Experte stellt Masken infrage

Komplette Normalität

Experte stellt Masken infrage

Der Direktor der Innsbrucker Uni-Klinik für Innere Medizin, Günter Weiss, hält im Falle einer weiten positiven Entwicklung der Coronavirus-Zahlen bis Ende Mai Überlegungen für eine Rückkehr zu einer kompletten Normalität für notwendig. Sollte die Neuinfektionsrate so niedrig bleiben, müsse man etwa über die weitere Sinnhaftigkeit der in verschiedenen Bereichen geltenden Maskenpflicht nachdenken.
 
Dies sagte der Infektiologe am Donnerstag bei einer Videopressekonferenz des Landes Tirol und spielte dabei unter anderem auf die am Mittwoch präsentierten Daten der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) an, die die Übertragungsketten von über 3.800 Infizierten ermittelt hatte. Dabei fand man etwa heraus, dass kein einziger Cluster in Schulen und im Bereich des öffentlichen Verkehrs nachgewiesen werden konnte.
 

Entscheidender Monat

Man sei bereits jetzt in puncto infizierter Personen und Neuinfektionsrate auf einem "sehr niedrigen Niveau", so Weiss. Sollte diese Entwicklung anhalten, müsse man sich überlegen, welche Maßnahmen weiter gelockert bzw. welche neuen Strategien hin zur gewohnten Normalität angewendet werden. Der Mai sei jedenfalls der "entscheidende Monat".
 
Beim Tragen von Masken habe es sich um eine "gewisse Vorsichtsmaßnahme" gehandelt, die verhindere, dass man andere anstecke bzw. um zu signalisieren: "Kommt mir nicht zu nahe." Weiss sprach diesbezüglich aber auch von einem "oft übervorsichtigen Vorgehen". So wisse man, dass die Übertragung des Virus nur nach einer "gewissen Zeitdauer" und nach "engem Kontakt" vonstattengehe - und dies vor allem im häuslichen Bereich bzw. "indoor". Äußerst unwahrscheinlich sei hingegen eine Übertragung im öffentlichen Raum im Freien - außer man werde quasi frontal angeniest.
 
Auch sollte man sich bei positiver Entwicklung mit Ende Mai die Frage stellen, ob man weiter Screenings durchführen müsse und ob stattdessen nicht Untersuchungen und Tests bei Symptomen ausreichen, wie in der Medizin üblich. Eine weiter geltende effiziente Maßnahme sei hingegen das Abstandhalten.
 

Keine "Halligalli-Partys"

Auch die Mikrobiologin Cornelia Lass-Flörl regte eine Überdenken des Maskentragens bei weiterer Entspannung der Situation an. Sie appellierte aber gleichzeitig daran, weiter auf Händehygiene und Abstand zu achten. "Wir sind auf einem sehr guten Weg, aber es ist noch nicht ganz vorbei", so Lass-Flörl. Sollten etwa wieder demnächst "Halligalli-Partys" gemacht und die Abstandsregeln nicht eingehalten werden, "könnte es wieder tragisch werden".
 
Auch Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) trat in Sachen rascher weiterer Lockerungen etwas auf die Bremse. Die "Balance" zwischen Gesundheit, Wirtschaft und Freiheit müsse weiter gefunden werden, und zudem: "Es ist eher mutig, zur Vorsicht zu mahnen".
 
Durch die in Österreich durchgeführten "harten Maßnahmen" sei es möglich gewesen, eine so positive Entwicklung herbeizuführen. "Es ist ein großer Erfolg, dass das Gesundheitssystem gehalten hat", betonte Platter. Der Landeshauptmann kündigte indes am Donnerstag beginnende großflächige Tests der Lehrer an, die ab dem 15. Mai ihre Arbeit an den Schulen wieder aufnehmen. Dies gelte auch für das Personal in den Kinderkrippen und Kindergärten. Insgesamt sollen 16.900 Corona-Tests durchgeführt werden. In "kritischen Bereichen" wie Pflege- und Altersheimen, Hauskrankenpflege und Behinderteneinrichtungen werde zudem ein zweiter Testdurchlauf vorgenommen.
 
Unterdessen erklärte Weiss, dass in den Tiroler Spitälern der Normalbetrieb wieder stufenweise hochgefahren werde. All jene Patienten, die in den vergangenen Wochen die Krankenhäuser gemieden hätten und chronisch krank seien, sollten wiederkommen. Man müsse keine Angst vor einer Corona-Infektion haben.
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