Erstes Bundesland muss OPs verschieben

Engpass droht

Erstes Bundesland muss OPs verschieben

Die oö. Spitäler beginnen wieder damit, elektive Leistungen herunterzufahren und Corona-Patienten gleichmäßig auf alle Häuser zu verteilen, um die medizinische Versorgung so lange wie möglich aufrechterhalten zu können. Zwar kann die Zahl der Intensivbetten noch deutlich aufgestockt werden, der Engpass ist aber das Personal, wurde in einem Hintergrundgespräch am Dienstag deutlich.
 
"Auch ein sehr gutes Gesundheitssystem kann an seine Grenzen geraten", warnte Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Linzer Kepler Uniklinikum (KUK). Gefordert sei man vor allem personell. Auf einer Covid-Station brauche man etwa um 50 Prozent mehr Personal als auf einer anderen Station, erläuterte er - das habe vor allem mit der Schutzausrüstung zu tun.
 

Engpass beim Personal

Auf Intensivstationen könne sich eine Pflegekraft nicht wie sonst um zwei bis drei Patienten, sondern nur um einen kümmern. Er appellierte an die Bevölkerung, die Maßnahmen einzuhalten, denn wenn der Trend der Neuinfektionen weiter anhalte, wären in Oberösterreich die für Corona-Patienten vorgehaltenen Plätze Anfang November aufgebraucht, was einen Totalstopp elektiver Leistungen bedeuten würde.
 
Insgesamt stehen in den oö. Spitälern knapp 7.500 Normal- und 243 Intensivbetten zur Verfügung. Derzeit werden - nach einem starken Anstieg in den vergangenen Tagen - mehr als 330 Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern des Bundeslandes behandelt, davon 30 auf Intensivstationen. Die Intensivbetten können zwar etappenweise auf 270, 358 und in einem dritten Schritt sogar auf 420 aufgestockt werden, das Problem sind aber weniger die Beatmungsgeräte etc., sondern das Personal, warnte Jens Meier, Vorstand der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Kepler Klinikum.
 
Die Politik sei sich bewusst, dass es hier Personalressourcen bauche und diese nur durch Reduktionen in anderen Bereichen bereitgestellt werden könnten. Man versuche natürlich zusätzliches Personal zu bekommen, etwa aus der Pension zurückzuholen, aber Intensivpflegekräfte und -mediziner könne man nicht "aus dem Boden stampfen", so Meier. Laut der Sprecherin der Oö. Gesundheitsholding, Jutta Oberweger, fallen derzeit 4,7 Prozent des Personals in den Spitäler aus, das sei wesentlich weniger als in der ersten Welle. Zahlen, wie viele Mitarbeiter Corona-infiziert sind, gibt es nicht.
 

"Totalstopp"

Derzeit seien die Intensivstationen in Oberösterreich zu 68 Prozent ausgelastet, rechnete Meier, vor. Um noch auf Notfälle reagieren zu können, sollten Intensivstationen mit maximal 80 Prozent Auslastung laufen. "Wenn die Intensivstation immer zu 100 Prozent voll ist, kann man keine Reanimationen mehr machen oder Autounfälle aufnehmen." Man werde daher jene Eingriffe, die sich verschieben lassen, verschieben. "Aber auch elektive Eingriffe sind indiziert", warnte er, müssten also irgendwann nachgeholt werden.
 
Im Schnitt landen fünf bis zehn Prozent der Corona-Patienten im Spital, erklärte Lamprecht, in Oberösterreich seien es aktuell 8,1 Prozent. Derzeit werden zehn Prozent der Intensivbetten von Covid-Patienten, die mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von zwei Wochen sehr lange in Intensivbehandlung bleiben, belegt. Auch bei den Normalstationen wird es eng: Derzeit seien zwei Covid-Stationen voll, "das wird nicht ausreichen", so Lamprecht.
 
Holger Rumpold, Leiter des Viszeralonkologischen Zentrums am Ordensklinikum Linz betonte, es sei Ziel, die Lege-Artis-Versorgung von Krebspatienten weiter aufrecht zu erhalten. Dass während der ersten Welle offenbar viele Krebserkrankungen nicht diagnostiziert wurden, hänge seiner Ansicht nach nicht mit der Verschiebung von Leistungen zusammen, sondern damit, dass diese Personen erst gar nicht "in das medizinische System eingetreten sind", also nicht zum Arzt oder ins Spital gekommen sind.
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