11. April 2013 17:35
Salzburg-Wahl:
Stronach für "Bürgerrat" auch in Salzburg
Wahlkampfauftritt von Frank Stronach in Salzburg.
Stronach für "Bürgerrat" auch in Salzburg
© oe24

Der "Verhandlungsmarathon" über einen Kompromiss im Streit um widerstrebende Stronach-Listen in Tirol hat am Donnerstag, den Terminkalender von Parteigründer Frank Stronach gehörig durcheinandergebracht. Der austro-kanadische Milliardär traf mit eineinhalbstündiger Verspätung zu seinem ersten öffentlichen Auftritt im Salzburger Landtagswahlkampf in der Stadt Salzburg ein. Mit Blick auf Tirol äußerte er den Wunsch, dass auch die Salzburger Kandidaten vor einem "Bürgerrat" einen Ehrenkodex unterzeichnen - als Garantie dafür, dass sie die Werte von Frank Stronach vertreten.

Vor rund einem Dutzend Journalisten posierte Frank Stronach smart lächelnd in der Landgeschäftsstelle des Teams Stronach in der Franz-Josef-Straße vor einem Wahlplakat, ließ sich minutenlang fotografieren und filmen und beantwortete dann trotz der Zeitnot geduldig die Fragen der Medienvertreter. Zuvor präsentierte er noch eine Kurzfassung des am vergangenen Dienstag ausführlich präsentierten Parteiprogrammes.

Erneut betonte Stronach, wie wichtig ihm "Wahrheit, Transparenz und Fairness" in der Politik seien. Eine Regierungsbeteiligung des Teams Stronach in Salzburg nach der Landtagswahl am 5. Mai kann er sich nur dann vorstellen, "wenn die Werte passen", und damit meine er "mehr Bürgerbeteiligung und mehr Demokratie". "Es sind aber die SPÖ, die ÖVP und die Grünen am Futter, die werden das nicht ändern." Welche Position Spitzenkandidat Hans Mayr, Ex-ÖVP-Politiker und Bürgermeister von Goldegg, einnehmen wird, das wusste der Parteigründer schon heute: "Herr Mayr wird in Salzburg Landesrat".

Frank Stronach verzichtete auf Schuldzuweisungen, was den Listenstreit in Tirol betrifft, und gestand ein: "Wir alle haben Fehler gemacht." Dass die Turbulenzen in Tirol eine negative Auswirkung auf den Wahlkampf in Salzburg haben könnten, das glaubt er nicht. Bei der nun erzielten Lösung in Tirol handle es sich um einen sachlichen Kompromiss, der zu einem besseren Verständnis führe. "Ich versuche die Wahrheit zu finden. Die Tiroler wollen sich von niemanden dominieren lassen, ich auch nicht, und die Salzburger glaub' ich auch nicht." Wegen des Streits in Tirol werde es auch keine Klagen geben. "Ich habe noch nie jemanden verklagt in meinem Leben."

Er befürworte jedenfalls, dass in allen Ländern und auf allen Ebenen gestandene Bürger als Weisenräte eingesetzt werden, sagte Stronach. "Wie seht ihr das?", fragte er Hans Mayr und den Dritten auf der Liste, Helmut Naderer, die ihn am Podium flankierten. Mayr nickte zustimmend und erklärte, dass in seiner Gemeinde bereits jetzt 50 Leute in Bürgerbeteiligungsgruppen Vorschläge einbringen würden.

Warum er sich zu fünf (geplanten) Wahlkampfauftritten in Salzburg entschlossen hat - heute noch besucht Frank Stronach das Blizzard-Werk in Mittersill und am Abend die Aufaktveranstaltung in Zell am See im Pinzgau - begründete er so: "Die Leute haben ein Recht, mich kennenzulernen." Er sei in Österreich geboren und aufgewachsen, er möchte seine Erfahrungen - vor allem jene in der Wirtschaft - an Österreich weitergeben. "Ich fühle mich begnadigt, dass ich so was machen kann." Auf die Frage, welches Wahlergebnis er sich in Tirol und Salzburg erwartet, meinte der Milliardär: "Ich arbeite hart. Wir stellen die Latte sehr hoch." Angaben in Prozent machte er nicht.

Die Ursache des Finanzskandals in Salzburg ist für Stronach damit erklärt, dass die Zuständigen mit Geld gar nicht umgehen könnten. Schon beim Einkaufen würde diesen Leuten, wenn sie in die Geldtasche schauen, das Verständnis fehlen, "wie viel brauchen sie". Im Land aber auch im Bund sollten sich zudem kleine Gruppen damit befassen, welche unnötigen Gesetze abgeschafft werden können, "damit unsere Klein- und Mittelbetriebe nicht ersticken".

Vor Stronachs Auftritt gaben die Salzburger Kandidaten Mayr und Naderer Statements zu den Themen Korruption und Sicherheit ab. "Korruption können wir nur durch Wahrheit, Transparenz und Fairness verhindern", sagte der Goldegger Bürgermeister. "Freunderlwirtschaft gehört beseitigt." Naderer, Vizebürgermeister von Seekirchen und Polizist, forderte mehr Bürgernähe seitens der Exekutive. Er schlug mobile Polizeistationen in kleineren Orten vor, in denen es keine Polizeiinspektionen gibt. An einem bestimmten Tag in der Woche zu einer bestimmten Zeit sollten die "Wohnmobile" beispielsweise auf dem Marktplatz aufgestellt werden. Naderer forderte auch mehr "Personalwahrheit". "Im Flachgau haben wir rund 200 Polizisten für 155.000 Einwohner, es sind aber faktisch nur 160 vorhanden, weil Beamte anderen Einheiten zugeteilt oder in Karenz sind. Mit einem Beamten werden zwei Dienststellen erfüllt", kritisierte der Polizist.