Muren, Überflutungen & Lawinen

Zittern in Österreich

Muren, Überflutungen & Lawinen

Salzburg/Lienz/Klagenfurt. Die starken Niederschläge am Sonntag sorgten vor allem in Oberkärnten und in Osttirol, stellenweise auch im südlichen Salzburg sowie in Nordtirol für erhebliche Probleme, hier galten laut ZAMG weiterhin rote und orange Wetterwarnungen. Positive Nachrichten gab es für Lavamünd, die Hochwasserwelle dürfte geringer ausfallen als ursprünglich vorhergesagt.
 

Mure traf Wohnhäuser in Bad Gastein: 

 
Im Ortsteil Badbruck in der Gemeinde Bad Gestein im Salzburger Pongau ist am Sonntag gegen Mitternacht eine Mure auf zwei Wohnhäuser niedergegangen. Das teilte Franz Wieser, Leiter des Medienzentrums des Landes, mit. Eine Person konnte verletzt geborgen werden, eine weitere Person in den Nachtstunden.

Murenabgänge und Überschwemmungen im Salzburger Süden

 
In den südlichen Salzburger Bezirken spitzte sich am Sonntagnachmittag die Lage nach dem anhaltenden Regen zu. "Es kommen immer mehr kleinräumige Vermurungen und Überflutungen dazu", sagte der Pinzgauer Bezirkshauptmann Bernhard Gratz zur APA. Besonders stark betroffen waren Zell am See, Bruck und Taxenbach. Im Pinzgau wurden 23 Gebäude vorsorglich evakuiert, berichtete Gratz.

Zahlreiche Straßen mussten gesperrt werden. So war die B311 zwischen Taxenbach und Gries sowie bei Schwarzach nicht passierbar, die Stadtdurchfahrt von Zell am See war nach einem Hangrutsch gesperrt. Die Embacher Landesstraße bei Rauris ist unterspült worden und musste gesichert werden. Auch viele Zufahrtsstraßen zu Häusern waren von Muren und Überflutungen betroffen, rund 200 Personen seien dadurch nicht erreichbar.
 
Unbenannt-9.jpg © Facebook

"Keine Entspannung", hieß es am Nachmittag beim Landesfeuerwehrkommando Salzburg. Im Pinzgau seien fast alle Kräfte ausgerückt, auch im Pongau und im Lungau gebe es viele Einsätze wegen Hochwasser, Erdrutschen und Muren, teilte die Feuerwehr mit. Besonders betroffen waren das Großarltal und der Bereich Schwarzach.
 
SAlzburg Hochwasser © APA

Zivilschutzwarnung für Muhr, Großarl, Hüttschlag und Bad Hofgastein
 

Nach den anhaltenden Regenfällen haben die Bezirkshauptmannschaften Lungau und Pongau für mehrere Gemeinden am Sonntagnachmittag eine Zivilschutzwarnung ausgegeben. In Muhr im Lungau wurden die Bewohner wegen der Muren- und Hochwassersituation dringend angehalten, ihre Wohnhäuser nicht zu verlassen.

Die Bezirkshauptmannschaft Pongau informierte die Bevölkerung der Marktgemeinde Bad Hofgastein, dass sich die Bewohner von Gebäuden in Hanglagen bis auf Weiteres in das erste Obergeschoß begeben und dort talseitig aufhalten sollen. Auch in Großarl und Hüttschlag wurden die Bewohner mit der Zivilschutzwarnung angehalten, sich in die Häuser zu begeben und diese bis auf Weiteres nicht zu verlassen.
 

 

Bach trat über die Ufer: Erste Anrainer müssen flüchten

In Kärnten ist vor knapp einer Stunde Zivilschutz-Alarm ausgelöst worden. Der Zandlacherbach trat über die Ufer. Alle Personen, die im Einzugsbereich wohnen, sollen das Nötigste zusammenpacken und die Häuser verlassen.

Schulen bleiben in Kärnten geschlossen

Sämtliche Schulen im Bezirk Spittal/Drau sowie ein Bildungszentrum im Bezirk Hermagor werden am Montag geschlossen bleiben. Angesichts der Lawinengefahr, starker Regenfälle und zahlreicher Straßensperren gehe die Sicherheit und das Wohlergehen der Schüler vor, gab Bildungsreferent Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) am Sonntag bekannt. Für die Gemeinde Flattach wurde Zivilschutzalarm verhängt.

Begründet werden die Schulschließungen damit, dass sich die Situation im Bezirk in den Nachmittagsstunden dramatisch zugespitzt habe. So gab es infolge des anhaltenden Starkregens zahlreiche Muren und Rutschungen, Straßensperren auf der Kleinkirchheimer Straße (B88), der Großglockner Straße (B107) sowie der Mölltal Straße (B106) und es bestand hohe Lawinengefahr im Bereich des oberen Mölltals. Auf Grund der starken Regenfälle und der Gefahren, die von umstürzenden Bäumen ausgehen, verhängte die Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) am Sonntagnachmittag über die Gemeinde Flattach/Bezirk Spittal einen Zivilschutzalarm. Die Menschen vor Ort waren aufgerufen, die Häuser bis auf Weiteres möglichst nicht zu verlassen.

Die Prognosen für Lavamünd (Bezirk Wolfsberg) haben sich verbessert, teilte der Katastrophenschutzreferent Daniel Fellner (SPÖ) nach der Sitzung des Landeskrisenstabes am Samstag mit. Mit einer maximalen Absenkung der Staubecken versuchte man, so viel Wasser wie möglich vorab abzufangen. Die für die Nachtstunden angekündigte Hochwasserwelle dürfte geringer ausfallen, als befürchtet. "Es ist jetzt von einem zehn- bis 30-jährigen Hochwasser (HQ 10 - HQ 30; Anm.) auszugehen", konkretisierte der Kärntner Katastrophenschutzbeauftragte Markus Hudobnik gegenüber der APA.
 
lavam´+ünd.jpg © apa
 

Schulen in Osttirol auch am Montag gesperrt

 
Nachdem die Nacht in Osttirol weitgehend ruhig verlaufen war, führten die anhaltenden Schneefälle am Sonntag wieder vermehrt zu Problemen. Rund 2.000 Haushalte waren Sonntagmittag ohne Stromversorgung. Die schweren Niederschläge würden laufend zu Baumstürzen und Seilrissen führen, hieß es seitens der Tinetz-Stromnetz Tirol AG. Der Stromversorger sprach von einer Situation, "wie wir sie noch nie hatten". Die Bildungsdirektion Tirol empfahl allen Schulleitern, auch am Montag die Schulen in Osttirol noch geschlossen zu halten.
 
Aus Sicherheitsgründen mussten auch am Sonntag noch zahlreiche Straßen gesperrt bleiben, darunter etwa die Felbertauernstraße, die Gailtalstraße (B111), die Defereggentalstraße (L25) und die Kalser Straße (L26). Auch am Sonntag herrschte Lawinenwarnstufe 4 der fünfteiligen Skala. "Der Aufenthalt abseits gesicherter Pisten ist demnach unbedingt zu vermeiden", betonte Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol.
 
Im Südtiroler Martelltal ging am Sonntag eine Lawine in ein Dorf ab. Laut Medienberichten dürften dabei mehrere Häuser beschädigt worden sein, verletzt wurde aber niemand. Ein Video des Lawinenabgangs kursierte im Internet. Zudem war bei Mauls eine Hochspannungsleitung auf die Brennerautobahn, die Eisenbahngleise und die Staatsstraße gestürzt. Jeglicher Verkehr zwischen Brixen und Sterzing war damit unterbrochen. Auch in Südtirol waren zahlreiche Straßen gesperrt und rund 12.500 Haushalte ohne Strom. Das Mobilfunknetz war ebenfalls teilweise ausgefallen.
 
Die starken Niederschläge bereiteten auch im Bundesland Salzburg weiter Probleme. Besonders betroffen waren die südlichen Landesteile. In Taxenbach, Bruck, Fusch und Rauris seien rund 200 Personen ohne Straßenverbindung, 13 Gebäude wurden im Pinzgau vorsorglich evakuiert, teilte der Pinzgauer Bezirkshauptmann Bernhard Gratz mit.
 
mure.jpg © APA/LAND SALZBURG/BH ZELL AM SEE  Murenabgang nach Starkregen im Pinzgau
 
 
Im Bereich der Tauern erwarteten die Meteorologen innerhalb von 24 Stunden 90 Millimeter Niederschlag. Dazu herrschte starker Südföhn. Die ansteigende Schneefallgrenze verringerte zwar die Gefahr umstürzender Bäume, gleichzeitig erhöhte sich aber die Gefahr, dass es durch den anhaltenden Regen zu lokalen Überflutungen kommt. In Zell am See drohte beispielsweise der Thumersbach über die Ufer zu treten, die Thumersbacher Landesstraße war gesperrt. Die Lawinengefahr in den Hohen Tauern war groß, in den Niederen Tauern und in den Lungauer Nockbergen erheblich.
 
Der Katastrophenschutz des Landes empfahl, in den betroffenen Gebieten nicht notwendige Autofahren zu vermeiden und die Gefahr von Dachlawinen zu beachten.
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