Mühevolles 1:1 gegen Norwegen

ÖFB-Team

Mühevolles 1:1 gegen Norwegen

Die Österreicher retteten am Mittwoch zum Jahresabschluss in Wien gegen Norwegens Notelf aufgrund eines Treffers von Adrian Grbic in der Nachspielzeit ein 1:1 (0:0). Ghayas Zahid hatte die wegen der Corona-Quarantäne für ihre Stars kurzfristig zusammengestoppelte Auswahl der Norweger in Führung gebracht (61.). Der Gruppensieg berechtigt zum Aufstieg in die Liga A. Den Aufstieg in die Top-Kategorien des UEFA-Nationenbewerbs schafften neben Österreich auch Tschechien, Ungarn und Wales.

Von ihrem sechsten Sieg in Serie war die ÖFB-Auswahl nach einer äußerst schwachen Vorstellung weit entfernt. Spielerisch hatte das Team von Franco Foda zuletzt auch bereits im Test gegen Luxemburg (3:0) und in der Nations League gegen Nordirland (2:1) nicht zu überzeugen vermocht. Gegen die Norweger setzte Foda im Sturmzentrum erstmals in diesem Jahr in der Startformation auf Rückkehrer Marko Arnautovic. Der China-Legionär stürmte anstelle von Michael Gregoritsch. Dazu kam LASK-Mittelfeldspieler Reinhold Ranftl anstelle des gesperrten Aleksandar Dragovic ins Team. Stefan Ilsanker rückte vom Mittelfeld in die Innenverteidigung.

Zusammengewürfelte Norwegen-Elf

Norwegen war nach einem positiven Coronatest bei Galatasaray-Profi Omar Elabdellaoui, der eine Quarantäne für alle einberufenen Profis um Stürmerstar Erling Haaland zur Folge hatte, mit einem Notteam nach Wien gereist. Mehr als die Hälfte der Startformation absolvierte im wegen Corona leeren Ernst-Happel-Stadion das erste A-Länderspiel.
 

Das anstelle von Lars Lagerbäck von U21-Coach Leif Gunnar Smerud betreute, eilig zusammengestellte Team hatte am Dienstag nur einmal mitsammen trainiert. Dennoch stellte es die Österreicher mit seiner ambitionierten Spielweise in der ersten Hälfte vor einige Probleme. Jörgen Strand Larsen klopfte bereits nach 45 Sekunden erstmals an. In der 33. Minute rettete Martin Hinteregger bei einer Großchance des Angreifers, ehe Jörgen Skjelvik ÖFB-Keeper Pavao Pervan zu einer Parade zwang (35.)

Arnautovic auffällig

Österreich hatte zwar mehr Spielanteile, echte Gefahr ging aber nur von Arnautovic aus. Der 31-Jährige schoss aus der Drehung einmal knapp am langen Kreuzeck vorbei (20.), ein weiteres Mal parierte Norwegens Keeper Per Kristian Braatveit (30.). Dieser war seiner Mannschaft nach einem nicht eindeutigen Corona-Testergebnis erst am Spieltag nachgereist.
 
Arnautovic traf auch nach Seitenwechsel aus guter Position das Tor nicht (48.). Auf der Gegenseite schoss Mats Möller Dähli bedrängt von Hinteregger vorbei (53.), ehe es durch Zahid die kalte Dusche setzte. Der Mittelfeldmann von APOEL Nikosia traf in seinem zweiten Länderspiel nach Assist des Ex-Rapidlers Veton Berisha.
 
Foda reagierte, schickte mit Grbic einen zweiten Stürmer auf den Platz. Dieser brachte den Ball nach Querpass von Alaba aus kurzer Distanz aber nicht an Braatveit vorbei - Österreichs bis dahin größte Torchance im Spiel (71.). Arnautovic stolperte danach im Strafraum, ein Pfiff blieb aber aus (78.). Ein weitere Arnautovic-Schuss ging über das Tor, ehe Grbic in der vierten Minute der Nachspielzeit für die Erlösung sorgte. Der Frankreich-Legionär traf nach Arnautovic-Zuspiel ins lange Eck. Es war sein viertes Tor im siebenten Länderspiel-Einsatz.
 

Duelle mit Top-Nationen warten

Der Gruppensieg war aufgrund des gewonnenen direkten Duelles fixiert - selbst wenn ein möglicher norwegischer Protest gegen die Wertung des nicht ausgetragenen Spiels in Rumänien erfolgreich sein sollte. Die Norweger hatten wegen der strengen Corona-Richtlinien der eigenen Regierung am Sonntag nicht zum vorletzten Gruppenspiel antreten können. Die Partie wurde von der UEFA mit 3:0 für Rumänien gewertet. Die Aussicht auf einen erfolgreichen Einspruch ist zudem äußerst gering.
 
Für Österreich ist der Gruppensieg nicht nur mit dem Aufstieg in die Liga A der Schwergewichte Frankreich, Spanien oder Portugal verbunden, er öffnet dem ÖFB-Team auch eine Hintertür in Richtung WM 2022 in Katar. Sollten die Österreicher im nächsten Jahr in der regulären WM-Quali nicht auf einem der ersten beiden Gruppenränge landen, könnten sie eines von zwei für die Nations League reservierten Tickets für das Play-off erhalten. Dort werden mit den zehn Gruppenzweiten der WM-Quali noch drei WM-Startplätze ausgespielt..
 

Stimmen zum Spiel:

Franco Foda (ÖFB-Teamchef): "Es ist nicht alles gut. Es war heute ein schwieriges Spiel, das war uns vor dem Spiel bewusst. Der Gegner hatte nichts zu verlieren, sie konnten Geschichte schreiben - es war eine außergewöhnliche Situation. Wir waren vor allem im Defensivverhalten heute nicht so präsent, wie wir das gewohnt sind. Wir haben viele Torchancen zugelassen. Wir haben viele Abspielfehler gemacht, der Spielaufbau war nicht gut.
 
Ich kenne natürlich auch die Umstände. Man hat bei manchen Spielern gemerkt, dass die Dynamik, die Spritzigkeit gefehlt hat. Ich habe Bedenken, dass das (die Belastung/Anm.) im nächsten Jahr nicht weniger wird. Nichtsdestotrotz haben wir unser Ziel erreicht. Wir werden aber in der Zukunft ein paar Dinge verändern. Wir mussten in den letzten Monaten immer sehr viel verändern. Wir mussten auf die Spieler Rücksicht nehmen. Trotz allem haben wir auch gute Phasen gehabt. Wir haben den ersten Platz auch zurecht belegt."
 
Adrian Grbic (ÖFB-Torschütze): "Ich habe immer dran geglaubt, dass wir den Ausgleich schießen. Vor allem, weil wir in der zweiten Hälfte auch mehr Chancen vorgefunden haben. Mich hat es gefreut, dass ich das Tor schießen und der Mannschaft helfen können habe. Bei der ersten Chance konnte ich den Ball nicht mehr so gut platzieren, weil sich der Tormann gut reingehaut hat. An guten Tagen mache ich den vielleicht auch rein, aber die zweite Chance hat dann gesessen."
 
Julian Baumgartlinger (ÖFB-Kapitän): "Es ist ein Riesenziel von uns gewesen, dass wir in der Nations League in den obersten Topf aufsteigen, weil genau solche Spiele dann für uns noch härter werden. Wir müssen einfach besser werden. Jetzt freuen wir uns, weil wir uns die letzten beiden Spiele schwergetan haben. Es ist im Topf B nichts einfach. Norwegen war sehr mutig, sie haben uns immer wieder unter Druck gesetzt. Sie haben sich etwas zugetraut. Selber waren wir zu schleißig in unseren Situationen um den Sechzehner herum."
 
Xaver Schlager (ÖFB-Mittelfeldspieler): "Es war sehr, sehr schwierig - viel Druck, viele schwierige Situationen, die man schnell hätte lösen sollen. Tut mir leid, aber die (die Norweger/Anm.) sind jetzt nicht aus der Regionalliga Ost oder so. Die spielen alle in Topligen. Die haben halt nichts zu verlieren. Die bekommen dann, wenn ihnen etwas gelingt, riesiges Selbstvertrauen. Bei uns kommt von außen viel Druck auf. Das sind Sachen, die als Fußballer schwierig sind."
 
Veton Berisha (Norwegen-Stürmer und Ex-Rapidler): "Wir haben ein sehr gutes Spiel gespielt. Wir haben ein Training gestern gehabt. Die drei, vier letzten Tage waren sehr hektisch. Wir sind stolz auf das Spiel, das wir heute geliefert haben. Ich finde, dass wir einen guten Plan gehabt haben. Wir hätten auch zwei oder drei Tore schießen können, aber Österreich ist eine gute Mannschaft. Auch die Spieler, die heute nicht gespielt haben, sind gut. Aber vielleicht kann ich auch beim nächsten Mal spielen."
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