Millionen Besucherinnen und Besucher zieht es alljährlich auf die Münchener Theresienwiese, um dort Bier, kulinarische Verlockungen und Fahrgeschäfte in berauschender Vielfalt vorzufinden. Während sich heutzutage die Diskussionen meist um den angemessenen Preis für die Maß Bier drehen (2012 waren es bis zu 9,50 Euro), ist den wenigsten bekannt, dass der eigentliche "Erfinder" des Oktoberfests ein gebürtiger Thalgauer ist.

Zu Ehren des königlichen Bayerischen Brautpaares, das am 12. Oktober 1810 geheiratet hatte, fand das erste Pferderennen und damit der Vorläufer zum Oktoberfest auf der nach der Prinzessin benannten Theresienwiese statt. Organisator dieses befohlenen Fests "für ganz Bayern" war der aus Salzburg stammende Karl Ehrenbert Freiherr von Moll, der seit 1804 in Diensten des Kurfürsten von Bayern stand. Die Veranstaltung schlug ein, und Karl von Moll machte sich Gedanken darüber, wie das Fest zur jährlichen Dauereinrichtung werden könnte. Er behielt das Pferderennen bei und erweiterte das Fest 1811 um eine Präsentation bäuerlicher Leistungen und Produkte – das "Oktoberfest" war geboren. Anfangs gab es auf dem Oktoberfest gar kein Bier, was sich jedoch bald änderte. Und größtenteils wird dem Namen zum Trotz im September gefeiert. Nur Kriege, Cholera-Epidemien und die Hyperinflation in den 1920er Jahren brachten Bayern und die Besucherinnen und Besucher aus aller Welt bisher um das jährliche Fest.

Staatsmann und Wissenschafter

Doch Karl von Moll war weitaus mehr als ein Event-Scout, wie man neudeutsch sagen würde. Er erblickte 1760 im damaligen Thalgauer Bezirksgericht als Sohn eines Landpflegers das Licht der Welt. Eine Gedenktafel am Gebäude erinnert heute noch daran. Er genoss eine fundierte Ausbildung und machte in der Verwaltung des Fürsterzbistums rasch Karriere. 1790 wurde er zum Direktor der Salzburger Hofkammer ernannt und übernahm im Jahr darauf die Direktion des Salz-, Münz- und Bergwesens. Auf ihn zurück gehen die Entwässerungen des Gasteinertales, Regulierungen der Salzach und Trockenlegungsarbeiten im Pinzgau zur Gewinnung landwirtschaftlicher Nutzflächen. Von 1800 bis 1803 war Moll einer der fünf von den französischen Besatzern eingesetzten Statthalter des Fürstbistums, ein Mitglied der Landesregierung nach heutigen Maßstäben.

Wechsel nach Bayern

1804 entschloss sich Moll jedoch, wegen "häuslicher und amtlicher Widerwärtigkeiten" Salzburg den Rücken zu kehren. Hintergrund war, dass er sich mit Erzherzog Johann von Österreich nicht über die Konditionen zur Übernahme der vakanten Direktorenstelle des Wiener Hofnaturalienkabinetts einigen konnte.

Er wechselte in Bayerische Dienste, wurde zum ordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt und widmete sich seiner wissenschaftlichen Arbeit. Der Naturforscher, Wasserbau- und Bergbauexperte hinterließ eine umfangreiche naturkundliche Sammlung bestehend aus 80.000 Büchern und 5.000 Mineralienstücken, einem Herbarium von 2.000 Exponaten sowie einer 62-bändigen Porträtsammlung (er musste zur Unterbringung in Bayern sogar einen Teil eines aufgelassenen Klosters anmieten). Die Sammlung zog bereits in Salzburg neben Erzherzog Johann auch zahlreiche Wissenschafter wie Alexander von Humboldt an und sollte später zum Vorläufer des Hauses der Natur werden.

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