Ist „Lernsieg“ tatsächlich ein Lernsieg?

Lehrerbewertungs-App

Ist „Lernsieg“ tatsächlich ein Lernsieg?

Somit können Schüler in Österreich und Deutschland ab sofort ihre Lehrer und Schulen per App bewerten. Ziel der Übung sei es nicht, wie von der Lehrergewerkschaft befürchtet, Pädagogen an den Pranger zu stellen, betonte Erfinder Benjamin Hadrigan bei einer Pressekonferenz in Wien. "Mir geht es darum, Schülern eine Stimme zu geben." Mit der App "Lernsieg" könnten sie nun Lehrern Feedback geben.Die Idee für ein (damals nur internes) Bewertungssystem hatte der heute 17-Jährige bereits vor Jahren als Schulsprecher, scheiterte aber damals.

Nun hat er das Projekt im größeren Stil aufgezogen und sich das Bewertungssystem von Plattformen wie Uber, Amazon oder Airbnb zum Vorbild genommen: Für die kostenlose App wurde eine Datenbank mit rund 90.000 Lehrern und den entsprechenden Schulen angelegt. Dort können Schüler ihre Pädagogen ab der AHS-Unterstufe bzw. Neuen Mittelschule (NMS) in Kategorien wie Unterricht, Fairness oder Pünktlichkeit mit einem ("Nicht Genügend") bis fünf Sternen ("Sehr Gut") bewerten. Bei weniger als fünf Sternen kann in vorgegebenen Unterkategorien konkretisiert werden, welche Mängel es gibt, etwa dass der Unterricht zu langsam oder nicht spannend genug aufgebaut ist. Für jede Schule gibt es dann ein Ranking der "besten" Lehrer.

Eine Kommentarfunktion hat die vom Wiener Unternehmen "all about apps" entwickelte Anwendung nicht, Diffamierung ist damit aus Hadrigans Sicht ausgeschlossen. Überhaupt gebe es für Lehrer "keinen Grund zum Fürchten": "Wir fragen nicht die Beliebtheit ab, sondern objektive Kriterien." Zudem könnten die Bewertungen laufend aktualisiert werden. Damit gebe es die Möglichkeit, endlich die Leistung guter Lehrer anzuerkennen.

"Das wird das Leben von vielen Lehrern positiv beeinflussen." Bei schlechten Rückmeldungen könnten die Pädagogen wiederum ihre Schwächen erkennen und daran arbeiten. Die Lehrergewerkschaft, deren Vorsitzender Paul Kimberger (FCG) schon vor Start der App rechtliche Schritte dagegen angekündigt hatte, lud Hadrigan zur gemeinsamen Weiterentwicklung des Bewertungstools ein. Juristisch habe man alles getan, damit die App keine Persönlichkeitsrechte verletzt, sieht er keine Erfolgschancen für eine Klage.

Neben dem jeweiligen Schulprofil gibt es auch ein Ranking der zehn besten Schulen. Diese können in Kategorien wie Lehrangebot, Neue Medien, Sauberkeit, Sportstätten oder auch der Unterstützung von "Fridays for Future" bewertet werden. Hadrigan sieht darin eine neue Möglichkeit für Eltern, die beste Schule für ihre Kinder zu finden. Insgesamt erhofft er sich durch die App mehr Transparenz und einen stärkeren Leistungsgedanken durch die Konkurrenzsituation.

Um Manipulation bei den Ergebnissen wie mehrfache Stimmabgabe zu verhindern, wird jede Anmeldung per SMS verifiziert. Ob tatsächlich nur Schüler ihre Stimme abgeben, könne man zwar nicht überprüfen. Aber: "Ich bewerte ja auch nicht Ärzte, bei denen ich nicht war", so Hadrigan. "Missbrauch wird man nie ganz ausschließen können", betonte auch der bei der App-Entwicklung beigezogene Medienanwalt Michael Krüger. Allerdings gebe es im Gegensatz zu anderen Anwendungen hier auch keine wirtschaftlichen Interessen an Manipulation.

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