Michael Aufhauser

"Tiere in Not nicht vergessen"

Gut-Aiderbichl-Gründer wird 70 Jahre

Artikel teilen

Michael Aufhauser lebt seit seiner Herzoperation zurückgezogen in Salzburg - Gesundheitszustand stabil - Geburtstagstorte mit Tieren aus Marzipan

Geburtstagsfeiern hat Michael Aufhauser bereits vor seiner schweren Erkrankung im Jahr 2015 für überflüssig gehalten. "Das ist keine eigene Leistung. Man müsste eigentlich seine Mutter feiern", hatte der Gründer der mittlerweile 30 Tiergnadenhöfe von Gut Aiderbichl gegenüber der APA erklärt. Zu seinem 70. Geburtstag am 25. April liegt ihm eines besonders am Herzen: Er bedankt sich bei allen, die Gut Aiderbichl unterstützen und Tiere in Not nicht vergessen.

Aufhauser ist halbseitig gelähmt, erblindet und auf einen Rollstuhl angewiesen. Der Tierschützer wird seinen Geburtstag in seinem Haus in der Stadt Salzburg verbringen - im Kreise seiner Hunde, Katzen und engsten Freunde. Einer Tradition bleibt er treu: "Er wird wie jedes Jahr eine Schoko-Mousse-Torte von der Salzburger Konditorei Fingerlos bekommen, mit Tieren aus Marzipan darauf", schildert Dieter Ehrengruber im APA-Gespräch. Der Stiftungsvorstand und Geschäftsführer von Gut Aiderbichl trat wegen der Erkrankung Aufhausers dessen Nachfolge an.

Aufhauser hatte im Mai 2015 ein lebensgefährliches Aneurysma erlitten. Er konnte durch eine rasche Operation gerettet werden. Seither lebt er zurückgezogen. Er nimmt Pflegehilfe in Anspruch und legt Wert auf gesunde Ernährung. In einem Glashaus auf seinem Anwesen wird Gemüse gepflanzt. "Er meistert sein Leben mit Bravour. Gesundheitlich ist er stabil", sagt Ehrengruber.

Nahezu täglich erkundigt sich Aufhauser, wie es den geretteten Tieren geht. "Ihm ist wichtig, dass die Menschen in Zukunft noch mehr an die Tiere denken und sie nicht vergessen." Aufhauser und Ehrengruber zeigten sich dankbar dafür, dass die Zahl der Unterstützer und Förderer von Gut Aiderbichl immer noch wächst: "Im Jahr 2021 konnten wir 694 Tiere aufnehmen." Nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine nahm Aufhauser acht Flüchtlinge und 40 Hunde auf. Die vier Mütter und vier Kinder wurden in Mitarbeiter-Wohnungen in einem Nebenhof von Gut Aiderbichl in Henndorf untergebracht.

Aufhauser selbst charakterisiert sich "als einen, der sich für die Schwächeren einsetzt" - egal ob Mensch oder Tier. Seit der Gründung von Gut Aiderbichl vor 21 Jahren hat er 14.000 in Not geratene Tiere gerettet und ihnen ein neues Zuhause geschenkt. Derzeit werden 6.000 Tiere auf 30 Höfen von Aiderbichl in Österreich, Deutschland, Rumänien, Ungarn, Frankreich und der Schweiz betreut. Das 20-Jahr-Jubiläum konnte im Vorjahr wegen der Corona-Pandemie nicht gefeiert werden, es soll heuer nachgeholt werden.

Michael Aufhauser wurde am 25. April 1952 in Augsburg geboren. Er absolvierte die Schauspielschule Zerboni in Gauting bei München. Drei Jahre nach Engagements in einer Fernsehserie, Filmen und Theater wechselte er in die Tourismusindustrie. Der Weg zum Tierschutz begann für ihn im Jahr 1991. Er beobachtete aus seinem Bürofenster an der Costa del Sol, wie Hundefänger Straßenhunde abtransportierten. Er fuhr ihnen nach und "wurde Zeuge einer grauenvollen Vergasung von ca. 40 Hunden und Katzen", ist in seinem Lebenslauf zu lesen. Er kaufte verbliebene Tiere frei und sorgte für ihre Unterbringung.

Später erwarb der "Tierdiplomat" ein Areal oberhalb des Wallersees in Henndorf im Salzburger Flachgau. Damit legte er den Grundstein für Gut Aiderbichl. Seither haben Tausende Menschen den Gnadenhof besucht, darunter prominente Gäste wie Alain Delon, Franco Nero, Larry Hagman und "Baywatch"-Star Pamela Anderson, die zur alljährlichen Weihnachtsmarkteröffnung nach Henndorf kamen. Zu den Stammgästen zählten die Schauspieler Karl Merkatz, Christine Kaufmann, Roberto Blanco, Uschi Glas, "DJ-Ötzi" Gerry Friedle und Karl Moik. Die meisten VIPs übernahmen Tierpatenschaften.

Seit seiner Herzoperation beteiligt sich Michael Aufhauser nicht mehr aktiv am Geschehen von Gut Aiderbichl. An einer - ihm sehr wichtigen - Botschaft an den Menschen hält er fest: "Tiere sind keine Sachen, sondern fühlende Mitgeschöpfe. Sie sind leidensfähig wie wir."

Dein oe24 E-Paper
Jetzt NEU auf oe24.at: Mit einem Click zum kompletten E-Paper ▲