Bücher

Happy Birthday

Jubiläen - Uni Salzburg wird 400 Jahre alt

Artikel teilen

Paris Lodron als Gründervater in Salzburg - "Ausgleich" mit Ungarn machte Boku nötig

Universitäten und ehrwürdige Wissenschaftsinstitutionen feiern 2022 runde Jubiläen. Die Paris Lodron Universität Salzburg begeht sowohl den 400. Jahrestag ihrer Gründung wie auch den 60. Jahrestag ihrer Wiedereröffnung. Die Universität für Bodenkultur (Boku) Wien wiederum wurde vor 150 Jahren gegründet. Und die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) blickt auf ihr 175-jähriges Bestehen zurück. An allen drei Einrichtungen stehen Festveranstaltungen am Programm.
Universitätsgründungen im 17. Jahrhundert waren nicht simpel: Bevor eine solche entstehen konnte, musste eine Stadt ein Gymnasium besitzen - dieses konnte dann nach dem O.K. von Papst und Kaiser "universitas magistrorum et scolarium" (Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden) erweitert werden, heißt es in der Chronik der Uni. In Salzburg kam noch das Spezialproblem dazu, dass hier der Jesuitenorden nicht angesiedelt war, der für gewöhnlich die Lehrkräfte stellte.
Erzbischof Marcus Sitticus konnte die Lehrer erst nach einer Werbetour durch Süddeutschland, Österreich und Südtirol gewinnen - so wurde 1618 schließlich das Gymnasium gegründet. Statt der Jesuiten wurden die Benediktiner für das Projekt verpflichtet. Nach Marcus Sitticus' Tod 1619 folgte ihm Paris Lodron (1586-1653) in seinem Amt - dieser verlor wiederum keine Zeit zur Universitätsgründung. Schon 1620 stimmte der Kaiser zwar einer "Artistenfakultät" (keine Zirkusschule, sondern nach den "Artes Liberales" benannt, aus denen sich das Philosophiestudium entwickelte, Anm.) und damit einer Art Magisterstudium zu, verweigerte aber sein Ja zu einem Vollstudium.
Paris Lodron ließ allerdings nicht locker, und am 4. Oktober 1622 traf das kaiserliche Privileg zur Neugründung einer Salzburger Universität offiziell ein. Am 8. Oktober wurde sie schließlich formell errichtet. Erst verspätet kam dann die Zustimmung des Papstes, nämlich 1625 - deshalb tauchten auch immer wieder 1620 oder 1625 als Gründungsdaten auf.
Ein normales Studium sah damals folgendermaßen aus: Nach dem Gymnasium folgte einheitlich ein zweijähriges Philosophiestudium, anschließend konnte man sich zwischen Theologie oder Jus entscheiden. Anders als an anderen Unis gab es in Salzburg allerdings keine Medizinische Fakultät, sondern höchstens eine Professur dafür - dieses Schicksal wiederholte sich sehr zum Ärger der Landespolitik dann nach der Wiedergründung im 20. Jahrhundert.
Ein allzu langes Dasein blieb der Universität nicht beschieden. Im Zuge der Aufklärung verlor sie an Bedeutung und Studenten. Nach der Angliederung Salzburgs an Bayern 1810 wurde sie wieder zu einem Lyzeum herabgestuft. Erst 1962 wurde sie als Alma Mater Paridiana wiedererrichtet, zwei Jahrer später begann der Lehrbetrieb. Heute gliedert sie sich in vier Fakultäten (Theologie, Jus, Kultur- und Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften) und hat rund 18.000 Studierende.
Etwas kleiner und spezieller dimensioniert ist die Boku in Wien. Sie wurde quasi aus der Not geboren, weil die bis dahin größte landwirtschaftliche Ausbildungsstätte der k.k. Monarchie in Ungarisch-Altenburg nach dem "Ausgleich" an Ungarn fiel. Nach längerem Gerangel um den Standort - Praxisorientierte legten Wert auf eine Versuchswirtschaft am Land, Wissenschaftsorientierte bevorzugten die Stadt - wurde die "k. k. Hochschule für Bodencultur" schließlich am 15. Oktober 1872 in Wien eröffnet. Zweck war "die höchste wissenschaftliche Ausbildung in der Land- und Forstwirtschaft zu erteilen".
Standorte gab es zunächst zwei - die Landwirtschaft wurde im Palais Schönborn in Wien-Josefstadt untergebracht, die Forstwirtschaft nach einer Übergangszeit in der noch bestehenden Forstakademie in Mariabrunn (heute Wien-Penzing) in der Skodagasse (Josefstadt). 1896 übersiedelte man schließlich an den heutigen Hauptstandort an der Türkenschanze - die ersten Gebäude waren das heutige Gregor-Mendel-Haus bzw. das Justus-Liebig-Haus in Währing.
Später kam zunächst eine Versuchswirtschaft in Groß-Enzersdorf (1902) und unmittelbar neben den ersten Gebäuden das "Guttenberghaus" (1912) hinzu. In der Ersten Republik gab es aufgrund des Studentenrückgangs erstmals Überlegungen für eine Fusionierung mit der Veterinärmedizinischen Universität - dieser auch später immer wieder auftauchende Gedanke wurde aber nie realisiert.
Erst in den späten 1950er Jahren wuchs die Hörerzahl wieder stärker - als Reaktion wurde das Wilhelm-Exner-Haus (ein ehemaliges Spital) in Döbling angemietet, 1975 das angrenzende Franz-Schwackhöfer-Haus gebaut. 1984 kamen der legendäre "Türkenwirt" beim Hauptgebäude und das Cieslar-Haus dazu. Anfang der 1990er Jahre folgten später ausgebaute Standorte in der Muthgasse (Döbling) sowie das Interuniversitäre Forschungsinstituts für Agrarbiotechnologie in Tulln (NÖ).
Heute gliedert sich die Boku in 15 Departments und hat rund 11.000 Studierende. Neben den "klassischen" Agrar- und Forstwissenschaften werden etwa auch Studien wie Umwelt- und Bioressourcenmanagement, Umweltingenieurswissenschaften, Lebensmittel- und Biotechnologie oder Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur bzw. Holz- und Naturfasertechnologie angeboten.
Die Bestrebungen um die Errichtung einer Akademie der Wissenschaften in Wien gehen auf Anfang des 18. Jahrhunderts zurück. So hat etwa Gottfried Wilhelm Leibnitz bereits 1713 die Errichtung einer Akademie angeregt. Doch erst eine Bittschrift von zwölf Gelehrten im Jahr 1837 führte nach langen Beratungen zum Erfolg, Kaiser Ferdinand I. genehmigte durch ein Patent vom 14. Mai 1847 die Gründung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. Erster Präsident war der Orientalist Josef von Hammer-Purgstall (1774-1856). 1857 bezog die Akademie das ehemalige Gebäude der Universität Wien am Wiener Dr. Ignaz Seipel-Platz in der Innenstadt, das seit 1848 vom Militär genutzt worden war und heute noch ihren Hauptsitz darstellt.
Die Akademie entfaltete eine rege Forschungstätigkeit, die von Ausgrabungen u.a. in Ephesos, über die Einrichtung der ersten meteorologischen Stationen für die gesamte Monarchie bis zur Beteiligung an der Weltumsegelung der Fregatte "Novara" (1857-1859) oder der "Südarabischen Expedition" (1898-1899) reichten. Die als Gelehrtengesellschaft in zwei Klassen (Philosophisch-historische Klasse und Mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse) organisierte Akademie hat sich auch immer wieder als Forschungsträgerorganisation hervorgetan, etwa mit der Einrichtung des Phonogrammarchivs (1899), des ältesten Tonträgerarchivs der Welt, oder des ersten Instituts für Radiumforschung (1908/10). Diese Tradition setzte die seit 1947 "Österreichische Akademie der Wissenschaften" benannte außeruniversitäre Einrichtung auch in den vergangenen Jahrzehnten mit der Gründung etwa des Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) oder des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) fort. Heute betreibt die Akademie 25 Forschungsinstitute in den Geistes-, Kultur-, Sozial- und Naturwissenschaften, hat rund 760 Mitglieder und 1.800 Mitarbeiter.
Zum Jubiläum plant die ÖAW u.a. ein wissenschaftliches Festsymposium, die Präsentation zweier neuer Bände zur Akademiegeschichte und eine Ausstellung mit kartographischen Schätzen aus ihren Sammlungen. Zudem soll der "Campus Akademie" im Mai eröffnet werden, mit dem im alten Wiener Universitätsviertel ein neues Zentrum des Wissens entstehen soll. Dazu wurden bzw. werden das Haupthaus und Teile der alten Universität in der Postgasse saniert und ÖAW-Institute im benachbarten historischen Gebäude der Wiener Postsparkasse konzentriert.

Quelle:APA

Dein oe24 E-Paper
Jetzt NEU auf oe24.at: Mit einem Click zum kompletten E-Paper ▲