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Schützenhöfer tritt zurück

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"Geerbten" LH-Sessel aus 2015 konnte er 2019 bestätigen - Führte steirische Volkspartei wieder auf ersten Platz in der Grünen Mark

Hermann Schützenhöfer hat am Freitag nach mehr als 50 Jahren in der Politik seinen Rücktritt bekannt gegeben. Er gilt als Landesvater und hat die steirische ÖVP 2015 mit türkisem Rückenwind aus Wien nach 15 Jahren wiederbelebt und zur Nummer eins in der Steiermark gemacht. Dem erfahrenen Politiker war das Amt als Zweitplatziertem von seinem ehemaligen Freund Franz Voves (SPÖ) überlassen worden. 2019 sicherte er sich den LH-Sessel aus eigener Kraft.

Für Schützenhöfer war es eine lange Reise hin zum Landeshauptmann: Er hatte den Verlust der ÖVP-Stimmenmehrheit in der Grünen Mark 2005 miterlebt und sich nach dem Abgang der ersten Landeshauptfrau Waltraud Klasnic abgestrampelt, um die steirische Volkspartei wieder auf Kurs zu bringen.

Schützenhöfer gilt als Konsenspolitiker im Sinne der Sozialpartnerschaft. Besondere Verdienste erwarb er sich im zeitgemäßen Umbau des Pensions- und Gehaltssystems für Landesbedienstete. Früh trat er auch für die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ein. Seine Reden und Ansprachen setzen sich aus immer ähnlichen, wenn auch vielen Textbausteinen zusammen - darin ist er seinem Förderer, dem früheren ÖVP-Landtagspräsidenten Franz Wegart nicht unähnlich. Aber ein für alle erheiterndes Scherzchen gelingt dem dann verschmitzt lächelnden LH und Weinliebhaber immer.

Als enger Freund litt Schützenhöfer unter Gerhard Hirschmanns geräuschvoller Ablösung von der Partei, die nach fast einhelliger Meinung in der ÖVP Klasnic die Wiederwahl kostete. Der sachkundige, bisweilen harte Politiker stand stets loyal hinter seiner Vorgängerin Klasnic an der Parteispitze. Selbst Voves lobte in den ersten Jahren der Legislaturperiode 2005 bis 2010 Schützenhöfers "Handschlagqualität", bevor es zum großen Krach über das Budget kam. Erst danach, von 2010 bis 2015, wurde die "Reformpartnerschaft" mit der SPÖ ins Leben gerufen.

Die funktionierte aufgrund der entstandenen Freundschaft zwischen Voves und ihm ganz gut - vielleicht zu gut für den Geschmack vieler steirischer Sozialdemokraten. Deren scheidender Chef Voves übergab "dem Hermann" den LH-Sessel - ein Danaergeschenk aus Sicht des jungen Voves-Nachfolgers Michael Schickhofer. Prompt beklagte Schickhofer die "fehlende Handschlagqualität Schützenhöfers", als dieser im September 2019 die Neuwahl verkündete - rund ein halbes Jahr früher als vorgesehen. Und im Sinne seines Freundes Voves war es auch nicht, wie aus einem offenen Brief des roten Alt-Landeshauptmanns hervorging.

Der frühe Wahltermin schadete Schützenhöfer nicht: Er festigte seine Stellung als Landeshauptmann und holte für die ÖVP wieder klar den ersten Platz. SPÖ-Chef Schickhofer zog sich daraufhin zurück und übergab an Anton Lang, mit dem Schützenhöfer bis zuletzt eine nach außen hin harmonisch vorgetragene Koalition bildete.

Seit fast einem Jahr gab es allerdings bereits Gerüchte über einen möglichen Rücktritt des Landeshauptmanns. Christopher Drexler wurde oftmals als Nachfolger genannt, doch der "Landesvater" wollte nicht in unruhigen Zeiten sein Amt übergeben. Zu Mitte seiner zweiten Amtsperiode will er sich nun doch etwas mehr Zeit für sich nehmen und folgt damit den musikalischen Gratulationswünschen der Stoakogler zu seinem 70. Geburtstag: "Es soll dir guat geh'n, du sollst a Freid hom und vü Zeit hom, a bisserl mehr als bisher."

Zur Person: Schützenhöfer wurde am 29. Februar 1952 in Edlitz (NÖ-Bezirk Neunkirchen) geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre im oststeirischen Kirchbach kam er über die JVP in die Politik, 1971 wurde er deren Landessekretär und 1976 Landesobmann. Der weitere Weg von Schützenhöfer ist eng mit dem ÖAAB verbunden: 1978 bis 1981 war er Landessekretär, 1991 wurde er geschäftsführender Obmann und 1995 Landesobmann. Hier erfuhr er nach eigenen Angaben u.a. auch seinen prägenden Kompass bis heute, die katholische Soziallehre.

Im Juni 1981 zog Schützenhöfer in den Landtag ein, 1993 wurde er Klubobmann - als Vorgänger von Reinhold Lopatka. 2000 erhielt er den der SPÖ abgenommenen Regierungssitz mit Zuständigkeit für Personal, Jugend, Pflichtschulen und Wohnbau. Mit dem Ausscheiden von Gerhard Hirschmann 2003 bekam er Sport und Tourismus dazu und gab Jugend, Schulen und Wohnbau ab. 2005 stieg er zum ÖVP-Landeschef auf und hat sich vor allem seit 2015 als LH und "Landesvater" etabliert.