Hat ehrenamtlich Buch zur "Flüchtlingskrise" verfasst: Heinz Schaden

Ex-Bürgermeister Heinz Schaden veröffentlicht Buch

„Die ‚große Flucht‘ 2015"

Größte humanitäre Herausforderung für Salzburg seit dem Krieg mit vereinten Kräften gemeistert.

Die Flüchtlingswelle im Jahr 2015 war die stärkste Migrationsbewegung mit der Salzburg seit Ende des Zweiten Weltkrieges konfrontiert war. Und für die Stadt die seit damals größte humanitäre Herausforderung: 350.000 Menschen passierten in sieben Monaten via Salzburg die Grenze nach Deutschland. Und dies weitestgehend ohne Beeinträchtigung der Bevölkerung. Das gelang nur mit vorbehaltloser Zusammenarbeit und vereinten Kräften von Gebietskörperschaften, Einsatzorganisationen und Zivilgesellschaft.

Salzburgs damaliger Bürgermeister Heinz Schaden legt nun eine Reportage vor, die die Ereignisse aus der Perspektive eines zentralen Entscheidungsträgers der Stadt aufzeigt. Mit reichhaltigem Fotomaterial, Berichten sowie persönlichen Aufzeichnungen Schadens ausgestattet, gibt der Band plastische Einblicke in die Geschehnisse von 2015.

Interviews mit wichtigen Entscheider:innen

Für die Dokumentation führte Schaden auch Interviews mit Personen, die während der „Flüchtlingskrise“ in unterschiedlichen Funktionen tätig waren. Darunter die damalige Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, der ÖBB-Chef Christian Kern, der Kommandant des Bundesheeres Heinz Hufler, der Stadtpolizeikommandant Manfred Lindenthaler, Bernd Petertill, Landesrettungskommandant-Stv., Doraja Eberle, Landesrätin a.D., und ORF-Nahostkorrespondent Jörg Winter.

Chronologie der Ereignisse

Von der drohenden Überfüllung des Bahnhofs, über die Tiefgarage als Schlafplatz für fast 1.000 Menschen, der Adaptierung des ASFINAG-Geländes, der „Bebänderung“ und damit geordneten Abreise von Flüchtlingen bis hin zu Schwierigkeiten im Umgang mit Asylwerbern reicht die Chronologie. Ergänzt wird sie durch Erläuterungen zu Syrien und zum Islam.

Mit „Die große Flucht 2015. Eine Reportage“ liegt ein wichtiges Buch vor, das jüngste Ereignisse zeitnah festhält und weiteren Forschungen als Grundlage dienen kann.

Stimmen zum Buch

Heinz Schaden, Autor und damals Bürgermeister: „Die ‚Große Flucht‘ 2015 zu dokumentieren, war für mich aus vielen Gründen wichtig: Zunächst ging es darum, die mir zugänglichen Quellen und Dokumenten öffentlich zu machen und damit einen Beitrag zur Zeitgeschichte zu leisten. Ich betrachte die Schilderung nicht als abschließende Dokumentation, sondern sie stellt meine heutige Sicht der Dinge dar. Zudem ist es mir wichtig zu zeigen, dass unsere Gesellschaft im Ernstfall durchaus in der Lage ist, auf eine menschliche Notsituation angemessen zu reagieren. Der Glaube daran ist ja in den Jahren nach 2015 abhandengekommen. Flucht und Migration werden nur mehr als Bedrohung wahrgenommen, die Politik wetteifert um die härtesten Gegenmaßnahmen. Dabei hat Österreich gerade in der jüngeren Geschichte schon mehrfach bewiesen, damit gut umgehen zu können: 1945 unter katastrophalen Bedingungen, 1956 mitten im Kalten Krieg, 1968 und 1991 ebenso. Da ist also noch Luft nach oben und das gilt auch und gerade in Zeiten einer Pandemie.“

Bernhard Auinger, Vizebürgermeister und Ressortchef: „Heinz Schaden war 2015 als Bürgermeister der Stadt Salzburg während der großen Flüchtlingsbewegung ein Helfer und Krisenmanager der ersten Stunde. Die Aufarbeitung dieser Zeit ist ihm aus humanistischer und gesellschaftspolitischer Sichtweise ein großes Anliegen. Diese Reportage dokumentiert eindrucksvoll zu welch großartigen Leistungen unsere Stadt im Stande ist, wenn fast alle an einem Strang ziehen. Daher finde ich es besonders wichtig, dass dieses Buch die Erfahrungen und die fast übermenschlichen Leistungen der Helfer:innen aus verschiedensten Blickwinkeln betrachtet und auch für spätere Generationen festhält.“

Peter Kramml, Leiter des Stadtarchivs: „Heinz Schaden liefert mit seiner umfassenden Dokumentation der „großen Flucht“ von 2015 einen weiteren wichtigen Beitrag zu einem der thematischen Schwerpunkte des Stadtarchivs, der Migrationsgeschichte der Stadt. Besonders erfreulich ist, dass das Stadtarchiv erneut ein Buchprojekt mit engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen realisieren konnte, wie dies ja zuletzt auch bei den Publikationen über die Lateinischen Inschriften der Stadt oder den großen Stadtbrand des Jahres 1818 gelungen war.“

Sylvia Hahn, Uni-Historikerin und Migrationsexpertin: „Die Sichtweisen von politischen und/oder administrativen Entscheidungsträger:innen auf die Ereignisse der großen Flucht in Salzburg 2015 eröffnen neue Perspektiven und interessante Einblicke in Migrationsgeschehnisse. Sie bilden eine wichtige Dokumentation und Basis für zukünftige wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit den Fluchtbewegungen in Europa seit den 2000-er Jahren.“

Heinz Schaden, Die „große Flucht“ 2015. Eine Reportage (Salzburger Beiträge zur Migrationsgeschichte 2, Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg 61), Salzburg 2021, 224 Seiten mit 143 Farbabbildungen und 4 Grafiken, ISBN 978-3-900213-52-7. Preis: € 24,20; erhältlich im Stadtarchiv und im guten Buchhandel.

Quelle: Stadt Salzburg