Ein Toter und ein Schwerverletzter

Lawine im Lungau:

Ein Toter und ein Schwerverletzter

Mächtige Nassschneelawine erfasste drei Tourengeher - 70-Jähriger kam tot auf Lawinenkegel zu liegen - Lawinenhund witterte Verschütteten

Im Jakoberkar bei Zederhaus im Salzburger Lungau sind am Donnerstagnachmittag drei Skitourengeher von einer mächtigen Nassschneelawine erfasst und mitgerissen worden. Ein 70-jähriger Mann aus dem Salzburger Flachgau kam bei dem Unglück ums Leben. Ein Begleiter (65) wurde einen Meter tief verschüttet, er konnte aber geborgen und mit einer schweren Unterkühlung ins Krankenhaus geflogen werden. Ein dritter Tourengeher aus Bayern überstand den Abgang wohl dank seinem ausgelösten Lawinen-Airbag nahezu unverletzt.

Das Trio befand sich laut Balthasar Laireiter, Bezirksstellenleiter der Salzburger Bergrettung, gegen 13.30 Uhr bei der Abfahrt vom Großen Mosermandl (2.680 Meter) ins Jakoberkar. Der Bayer, der als letzter in eine Rinne einfuhr, löste dabei nach zwei, drei Schwüngen offenbar selbst die gewaltige Nassschneelawine aus, die das Trio rund 350 bis 400 Höhenmeter mitriss. Dem Mann gelang es noch, seinen Lawinenairbag zu aktivieren. Er überstand den Abgang fast unverletzt und konnte auch einen Notruf absetzen.

Für einen seiner Begleiter kam allerdings jede Hilfe zu spät. Der Salzburger lag zwar kaum verschüttet auf dem Lawinenkegel, dürfte sich aber beim Abgang der Lawine tödliche Verletzungen zugezogen haben. "Als ihn der Mann aus Bayern erreichte, dürfte er schon nicht mehr geatmet haben." Reanimationsversuche durch die Helfer blieben letztlich erfolglos.

Der zweite Salzburger, der Mann stammt ebenfalls aus dem Flachgau, dürfte hingegen ziemlich viel Glück gehabt haben. "Er wurde beim Abgang zwar einen halben bis einen Meter tief verschüttet, hat sich aber offenbar nicht gravierend verletzt. Und er hatte eine Atemhöhle", sagte die Sprecherin der Salzburger Bergrettung, Maria Riedler, zur APA. Trotzdem dürfte der Mann fast 40 Minuten unter dem Schnee begraben gelegen haben, bis er gerettet wurde.

Dabei hat sich offenbar auch das sogenannte "Pick-Up"-System der Helfer bewährt. Der in Radstadt stationierte Rettungshubschrauber Martin 10 nahm bereits im Anflug zur Unglücksstelle in Flachau einen Hundeführer der Bergrettung auf. Sein Lawinenhund "Rocky" konnte den Verschütteten dann fast unmittelbar nach der Landung orten. Der Salzburger wurde ausgegraben und dürfte sich eine schwere Unterkühlung zugezogen haben, ersten Informationen zufolge schwebt er aber nicht in Lebensgefahr. "Er befindet sich laut Ärzten noch auf der Intensivstation, sein Zustand ist aber stabil", so eine Sprecherin der Polizei.

Das Trio war vorbildlich ausgerüstet, einen Lawinen-Airbag hatte aber nur der Mann aus Bayern bei sich. Laut Laireiter war die Lawine mit 400 Metern Länge und 100 Metern Breite sehr mächtig und ging in exponiertem, steilem und südseitigem Gelände ab. "Der Hang liegt seit dem Morgen in der Sonne, der Schnee dürfte schon ziemlich durchfeuchtet gewesen sein." Zum Unfallzeitpunkt herrschte in den Niederen Tauern mäßige Lawinengefahr (Warnstufe 2), der Bericht warnte allerdings vor kleineren Feuchtschneelawinen. Das Gebiet gilt als beliebtes Ziel für Skitouren. Experten wiesen darauf hin, dass die Tourengeher zu spät am Tag in den Hang einfuhren.

Das Unglück im Lungau mitgerechnet, sind in diesem Winter in Österreich laut APA-Zählung bereits 19 Menschen durch Lawinen ums Leben gekommen, eine 29-jährige Tourengeherin aus Deutschland wird überdies seit drei Wochen im Tiroler Karwendelgebirge vermisst. Laut dem Kuratorium für Alpine Sicherheit in Innsbruck starben in der Vorsaison 2011/2012 insgesamt 18 Menschen bei Lawinenunfällen, die Zahl der Opfer bewegt sich aber noch unter dem langjährigen Schnitt von rund 26 Opfern pro Saison.

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