Hallein unter Wasser

Hallein

Schäden noch nicht abschätzbar

Einspruch des Naturschutzbundes verzögerte geplantes Hochwasserschutzprojekt

In der Stadt Hallein laufen die Aufräumarbeiten nach der Sturzflut am Samstagabend weiter auf Hochtouren. Auch am Montag war das ganze Ausmaß des Schadens noch nicht abschätzbar. Am Vormittag konnten noch immer 50 Personen nicht in ihre Häuser und Wohnungen, wobei 30 davon nur vorsorglich evakuiert worden waren, weil im Ortsteil Gamp die Gefahr von Muren noch nicht gebannt ist. Unterdessen ist eine Diskussion darüber ausgebrochen, ob Schäden hätten verhindert werden können.

Wie Bürgermeister Alexander Stangassinger (SPÖ) am Montag zur APA sagte, dürften die durch den ausufernden Kothbach angerichteten Schäden in die Millionen gehen. "Es liegt aber noch keine vollständige Aufstellung vor. Es wird Wochen bis Monate dauern, um das tatsächlich in Euro beziffern zu können". Alleine aufseiten der Stadt seien etwa das Keltenmuseum, die Salzberghalle und das Keltenmuseum betroffen. Teile der Sommerrodelbahn und der Lifttrasse am Zinkenkogel wurden durch Muren weggerissen, Straßen und Plätze in der Stadt verlegt und teilweise Asphalt und Pflaster zerstört. Auch drei gemeindeeigene Autos sind kaputt.

"Aus dem privaten Bereich werden noch laufend Schäden gemeldet", sagte Stangassinger. Er habe noch am Sonntag Kontakt mit dem für die Schadensabwicklung zuständigen Verantwortlichen des Landeskatastrophenschutzes aufgenommen. "Wir werden die Bewohner auf Wunsch dabei unterstützen, die Anträge auf Hilfe beim Land zu stellen."

Im Laufe des Montags wird ein Geologe aus der Luft beurteilen, wann jene 30 Bewohner in ihre Häuser zurück können, die aus Sicherheitsgründen im Ortsteil Gamp evakuiert worden sind. "Die Gebäude sind nicht beschädigt, jetzt muss aber geklärt werden, ob die Gefahren von Muren gebannt sind." Um 13.00 Uhr soll der Krisenstab zum nächsten Mal tagen. In der Altstadt seien Häuser und Wohnungen von einer Handvoll Bewohnern unbewohnbar - entweder weil Wasser, Schlamm und Geröll massive Schäden angerichtet haben, oder weil geprüft werden muss, ob die Statik noch in Ordnung ist.

Schon einmal, im Jahre 1976, hat der Kothbach große Teile der Innenstadt verwüstet. 2014 hat die Lawinen- und Wildbachverbauung ein Schutzkonzept eingereicht, 2016 war die Finanzierung durch Bund und Land gesichert. Mit dem Bau des sechs Millionen Euro teuren Projekts wurde allerdings nach einem Einspruch des Naturschutzbundes verzögert erst im Vorjahr begonnen. Die Naturschützer sahen das Landschaftsbild in Gefahr, die Einsprüche wurden später vom Verwaltungsgerichtshof abgewiesen.

"Ich habe nicht das geringste Verständnis dafür, dass Genehmigungsverfahren durch NGOs über Jahre hinweg verzögert werden und damit einen wirksamen Schutz von Menschen und Gütern verhindern", hatte Landwirtschaftsministern Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Sonntag in einer Aussendung erklärte.

"Jetzt zu sagen, dass das Projekt aufgrund eines Einspruchs nicht schon fertig ist, ist Abschieben von Verantwortung", sagte Hannes Augustin, Geschäftsführer des Salzburger Naturschutzbunds, hingegen zur APA. Man habe nur einen Teil des Projekts kritisch gesehen. "Die von uns vorgeschlagen Alternative hätte eine natürliche Geländekuppe ausgenutzt. Es hätte weniger Stahl und Beton verbaut werden müssen, der Schutz wäre aber gleich wirksam und gleich teuer gewesen." Das Projekt sei aber nicht umgesetzt worden, weil ein Eigentümer den Grund nicht zur Verfügung stellen wollte. "Man hätte hier nachdrücklicher versuchen können, den Grund zu bekommen", so Augustin.

"Ich halte nichts von Schuldzuweisungen", sagte dazu Bürgermeister Stangassinger. "Tatsache ist, dass das Projekt verzögert worden ist. Hätte man es wie geplant begonnen, wären heute zwei Drittel der Maßnahmen umgesetzt gewesen. Die Innenstadt würde dann jetzt anders ausschauen." Im Einzugsbereich des Kothbachs fließen drei Bäche zusammen. Bei zwei werden nun Retentionsbecken geschaffen, beim dritten soll Wasser bei Unwettern durch einen aufgelassenen Salinenstollen in die Salzach abgeleitet werden. "Wichtig ist jetzt, das der Bach in Zukunft kein drittes Mal über die Ufer tritt."