Niki bekommt Kurve in Spielberg

50.000 rote Kapperl für Lauda

Niki bekommt Kurve in Spielberg

Der heutige Tag steht ganz im Zeichen unserer am 20. Mai verstorbenen Formel-1-Legende. Sebastian Vettel sagt: „Toll, dass man an so vielen Dingen hier zeigt, dass Niki noch immer ein Teil des Ganzen ist. Irgendwie ist er immer noch da.“ Stimmt! Lauda ist hier all­gegenwärtig. Alle gedenken Nikis bzw. ehren den großen Österreicher.

50.000 rote Kappen

In Erinnerung an Niki Lauda ist am Sonntag in Spielberg vor den Rennen die erste Kurve des Red Bull Rings in Niki-Lauda-Kurve umbenannt worden. Red Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko übergab Witwe Birgit und Sohn Lukas Lauda symbolisch einen Spielberg-Pokal. Das Projekt Spielberg legte außerdem in Gedenken an "Niki Nazionale" 50.000 rote Kappen auf den Tribünenplätzen für die Fans auf.

 
Die Kopfbedeckungen sowie Fahnen auf den Sitzplätzen gehören auch zur Choreografie bei der Bundeshymne, hieß es im Vorfeld. Der dreifache Formel-1-Weltmeister war im Mai im 71. Lebensjahr verstorben. Auf dem früheren Österreich- bzw. A1-Ring in der Steiermark war einst bereits eine Kurve nach Lauda benannt gewesen, ab 2014 hatte man diese jedoch ebenso wie einige andere an Sponsoren "verkauft". Lauda hat 1984 als einziger Österreicher den Heim-Grand-Prix gewonnen. Bisher einziger ständiger Namensgeber einer Kurve auf dem Red Bull Ring ist Jochen Rindt.
 
 
lauda kurve © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Birgit Lauda heute beim Emotions-GP

Der emotionale Lauda-Gedenk­akt in Spielberg – sogar Birgit kommt mit den Kindern.

Spielberg. Vor einem Jahr, bei seinem letzten GP-Wochenende in Spielberg, hatte Niki seine Familie dabei. Er ließ Max und Mia (damals 8) hinter die Kulissen blicken. Am Rande der Legendenparade posierte Niki mit den Zwillingen neben seinem Legenden-Boliden.

lauda kurve © APA/GEORG HOCHMUTH

 

Mercedes-Gedenkstern als Instagram-Posting

Heute kommt Birgit mit den Zwillingen zurück nach Spielberg, um beim großen Niki-Gedenkakt dabei zu sein. Auf Insta­gram postete sie ein Gänsehautfoto, das auch die Fans in Spielberg bewegt: Der große Mercedes-Stern hinter der Startkurve, darüber eine über­dimensionale rote Kappe.

Unbenannt-3.jpg © Screenshot Instagram

Vier Jahre vor der Hochzeit 2009 hatte Birgit dem dreifachen F1-Weltmeister eine Niere gespendet. Sie hat aus Niki „einen neuen Menschen gemacht“, wie Freunde der Familie immer wieder betonten. Beim Abschiedsgottesdienst am 29. Mai im Stephansdom sahen wir eine starke Frau. Heute kehrt Birgit mit den Kindern in die Öffentlichkeit zurück.

lauda kurve © APA/GEORG HOCHMUTH

 

Emotionale Lauda-Fotos wurden aufgehängt

Im Tunnel, der ins Fahrerlager führt, wurden 33 Lauda-Fotos angebracht. Niki im Ferrari, im McLaren, mit James Hunt, mit Ayrton Senna. Lauda mit Alain Prost, mit Lewis Hamilton, mit Bernie Ecclestone, Lauda bei seinen größten Erfolgen. Aber auch ganz persönliche, seltene Aufnahmen sind zu sehen. Immer wieder bleiben Max Verstappen, Lewis Hamilton und Co. bei besonders bewegenden Bildern, wie zum Beispiel dem Feuerunfall von 1976, stehen. Emotionale Erinnerungen an die Weltkarriere unseres dreifachen Weltmeisters.

Vor Fahrerlager steht Nikis legendärer Ferrari 312

Vor dem Fahrerlager steht Laudas legendärer Ferrari 312T mit der Startnummer 12, in dem Lauda 1975 seinen ersten WM-Titel holte. In der Fanzone kann man den über 1.000 PS starken McLaren TAG Turbo, mit dem Lauda 1984 in Spielberg siegte und zum 3. Mal Weltmeister wurde, bewundern. Sein Weggefährte Helmut Marko: „Niki ist ein Mythos.“ Lauda ist auch der einzige Österreicher, der den GP von Österreich gewinnen konnte. Die Fans haben daher den Red-Bull-Ring schon längst in Lauda-Ring umgetauft. Das wird heute leider nicht geschehen. Aber um 9 Uhr wird im Beisein von Witwe Birgit und Sohn Lukas eine Kurve nach Niki benannt – die hatte man ihm 2014 weggenommen, sie wurde damals an Sponsoren verkauft. Vor dem Rennen sollen noch 40.000 rote Niki-Kappen an der Strecke verteilt werden. Viele Zuschauer werden auch T-Shirts mit Lauda-Aufdruck tragen.

 

Red-Bull-Chef Marko im großen Interview: "Niki kann keiner ersetzen"

Ein Interview mit Helmut Marko – dort, wo das Red-Bull-Mastermind mit Lauda frühstückte.

Die gigantische Red Bull Energy Station im Fahrerlager, gestern, 8.30 Uhr. Marko verabschiedet sich von Jos Verstappen, dem Vater von Youngster Max, und nimmt uns beim Eingang in Empfang. Je weiter wir raufgehen, desto exklusiver wird’s. Ganz oben, in der 3. Etage inklusive Dachterrasse mit atemberaubendem Blick über Red Bull Ring und Murtal hat Teamchef Chris Horner eine Besprechung. Am Tisch daneben bekommen wir unseren Frühstücks-Kaffee. Afro-Espresso, die hauseigene Kaffeemarke.

ÖSTERREICH: Herr Doktor, hier haben Sie also um diese Zeit immer mit Niki Lauda gefrühstückt ...

Helmut Marko: Da hätten S’ noch ein bissl früher kommen müssen. Wenn ich um 7.30 Uhr nicht hier war, hab ich schon ein SMS bekommen. Letztes Jahr sind wir hier noch in der alten Energy Station gesessen. Die neue ist optisch viel besser gestaltet.

ÖSTERREICH: Es ist der erste Heim-GP ohne Ihren langjährigen Wegbegleiter ...

Marko: Egal, worüber wir hier reden, Niki und seine Formulierungen sind ständig präsent. Immer wieder hört man seine Sprüche wie „Seid’s alle deppert“.

ÖSTERREICH: Wie geht’s Ihnen, wenn Sie im Tunnel zum Fahrerlager unter den Bildern, die Sie gemeinsam mit Niki zeigen, vorbeigehen?

Marko: Wenn du dich von einer Frau trennst, kommt eine andere. Aber ich sehe keinen im gesamten Fahrerlager, der Niki nur ansatzweise ersetzen kann. Als ich Niki im letzten Jahr im AKH besucht hab, hat es so ausgesehen, als würde er sich derrappeln. Aber es ist leider anders gekommen.

ÖSTERREICH: Wie halten Sie den Stress beim Heim-GP aus?

Marko: Die Tage sind länger, aber eigentlich genieße ich das alles hier. Da, schauen Sie mal raus. Diese Gelassenheit und Ruhe kenne ich von keinem anderen Rennen. Die Anlage ist eingebettet in diese wunderschöne Murtal-Gegend. Ein Kraftort.

ÖSTERREICH: Nächstes Jahr läuft der F1-Vertrag mit dem Red Bull Ring aus. Werden wir unseren GP behalten?

Marko: Natürlich ist das Ganze auch wirtschaftlich zu betrachten. Es gibt Gespräche, und der Wille ist von beiden Seiten da. Aber das hängt natürlich auch mit der Zukunft unserer beiden F1-Teams zusammen.

ÖSTERREICH: Genießen Sie das Legenden-Rennen?

Marko: Ich hab mich grad mit Jos Verstappen unterhalten. Kaum schalten wir auf den 2. Gang, ist der alte Kampfgeist zurück. Jos hat nicht nur einen PS-Vorteil, er hat heimlich in Zandvoort trainiert.

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