Mit Digitalisierung stärker positionieren

Uni Salzburg

Mit Digitalisierung stärker positionieren

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Umstrittene Strukturreform umgesetzt - Rektor Lehnert bewirbt sich um zweite Amtszeit

Die Paris Lodron Universität Salzburg feiert heuer zwei Jubiläen: Vor 400 Jahren wurde mit der Benediktineruniversität der Grundstein für die akademische Ausbildung in Salzburg gelegt, vor 60 Jahren die heutige staatliche Alma Mater eingerichtet. Die starken Geisteswissenschaften seien ein Charakteristikum der Salzburger Universität, das heute mit neuen Ansätzen – wie der Digitalisierung – verbunden würde, sagte Rektor Hendrik Lehnert im Gespräch mit der APA.

Bei dieser Neupositionierung sei man schon gut vorangekommen. Lehnert hat mit Beginn seiner Amtszeit im Herbst 2019 einen nicht unumstrittenen Veränderungsprozess an der Universität Salzburg eingeleitet. Am Dienstag dieser Woche befasst sich der Senat mit der Frage einer beschleunigten Wiederbestellung des Rektors ohne Ausschreibung. Dazu braucht es sowohl im Senat als auch im Universitätsrat eine einfache Mehrheit. "Wir haben eine neue Universitätsstruktur geschaffen", sagte Lehnert. Aus den ursprünglich vier seien "sechs sehr gut definierte Fakultäten" hervorgegangen. Neu ist die Fakultät für Digitale und Analytische Wissenschaften, die Fachbereiche wie Artificial Intelligence und Human Interfaces, Geoinformatik, Informatik und Mathematik umfasse. Gearbeitet werde außerdem an einer Reform der Studiengänge. So seien neue Angebote wie Künstliche Intelligenz oder fachübergreifende Masterstudien Sprache – Wirtschaft - Kultur eingerichtet worden.

Die Universität Salzburg stehe für eine große geisteswissenschaftliche Tradition, werde aber zunehmend auch für interdisziplinäre Verknüpfungen wahrgenommen. Digitale Transformation und Künstliche Intelligenz spielten in vielen Bereichen eine Rolle. Dass man durch zu viele Verknüpfungen und Crossover-Angebote nirgends in die Tiefe gehe und austauschbar werde, sieht Lehnert nicht: "Dafür haben wir unsere Forschungsschwerpunkte." Es gehe ihm um die Verbindung alter Stärken mit digitalen Fragestellungen.

Mit den rund 18.000 Studierenden habe die Universität für Lehnert "eine gute Größe". Dass es in einzelnen Fächern weniger Studierende gebe, macht ihm keine Sorgen. "Ich sehe keinen dramatischen Rückgang. Überall dort, wo die Studierendenzahl abnimmt, werden die Curricula angepasst." Auflassen ist für ihn nicht die erste Option. Ihm sei es wichtiger, kleine Studiengänge durch fächerübergreifende Masterangebote zukunftsfähig zu machen.

Zu seinen Leistungen zählt Lehnert auch eine Erhöhung der Drittmittel auf rund 25 Mio. Euro. Das liege etwa fünf Mio. Euro über dem Niveau bei seinem Amtsantritt. Neben den Landesmitteln für die Förderung der neuen Fakultät für Digitale und Analytische Wissenschaften – das Land finanziert unter anderem drei Stiftungsprofessuren – sei es gelungen, zwei große Projekte aus dem europäischen Wissenschaftsförderprogramm nach Salzburg zu holen. Außerdem habe er in den vergangenen Jahren die Frauenförderung und das Diversitätsmanagement an der Universität ausgebaut.

"Mein Ziel ist, dass sich die implementierten Strukturen nun nachhaltig bewähren", kündigte Lehnert eine regelmäßige Evaluierung aller Fakultäten an. Im Mai werde mit der Kulturwissenschaftlichen Fakultät begonnen. Er will die Neupositionierung der Universität weiter vorantreiben und sie international stärker vernetzen. Deshalb sei Salzburg der Universitätsallianz Civis beigetreten.

Neben den Umbauten in den Universitätsstrukturen will Lehnert auch ein reales Bauprogramm umsetzen. So soll in Itzling mehr Platz für die Digitale Fakultät entstehen, gemeinsam mit der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität werde ein Forschungsgebäude errichtet. Außerdem plant Lehnert im Bereich des Uniparks Nonntal ein Gebäude, in das die gesamte universitäre Verwaltung samt studentischen Serviceangeboten und Kindertagesstätte einziehen soll. Derzeit sei die Verwaltung über die gesamte Altstadt verstreut. Eine Abkehr von der für Salzburg typischen Altstadtuniversität sieht Lehnert dadurch nicht: "Es wird auf keinen Fall zu einer Entleerung der Altstadt kommen."

Zur immer wieder geäußerten Kritik an seinem Führungsstil meinte Lehnert: "Es ist so, dass man nicht nur Freunde hat, wenn man Veränderungen macht. Man muss das sportlich nehmen." Er habe aber auch dazugelernt und setze stärker auf Partizipation.

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