Die Festspiele sind eröffnet

Stadt Salzburg

Die Festspiele sind eröffnet

„Wir sind alle Kinder der Aufklärung." Dieses Motto sowie die aktuellen Herausforderungen, denen Europa aktuell gegenübersteht, bestimmten heute die Festrede des deutschen Schriftstellers und Historikers Philipp Blom und die übrigen Ansprachen bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele. Bis zum 30. August werden heuer 206 Aufführungen an 18 Spielstätten geboten. Es sind diesmal Werke der Passion, der Leidenschaft und der Ekstase, die das Programm des sommerlichen Festivals prägen.

Die 98. Salzburger Festspiele wurden traditionell mit einer Festveranstaltung in der Felsenreitschule offiziell eröffnet. Nach der Begrüßung durch Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler folgten Ansprachen von Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Bundesminister Gernot Blümel, die Festrede von Philipp Blom sowie die Eröffnungsrede von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. An der Eröffnung nahmen zahlreiche Ehrengäste aus dem In- und Ausland teil. Den musikalischen Part der Veranstaltung gestaltete das Mozarteumorchester Salzburg unter Kent Nagano.

Rabl-Stadler: Faszinierende Idee eines vereinten Europas wieder vorantreiben

Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler rief in ihrer Begrüßungsansprache dazu auf: "Widersprechen wir jenen, die ihre Redegewalt für europäische Untergangsszenarien missbrauchen. Investieren wir unsere rhetorische Stärke, vor allem aber unsere Tatkraft, um die faszinierende Idee eines vereinten Europas wieder voranzutreiben." Und sie erinnerte weiter daran, dass die "Manifestation des Glaubens an Europa" und "Festspiele als europäisches Friedensprojekt" schon das Anliegen der Festival-Gründer Max Reinhardt und Hugo von Hofmannsthal waren.

Haslauer: Sinnentleerte Welt oder zurück zum Ursprung

Unter den Titel "Metamorphosen" stellte Landeshauptmann Haslauer seine Eröffnungsrede und betonte: "Erst die Aufklärung befreit aus dem Unausweichlichen, die moralisch-intellektuelle Version einer Metamorphose, das Streben nach Glück als ändernde Handlungsanleitung: Gestaltung aus eigenen Fähigkeiten und aus der Absolutheit des eigenen Willens." Und weiter: "Die menschliche Schöpfungsfähigkeit und ihre Informations- und Biotechnologie samt künstlicher Intelligenz lassen als Kehrseite von Wohlstand und Bequemlichkeit das Defizit einer unbeantworteten Sinnfrage sichtbar werden: eine sinnentleerte Welt als Endbestimmung menschlicher Entwicklung oder doch lieber zurück zum Ursprung? Es kommt darauf an, unter welchen Bedingungen wir leben, was wir für entscheidend halten, was wir aus uns machen, was wir einander wert sind. Die Metamorphose hat längst begonnen, ergebnisoffen. Was dabei herauskommt, liegt in der Spanne unseres Lebens an uns und nicht zuletzt daran, welchen Stellenwert wir Kunst und Kultur beimessen."

Blümel: Mit Kunst und Kultur gegen Europaskepsis und Krisenbeschwörer

Bundesminister Gernot Blümel widmete sich in seiner Rede Europa und seiner Kunst und Kultur. Im Hinblick auf die Probleme und Krisen, die Europa derzeit zu bewältigen hat, sagte der Minister: "Wir brauchen keine Gleichschaltung Europas, um die Herausforderungen zu lösen. Was uns manchmal fehlt, ist etwas Emotionales: ein Zusammengehörigkeitsgefühl." Und hier komme der Kunst und Kultur eine zentrale Rolle zu, einerseits bei der Schaffung einer gemeinsamen europäischen Identität und andererseits, um Emotionen in Menschen zu wecken.

Salzburg sei der perfekte Ort, um die europäische Identität auf Basis der Kunst und Kultur hochzuhalten. Blümel weiter: "Das beste Mittel gegen Europaskepsis und Krisenbeschwörer wäre wohl, wenn sich alle Pessimisten auf die Festspiele einlassen würden. Fast traue ich mich zu behaupten: Viele wären auf einen Schlag von ihrem Pessimismus kuriert, alleine durch die Wirkung der Kunst und Kultur in dieser künstlerischen Hauptstadt Europas."

Blom: Wir sind alle Kinder der Aufklärung

In seiner Festrede versteht Philipp Blom die Aussage "Wir sind alle Kinder der Aufklärung" zugleich als Mahnung und Appell: Dieses Bekenntnis sei inzwischen zur Phrase verkommen, sagt er. "Das universelle Denken und die universellen Menschenrechte sind abgelöst worden vom Rückzug auf das Eigene, auf die Nation, die Grenze. Freiheit, Gleichheit und Solidarität sind offensichtlich nur dann attraktiv oder durchsetzbar, wenn sie von hohen Mauern und Stacheldraht geschützt werden." So werde die Aufklärung zur Waffe zum Erhalt des Status quo der Reichen und Mächtigen. Immer mehr Menschen hätten Angst und fürchteten sich davor, Besitz und eine vertraute Welt zu verlieren. Die Zukunft werde als Bedrohung erlebt.

Die Aufklärung sei nötiger denn je, ist Blom überzeugt, "aber nicht in ihrer aktuellen rationalistischen Verengung oder ökonomischen Parodie". Der Mensch sei nicht die Krone der Schöpfung, sondern ein winziger Teil eines komplexen Systems, das auch ohne ihn weiter bestehen werde. Der Homo sapiens könne durch Verständnis, Phantasie und Empathie sein Verhalten ändern. "Wer bereit ist, selbst zu denken und riskant zu denken, kann Teil einer Zukunft werden, in der es sich zu leben lohnt; nicht als Kind oder als Erbe, sondern als Teil der Natur, als empathischer Primat – und aus Leidenschaft für ein gutes Leben."

Van der Bellen: Vertrauen wir auf die Stärken Europas

In seiner Festansprache bezog sich Bundespräsident Van der Bellen auf das Leitmotiv der Leidenschaft, das sich durch das Programm der Festspiele zieht und ist überzeugt: "Nirgendwo kommt sie in so ergreifender, packender, vollendeter Form zum Ausdruck wie in der Kunst, wie auf dem Theater, in der Oper, in der Literatur." Auch in der Politik brauche es Leidenschaft. Sie müsse aber mit Verantwortungsgefühl und Augenmaß einhergehen, so der Bundespräsident, der  auf die Stärken des vereinten Europas verwies: "Wir brauchen dieses vereinte Europa. Davon bin ich leidenschaftlich überzeugt. Und ich hoffe, Millionen anderer Europäerinnen und Europäer auch. Wir brauchen es: friedenspolitisch, machtpolitisch, wirtschaftspolitisch. Aus einem schlichten Grund: Im Weltmaßstab, in einer globalisierten Welt ist jeder Mitgliedstaat der Europäischen Union zu klein, um eine Rolle zu spielen. Das vereinte Europa hat über Jahrzehnte zu Frieden, Freiheit und Wohlstand geführt, und es wäre leichtfertig, darauf zu verzichten. Vertrauen wir auf dieses Europa, vertrauen wir auf seine Stärken, seine Innovationskraft, seine Flexibilität und – last but not least – sein Beharren auf die Grund- und Menschenrechte."

Diashow Die Eröffnung

Festspieleröffnung

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