So tricksen die Kroatien-Heimkehrer

Schummeln an der Grenze

So tricksen die Kroatien-Heimkehrer

Villach. Karawankentunnel, Montagvormittag. Kaum Verkehr. Wie in Spielfeld (Stmk.) hat sich der kilometerlange Stau bei der Einreise aus Slowenien aufgelöst. Zehntausende Österreicher hatten in den vergangenen Tagen noch rechtzeitig versucht, vom Kroatien-Urlaub nach Hause zu kommen – ohne Corona-Test. Rund 500 haben das nicht mehr rechtzeitig geschafft. Sie waren die Letzten im Stau und wurden umgehend in Quarantäne geschickt.

Jetzt machen sich nur noch wenige auf den Weg zurück in ihre Heimat. Sechs Soldaten des Bundesheeres kontrollieren ­gemeinsam mit der Polizei am Grenzübergang. Ein Österreicher mit bosnischen Wurzeln ist offen, ehrlich. Er sagt, dass er in Bosnien war und via Kroatien zurück nach Österreich reist. Test hat er keinen: „Ich muss jetzt in Quarantäne“, sagt er: „Nun werde ich so schnell als möglich einen Corona-Test nachbringen.“ 48 Stunden hat er dafür Zeit. Nur so könne er der 10-Tage-Isolierung entgehen. Wütend ist er nicht. Aber:  „Wo ich war, gibt es keinen Corona-Fall.“

Keine Kontrolle: Tricks der Rückkehrer aus Kroatien

Die meisten Kroatien-Rückkehrer haben Verständnis für die Kontrollen. Sie kritisieren nicht: „Ich mache das für meine Gesundheit und die anderer“, meint ein Wiener, der im Raum Zadar war. Andere hingegen versuchen, das System auszutricksen. Die gängigsten Tricks der Kroatien-Heimkehrer:

  • Rückfahrt via Triest nach Österreich. Kaum oder nur stichproben­artige Kontrollen an der Grenze in Arnoldstein: „Mit sehr gemischten Gefühlen sind wir von Triest Richtung Kärnten nach Hause gefahren“, schreibt Verleger Christian W. Mucha: „Und was passiert an der Grenze? Nichts, kein Stau, weil hier einfach nicht kontrolliert wird.“ Beweispflicht gibt es keine.
  • Umweg über Ungarn – keine Reisewarnung für Ungarn.
  • Andere Kroatien-Rückkehrer sind besonders dreist und geben an, nur in Slowenien ­gewesen zu sein.

Bundesheer-Offizier: »Alle Österreicher kontrollieren«

Villach. Bundesheer-Oberst Ralf Gigacher unterstützt mit sechs Soldaten am Karawankentunnel die Polizei: „Der Rückreiseverkehr ist am Montag spürbar weniger geworden. Wir kon­trollieren alle Österreicher. Die Befragten müssen glaubhaft darlegen, woher sie kommen. Jene, die keinen Test vorweisen und in Quarantäne sollen, müssen eigene Formblätter ausfüllen – sie müssen angeben, wo sie die Quarantäne verbringen werden. Diese Formblätter übermitteln wir an die jeweiligen Bezirkshauptmannschaften, die kontrollieren letztlich die Quarantäne.“

Kanzler ruft Nehammer und Anschober zu Grenz-Sitzung

Wien. Dienstagachmittag lädt Kanzler Sebastian Kurz Innenminister Karl Nehammer und Gesundheitsminister Rudolf Anschober zu einer „Arbeitssitzung“ über den Grenzschutz ins Kanzleramt. Der VP-Regierungschef will mit beiden Ministern bessere Kontrollen angesichts der neuen Corona-Reisewarnungen etwa für Kroatien besprechen.
 
Kurz hatte zuletzt in einem ÖSTERREICH-Interview moniert, dass es mehr Gesundheitsbeamte an den Grenzen geben müsse, weil reine Polizeikontrollen gegen die Ausbreitung der Pandemie nicht helfen.
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