27. Mai 2019 16:10
Kürzeste Amtszeit
Diese Minister schreiben Geschichte
Mit nur sechs Tagen im Amt schaffen es Ratz, Hackl & Co. in die Geschichtsbücher.
Diese Minister schreiben Geschichte
© APA/HELMUT FOHRINGER

Die Übergangsregierung wurde am Mittwoch um 13.00 Uhr von Bundespräsident Alexander Van der Bellen angelobt. Den Montag drauf waren sie schon wieder arbeitslos. Nationalrat hat Montagnachmittag der Regierung von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) das Misstrauen ausgesprochen und sie damit des Amtes enthoben. Der von der SPÖ eingebrachte Misstrauensantrag wurde von der FPÖ und der Liste JETZT unterstützt und hatte damit die Mehrheit, ÖVP und NEOS votierten dagegen.
 

Damit wird Kurz zum kürzest dienenden Kanzler. Auch die vier Übergangsminister, die vergangenen Mittwoch den Platz der zurückgetretenen FPÖ-Regierungsmitglieder einnahmen - Ex-OGH-Präsident Eckart Ratz (Innenministerium), Ex-Sektionschef Walter Pöltner (Sozialressort), Offizier Johann Luif (Landesverteidigung) und Valerie Hackl, Ex-Chefin der Flugsicherung "Austro Control" (Infrastruktur) - werden damit zu neuen Rekordhaltern. Mit dem heutigen Montag beschränkt sich ihre Amtszeit auf fünf Tage.

 

Innenminister: Eckart Ratz

Der gebürtige Bregenzer folgt Herbert Kickl als Innenminister. Er war seit 1997 Richter am Obersten Gerichtshof (OGH). 2012 folgte er der jetzigen Neos-Politikerin Irmgard Griss als Präsident des OGH nach. Vergangenes Jahr schied der Bürgerliche 65-jährig aus. In der Richterschaft war er wegen seines hemdsärmeligen Auftretens nicht unumstritten. Ratz hatte Ex-Innenminister Ernst Strasser letztinstanzlich verurteilt. Als Alternative für den Innenminister-Posten wurde auch Ex-VfGH-Richterin Eleonore Berchtold-Ostermann genannt.

 

Infrastruktur: Valerie Hackl

Nachfolgerin von Infrastrukturminister Norbert Hofer wird Valerie Hackl. 
Die 35-Jährige ist derzeit noch als erste weibliche Chefin der Flugsicherungs­behörde Austro Control tätig. Hofer selbst hatte sie in diese Position be­rufen. Ihre Karriere hatte Hackl 2012 bei den ÖBB als Assistentin des damaligen Bahn-Chefs Christian Kern begonnen. Als Alternative wurde Van der ­Bellen auch Gerhard Gürtlich vorgeschlagen. Er ist ­Sektionschef der Verkehrsabteilung im Infrastrukturministerium.     

 

Soziales: Walter Pöltner

Der Sozialsrechtsprofessor ist Kurz’ Angebot an die SPÖ. Er ist SPÖ-Mitglied, galt in der Partei aber auch schon als „Verräter“, weil er unter Schwarz-Blau I an der Pensionsreform mitgewerkt hatte. Der Nachfolgr von Beate Hartinger-Klein ist ein ausgewiesener Sozial- und Pensionsexperte. Unter FPÖ-Sozialminister Herbert Haupt wurde er Sektionschef im Sozialministerium und blieb es auch unter den roten Ministern. Der 66-Jährige war auch Mitarbeiter in der Arbeiterkammer. Matura hatte er erst auf dem zweiten Bildungsweg gemacht.     

 

Verteidigung: Johann Luif

Der gebürtige Burgenländer absolvierte die Theresianische Militärakademie und war ab 1998 im Ministerium tätig. Unter Schwarz-Blau I wurde der 59-Jährige zum Militärkommandanten ins Burgenland berufen, wo er auch unten den folgenden SPÖ-Ministern tätig war. Luif gilt selbst als ÖVP-Mann, wurde von Van der Bellen aber akzeptiert. Der Nachfolger von Mario Kunasek ist derzeit Leiter der Generalstabsdirektion im Verteidigungsministerium sowie stellvertretender Generalstabschef. Luif ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.