Rolando Villazón

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"Il Barbiere" auf Originalinstrumenten

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Villazón verlegt Rossinis Oper in die 1930er-Jahre und lässt sich unter anderem von Woody Allen inspirieren

Was tun mit einer Oper, deren Melodien jeder kennt? Diese Frage stellte sich für Regisseur Rolando Villazón und Dirigent Gianluca Capuano bei der Vorbereitung für Rossinis "Il barbiere di Siviglia" für die Salzburger Pfingstfestspiele. Der Dirigent entschied sich deshalb, dass das Orchester in Salzburg auf Originalinstrumenten spielen wird. Am Donnerstag gaben Villazón und Capuano bei einem Terrassentalk erste Einblicke in die Inszenierung.

"Die historischen Instrumente verleihen der Musik eine neue Art der Artikulation, sie korrespondieren mit der Sprache der Sänger", sagte Capuano. Er würde nicht sagen, dass der Klang dadurch besser werde, aber eben anders. Zum Beispiel spielen die Streicher auf Saiten aus Darm statt aus Metall, ein lebendiger Stoff.

Villazón verlegt die Oper in die 1930er-Jahre. Eine Komödie sei nicht oberflächlich, sagte der Regisseur. Sie zeige vielmehr die Extreme unser aller Probleme auf. "Ein Clown ist eine Figur, die immer verliert, sie hat keine vierte Wand, spielt permanent direkt mit dem Publikum", meinte der Regisseur, der selbst Botschafter der Roten Nasen ist: "In seinem Verlieren aber ist der Clown am Ende der Gewinner, denn er macht immer weiter, versucht immer wieder die Regeln neu festzulegen, auch wenn er im Chaos unterzugehen scheint." Genau eine solche Figur fügt Rolando Villazón seiner Inszenierung hinzu. Mit Arturo Brachetti als Arnoldo hat er dafür einen Meister der Verwandlungskunst gefunden.

Die Inszenierung spielt auch damit, wie wichtig das Live-Erlebnis von Theater ist, indem sich die Welt des Films immer wieder mit der Welt der Bühne vermischt. Eine Inspiration für diese Idee sei Woody Allens Film "The Purple Rose of Cairo" gewesen. "Es gibt Videoszenen mit den Sängern zu sehen. Die Action aber passiert auf der Bühne, das lebendige Theater steht im Vordergrund", gab Villazón einen Vorgeschmack auf seine Inszenierung.

(S E R V I C E: "Il barbiere di Siviglia", Commedia in zwei Akten von Gioachino Rossini. Salzburger Pfingstfestspiele, Premiere am 3. Juni, Haus für Mozart. Gianluca Capuano (Musikalische Leitung), Rolando Villazón (Regie), Harald B. Thor (Bühne), Brigitte Reiffenstuel (Kostüme), Stefan Bolliger (Licht), rocafilm (Video), Christian Arseni (Dramaturgie). Mit Edgardo Rocha (Il Conte d'Almaviva), Alessandro Corbelli (Bartolo), Cecilia Bartoli (Rosina), Nicola Alaimo (Figaro), Ildebrando D'Arcangelo (Basilio), Rebeca Olvera (Berta), José Coca Loza (Fiorello), Max Sahliger (Ambrogio), Manfred Schwaiger (Un ufficiale), Arturo Brachetti (Arnoldo); Philharmonia Chor Wien, Walter Zeh (Choreinstudierung), Les Musiciens du Prince – Monaco; Weitere Vorstellungen: 5. Juni sowie Wiederaufnahme bei den Salzburger Festspielen 4., 8., 11., 14. und 16. August)