Salzburger Festspiele sind eröffnet

Der offizielle Start in die Festspielsaion

Salzburger Festspiele sind eröffnet

Nach der Begrüßung durch Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler folgten Ansprachen von Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Bundesminister Thomas Drozda, die Festrede des Kulturphilosophen Konrad Paul Liessmann sowie die Eröffnungsrede von Nationalratspräsidentin Doris Bures. Die aktuellen Terroranschläge und Gewalttaten sowie politischen Veränderungen waren zentrales Thema in allen Reden. Den musikalischen Teil der Eröffnungsveranstaltung gestalten heuer das Ensemble Musicbanda Franui und das Mozarteumorchester Salzburg.

Bei den heurigen Salzburger Festspielen werden an 41 Tagen 192 Veranstaltungen an elf Spielstätten geboten.

Stadl-Rabler: Seelenfenster und Weltflucht
Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler ging in ihrer Begrüßungsrede auf Richard Strauss' Oper "Die Liebe der Danae", die heuer bei den Festspielen im Programm steht, ein. Strauss sei, "als er mitten im Weltenbrand des zweiten Weltkriegs diese heitere Mythologie in drei Akten geschrieben hat, Weltflucht vorgeworfen worden", so Rabl-Stadler, die angesichts der aktuellen Geschehnisse die Frage stellte: "Würden wir nicht auch gerne, wenn nicht unsere Seelenfenster, zumindest unsere Ohren und Augen verschließen vor dem Grauen in Fern und Nah?" Rabl-Stadler verwies zu dieser Frage auf Strauss' eigene Erklärung, die antike Mythologie böte ihm subtile Deutungsmöglichkeiten für moderne Probleme, persönlicher und politischer Art, sowie auf Festspielgründer Hugo von Hofmannsthal, der die mythologischen Opern als "wahrste aller Formen" bezeichnete.

Haslauer: Kunst ist Bewusstsein
"Wir sind aus jenem Stoff gemacht, aus dem die Träume sind, und unser kleines Leben liegt im Schlaf", zitierte Landeshauptmann Wilfried Haslauer zu Beginn seiner Rede William Shakespeare und nahm Bezug auf die derzeitigen Unruhen: "Wir, die Kinder des Glücks, die genau hier und gerade jetzt leben dürfen, im vermeintlich sicheren Auge des Sturmes, der ringsum wütet, näher rückt und uns sein Grauen durch unwirkliche Bilder nur erahnen lässt."In diesem Zusammenhang ging Haslauer auf die 200-jährige Zugehörigkeit Salzburgs zu Österreich ein: "Aber: War das nicht immer so, dass die Katastrophen, die einen nicht unmittelbar selber betreffen, irgendwie unwirklich, ja geradezu als virtuell empfunden werden, so auch in diesen 200 Jahren, die Salzburg zu Österreich gehört? Abseits aller Kriege prägten Not und Elend den Beginn. 200 Jahre, nur 200 Jahre! Was ist das schon, das sind drei Lebenskreise von Menschen, die zirka 70 Jahre alt werden, ein Hauch, ein Wimpernschlag in der Geschichte der Menschheit. Wie reizvoll wäre es doch – nach einer Zeitreise in die Vergangenheit – mit unserem heutigen Wissen damals ein Gespräch geführt haben zu können", so Haslauer, der die Frage in den Raum warf: " Sind wir in diesen 200 Jahren bessere Menschen geworden? Da könnten bis 1945 Zweifel angebracht sein, aber danach? Wir fühlen uns doch in Wahrheit moralisch und ethisch hochstehender als die Generationen vor uns: Hand aufs Herz, wie schnell sind wir nicht mit der Verurteilung da, was früher gewesen ist, wir mit der Gnade der späten Geburt. Ich bezweifle, ob wir selber wirklich davor gefeit sind, wieder in die Barbarei, die Grobschlächtigkeit, die Kulturlosigkeit zurück zu verfallen, wenn wir aus der Ruhe im Auge des Sturmes in seine zerstörerische Veränderungsgewalt rücken, wenn auch wir das Schicksal anderer Zivilisationen erleiden, die im Laufe der Jahrtausende gekommen, aber auch gegangen sind, hochstehend und bewundernswert, letztendlich aber immer kraftlos, dekadent, ohne Selbstwertgefühl und eine leichte Beute für die brutale Stärke des Urtümlichen."

Ab jetzt ist die Festspielzeit also offiziell eröffnet!

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