Mit Sex-Videos erpresst

Prozess in Salzburg

Mit Sex-Videos erpresst

Ein 26-Jähriger hat sich am Montag vor einem Schöffensenat am Landesgericht Salzburg wegen schwerer Erpressung, gefährlicher Drohung, schwerer Nötigung und weiteren Delikten verantworten müssen. Was den Hauptvorwurf betrifft, soll der Beschuldigte die Familie seiner heimlichen Freundin mit Nacktfotos sowie Sex-Videos erpresst und 120.000 Euro gefordert haben. Er zeigte sich zum Teil geständig.

Im Hintergrund steht offenbar die unglückliche Beziehung des Afghanen zu der jungen Frau, die aus einer Familie mit türkischem Migrationshintergrund stammt. Der Vater der Freundin sei mit der Beziehung des Mannes zu seiner Tochter nicht einverstanden gewesen, sie habe sich dann heimlich mit ihm getroffen, schilderte Staatsanwältin Sandra Wimmer.

Der Angeklagte habe gegenüber der Frau gedroht, er werde ihre Familienmitglieder umbringen, wenn er sie nicht weiterhin zur Freundin haben könne. Schließlich habe er per WhatsApp gedroht, er werde Nacktaufnahmen von ihr veröffentlichen, wenn der Vater nicht 120.000 Euro an ihn zahle. Insgesamt 28 Nacktfotos soll der Beschuldigte im März 2019 an Familienmitglieder der Frau und auch an einen Geschäftspartner des Vaters geschickt und erklärt haben, er werde die Fotos der ganzen Welt zeigen, wenn er sich nicht mit der Frau treffen könne und das Geld erhalte, das sie ihm schulde - "was aber nicht stimmt", so die Staatsanwältin. "Die Sprachnachricht war gespickt mit Drohungen."

Verteidiger Leopold Hirsch erklärte, die Beziehung des Afghanen zu der Frau sei unter "einem unglücklichen Stern" gestanden, weil der Vater diese Beziehung von Anfang an abgelehnt habe. Er habe seine Tochter deshalb auch geschlagen und sie in ihrer Freiheit beschränkt. Das Mädchen habe dem Afghanen "glühende Liebesbriefe" geschrieben und darin versichert, "ich schwöre, ich werde immer bei dir sein", zitierte der Anwalt aus einem Brief. "Das Motiv des Angeklagten war nicht das Geld, sondern die Freundin. Er wollte sie aus der Familie loslösen und eine gemeinsame Zukunft mit ihr schaffen. Dieser Liebe hat man keine Chance gegeben."

Der Beschuldigte habe die Frau auch nicht zu sexuellen Handlungen gezwungen, betonte der Anwalt. Sie arbeitete zeitweise in einem Lokal im Flachgau, das der Beschuldigte im Namen seiner Schwester betrieben hatte. Der Angeklagte sagte bei seiner Einvernahme durch den vorsitzenden Richter Christian Hochhauser, er habe seine Freundin 2018 in einer Moschee in Wien geheiratet, "sie ist meine Frau". Weil er keine Geburtsurkunde besitze, habe er sie nicht standesamtlich heiraten dürfen. Ihr Vater habe ihn mit dem Umbringen bedroht. Die Idee mit den Nacktfotos und den Drohungen stamme von seiner Freundin, meinte der Angeklagte, der sich derzeit in Untersuchungshaft befindet.

Den Vorwurf, er habe sich im Vorjahr an der Manipulation einer Führerschein-Prüfung eines Landsmannes in St. Pölten beteiligt, bestritt der Angeklagte ebenso wie den Vorwurf, er habe im Jänner 1.500 Euro von einem Bekannten unter der Drohung gefordert, er werde ihm ansonsten den "Kopf abschneiden". Geständig zeigte er sich zu einem Vorfall im Jänner in einem Wifi-Gebäude in Oberösterreich. Er randalierte, beschädigte eine Lampe und drohte gegenüber einer Mitarbeiterin, er werde einen Benzinkanister holen und "alles niederbrennen". Seine Rechtfertigung: Er habe sich geärgert, weil er sich entgegen den Unterlagen nicht zu einem Wifi-Kurs angemeldet habe. "Ich wollte wissen, wer die Kopie von meiner Unterschrift gemacht hat, dass ich das bezahle." Ob noch heute ein Urteil gesprochen wird, stand vorerst nicht fest.

 

Quelle: APA

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