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Japan hat vor allem ein Impfproblem

Kurz vor Beginn der Olympischen Spiele sind erst 18 Prozent der Bevölkerung voll immunisiert - Keine Zuschauer und Notstand - Strenge Einreisebestimmungen

Die Zuschauer verbannt, der Notstand über Tokio verhängt - zehn Tage vor der Eröffnung der Olympischen Spiele ist die Coronalage in Japan alles andere als günstig. Und das scheint nicht unbedingt an den Fallzahlen zu liegen, auch wenn diese wieder im Steigen begriffen sind, worauf das Innenministerium am Montag auf APA-Anfrage hinwies.

Für Sonntag, den 11. Juli, wies "ourworldindata" für Japan durchschnittlich 1.986 Neuinfektionen pro Tag im Sieben-Tages-Schnitt aus, was bei einem Land mit 125,7 Millionen Einwohner nicht außergewöhnlich erscheint. Auch die 14-Tage-Inzidenz steigt dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zufolge. Die britische Variante des Coronavirus ist demnach vorherrschend, aber andere Varianten treten mit steigender Tendenz auf.

Aber Japan hat ein Impfproblem. Mit Stand Sonntag hatten erst 29,7 Prozent der Bevölkerung zumindest einen Stich erhalten. Voll immunisiert waren erst 18 Prozent der Bevölkerung. Zum Vergleich: In Österreich hatten am Sonntag 56,2 Prozent der Bevölkerung zumindest einen Stich erhalten, 41,5 Prozent waren voll immunisiert.

Und nicht nur das, wie Kritiker der Regierung bemerken: Die Regierung habe auch eineinhalb Jahre nach Beginn der Pandemie keinen Plan zum Schutz der eigenen Bevölkerung und die schlechteste Impfkampagne aller Industriestaaten weltweit, konstatierte ARD-Korrespondent Thorsten Iffland am vergangenen Freitag nach der Entscheidung, die Zuschauer von den Spielen zu verbannen.

Der Notstand ist allerdings kein Lockdown mit harten Ausgangssperren wie in anderen Ländern. Während die Bürger aufgerufen sind, möglichst zu Hause zu bleiben, dürfen Restaurants keinen Alkohol ausschenken, kein Karaoke anbieten und müssen abends früher als normal schließen. Iffland zufolge ist aber fraglich, wie konsequent selbst diese relativ weichen Maßnahmen exekutiert und - vor allem - kontrolliert werden.

Ministerpräsident Yoshihide Suga bezeichnete die Verhängung des Notstandes als Vorsichtsmaßnahme. "Wir müssen stärkere Schritte unternehmen, um einen weiteren landesweiten Ausbruch zu verhindern, auch unter Berücksichtigung der Auswirkungen von Coronavirus-Varianten", begründete der Politiker.

Das heimische Gesundheitsministerium führt Japan derzeit im Rahmen der Einreiseverordnung auf der Anlage 1-Liste (Staaten und Gebiete mit geringem epidemiologischen Risiko), hieß es am Montag auf Anfrage der APA. Demnach ist eine Einreise nach Österreich aktuell nach einem Aufenthalt in Japan mit einem 3G-Nachweis (geimpft, getestet, genesen) möglich. Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) hoffe außerdem, "dass die Athletinnen und Athleten noch ein weiteres G - nämlich eine Goldmedaille - bei der Wiedereinreise aus Japan mitbringen", er wünschte "alles Gute und viel Erfolg".

Die Einreise nach Japan ist laut den Reiseinformationen des Außenministeriums mit einem gültigen japanischen Visum oder Aufenthaltstitel erlaubt. Personen, die nicht im Besitz von Visum oder Aufenthaltserlaubnis sind, dürfen nur in besonderen Ausnahmesituationen einreisen. Coronabedingt gibt es folgende Voraussetzungen: Es ist ein negativer Test auf SARS-Cov-2 (Nasenrachenabstrich oder Speichelprobe) zu erbringen, nicht älter als 72 Stunden bei Abreise. Bei der Einreise ist ein weiterer Test zu absolvieren, dessen Ergebnis am Flughafen abgewartet werden muss.

Nach Ankunft ist eine insgesamt 14-tägige Heim-Quarantäne zu absolvieren. Während dieser Zeit dürfen keine öffentlichen Verkehrsmittel verwendet werden. Bei Antritt der Quarantäne ist eine Erklärung über die Einhaltung der Quarantäneregeln zu unterschreiben und eine Applikation zur Speicherung der Standortdaten bzw. täglichem Tracking am Smartphone zu installieren. Tägliche Gesundheitschecks erfolgen per Telefon oder Mail, im Anlassfall kann eine persönliche Kontrolle am Quarantäneort erfolgen. Für den Olympia-Tross gelten Ausnahmen und eine Soft-Quarantäne, die zumindest sofortiges Aufnehmen der Arbeit möglich macht.