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Flugretter erörtern in Salzburg Verbesserungen

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Impulse für medizinische und technische Weiterentwicklung – Sorge über steigende Treibstoffkosten

Die Rettung mit dem Hubschrauber gehört zur kritischen Infrastruktur eines Landes. Sie sei in Krisensituationen unerlässlich, sagte Wolfgang Voelckel, ärztlicher Leiter der ÖAMTC Flugrettung, anlässlich des heute beginnenden Kongresses "AirMed 2022" zur APA. Die Bedeutung der Flugrettung sei nicht zuletzt durch große Schadensereignisse wie das Hochwasser in Deutschland oder die Covid-Krise deutlich geworden, sagte Voelckel.

Im Mittelpunkt des internationalen Fachkongresses, an dem Piloten, Flugretter, Notfallsanitäter und Experten teilnehmen, stehen Erfahrungsaustausch und Impulse zur Weiterentwicklung der Rettung aus der Luft. Unter dem Motto "United Quality Care by Air" werden Zukunftsperspektiven diskutiert. Da geht es um medizinische und technische Weiterentwicklungen oder um Ausbildungsmethoden, die Einsätze simulieren oder die Kommunikation innerhalb der Teams weiter perfektionieren.

In Österreich wurden beispielsweise die ÖAMTC Hubschrauber in den vergangenen fünf Jahren mit Geräten für Ultraschalluntersuchungen ausgestattet. "Dadurch können wir schon beim Einsatz eine genauere Diagnose stellen und die weiteren Schritte gezielter setzen. Das verbessert auch das Zusammenspiel mit der Klinik", nennt Voelckel ein Beispiel für die laufende Weiterentwicklung, die Patienten zugute kommt.

Die norwegischen Kollegen stellen beim Kongress ein Projekt vor, das zum Ziel hat, Computertomographie (CT) mit an Bord zu nehmen. "Es macht bei der Behandlung einen Unterschied, ob es sich bei einem Schlaganfallsverdacht um eine Durchblutungsstörung oder eine Hirnblutung handelt", nannte der Mediziner einen Grund. Je früher man eine genaue Diagnose habe, desto besser seien die Chancen für den Patienten, sich wieder ganz zu erholen. In Norwegen, wo in manchen Gebieten der Flug bis zu nächsten Klinik zwei Stunden dauert, bringe ein CT im Hubschrauber sehr viel. In Österreich wäre das nicht unbedingt notwendig, weil die Distanzen zur nächsten Schwerpunktklinik nicht so groß seien. Auch von den Kollegen aus London holt man sich Impulse: Sie haben große Erfahrung mit Schuss- oder Stichverletzungen und können entsprechende Operationen auch am Einsatzort durchführen, berichtete der Mediziner.

Ein weiteres Thema ist die Verfügbarkeit der Flugrettung rund um die Uhr. Der ÖAMTC hat zwei Hubschrauber, die 24 Stunden im Einsatz sein können. "Das ist eine wichtige Unterstützung für die medizinische Versorgung auch in der Nacht", meinte Voelckel. Die Frage sei, wie viele Nachthubschrauber es in Österreich brauche. Schließlich gehe es dabei auch um die Kosten. Während ein Rettungshubschrauber je nach Standort 2,1 bis 2,4 Mio. Euro pro Jahr kostet, müsse man für einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb mit zusätzlichen 1 bis 1,2 Mio. Euro rechnen, sagte Reinhard Kraxner, Geschäftsführer der ÖAMTC Flugrettung. Unter anderem deshalb, weil dadurch eine zweite Schicht bei der Hubschrauber-Mannschaft zur Verfügung stehen muss.

Sorgen machen den Flugrettern die steigenden Treibstoffpreise. Lag der Preis für einen Liter Kerosin 2020/21 bei 55 bis 67 Cent, ist er mittlerweile auf 1,22 Euro gestiegen. Für die ÖAMTC Hubschrauberflotte wären das zusätzliche Kosten von rund zwei Mio. Euro pro Jahr, rechnete Kraxner vor. Auf Dauer könne man diese Mehrkosten nicht alleine tragen. Derzeit würden Gespräche mit den Partnern über eine gemeinsame Lösung geführt.

Der Kongress in Salzburg dauert bis einschließlich Donnerstag.