Bierlein zeigt ihre Regierung

Heute Angelobung

Bierlein zeigt ihre Regierung

Wien. Am Sonntag um knapp nach 16 Uhr war es so weit: Mit der Nominierung des Innenministers war das Kabinett von Brigitte Bierlein komplett. Die Regierung hat genauso viele weibliche wie männliche Mitglieder. Mit Bierlein selbst sind es sechs Frauen und sechs Männer.

Bierlein holte rote, blaue und schwarze Beamte

Eine parteifreie Übergangsregierung sieht freilich anders aus. Bierlein holte vor allem hohe Beamte, die fast alle SPÖ, ÖVP oder FPÖ zuordenbar sind. Vizekanzler wird Clemens Jabloner (rot), Außenminister Alexander Schallenberg (schwarz), Infrastrukturminister Andreas Reichhardt (blau), Bildungsministerin Iris Rauskala (schwarz), Sozialministerin Brigitte Zarfl (rot) ...

Peschorn erst in letzter Sekunde nominiert

Bei der Besetzung der Posten herrschte denn auch Basarstimmung. Besondere Ränkespiele der Parteien gab es bei der Besetzung des Innenministers, dem heikelsten Posten der Regierung. Erst in letzter Sekunde wurde der Leiter der Finanzprokuratur, Wolfgang Peschorn, genannt.

Dabei ließen FPÖler bereits am Samstag den Namen Peschorn gegenüber ÖSTERREICH fallen. Da keine Einigung in Sicht schien, hieß es am Samstag letztlich, dass der derzeitige Innenminister Eckart Ratz als wirklich überparteilicher Topjurist im Amt bleiben könnte. Doch da herrschte offenbar in der Hofburg zu große Angst vor einem neuerlichen Misstrauensantrag.

Am Sonntag kursierte zunächst Andreas Pilsl, Landespolizeidirektor in Oberösterreich, als neuer Minister – der bei Bierlein, VdB und ÖVP auf Zustimmung stieß. SPÖ und FPÖ liefen dagegen Sturm. Kaum galt er als fix, beschwerte sich die FPÖ auch offiziell über die Besetzung des „Strasser-Manns“. Der ÖVP sei es bei Kickls Entlassung nur darum gegangen, dass sie das Innenministerium wiederbekomme.

Schließlich wurde Peschorn als Last-Minute-Minister genannt – laut Insidern diesmal auf Vorschlag der SPÖ.

I. Daniel, D. Knob

Alexander Schallenberg: Karrierediplomat wird Außenminister

schallenberg.jpg © Außenministerium

Den Politzirkus kennt Alexander Schallenberg nur zu gut. Ins Außenamt kam der Diplomat adeliger Herkunft bereits vor mehr als 20 Jahren. Mit dem Aufstieg von Sebastian Kurz (ÖVP) ins Bundeskanzleramt gelang dem langjährigen Pressesprecher mehrerer Außenminister auch sein größter Karrieresprung. Zuletzt leitete Schallenberg die EU-Koordinationssektion im Bundeskanzleramt.
 
Die Diplomatie wurde Schallenberg quasi in die Wiege gelegt. 1969 in Bern als Sohn des Botschafters und späteren Generalsekretärs im Außenministerium (1992 bis 1996), Wolfgang Schallenberg, geboren, wuchs er in Indien, Spanien und Frankreich auf. Von 1989 bis 1994 studierte er Rechtswissenschaften in Wien und Paris, danach Europäisches Recht am Europacollege im belgischen Brügge.
 
Nach Belgien führte ihn auch sein erster Auslandsposten - an die österreichische EU-Vertretung in Brüssel, wo er fünf Jahre lang die Rechtsabteilung leitete. Zurück in Österreich machte sich Schallenberg als Pressesprecher der früheren Außenministerin Ursula Plassnik sowie später deren Nachfolger Michael Spindelegger (beide ÖVP) einen Namen.
 
Als Kurz die Agenden des Außenministers übernahm, beförderte er den Kommunikationsprofi mit Mühlviertler Wurzeln zum Leiter für "strategische außenpolitische Planung". Auch in den Regierungsverhandlungen nach der Nationalratswahl 2017 zählte Kurz auf seinen "Intimus", wie Schallenberg in Medien genannt wurde. Selten habe er einen so talentierteren Minister erlebt, streute Schallenberg im Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" Kurz als Außenminister Rosen.
 
So folgte der ausgewiesene Europaexperte Kurz auch ins Bundeskanzleramt, wo er während der türkis-blauen Regierungszeit die Stabsstelle Strategie und Planung leitete. Nun wird der vierfache Vater Außenminister unter der ersten Bundeskanzlerin des Landes, Brigitte Bierlein.
 

Clemens Jabloner: aus der Pension auf den Minoritenplatz

Clemens Jabloner © APA/HERBERT NEUBAUER
 
An wen denkt eine Höchstgerichtspräsidentin, wenn sie Kanzlerin wird? An einen Höchstgerichtspräsidenten und macht ihn gleich zum Vizekanzler. Übersetzt: die designierte Kanzlerin Brigitte Bierlein hat den langjährigen Präsidenten des Verwaltungsgerichtshofs Clemens Jabloner gebeten, ihr Stellvertreter zu werden und nebenbei noch das heikle Justizressort zu übernehmen.
 
Jabloner gilt als Paradejurist. Der verheiratete Vater von drei Kindern war unter anderem Beamter im Kanzleramt als Sektionsleiter sowie im Verfassungsdienst. 1991 wurde er zum Vizepräsidenten des VwGH, zwei Jahre später Präsident - eine Aufgabe, die er 20 Jahre lang bis zum Erreichen des Pensionsalters tadellos ausfüllte. Nebenbei lehrte der langjährige Geschäftsführer des Hans-Kelsen-Instituts an der Uni Wien, habilitiert hat er sich im Öffentlichen Recht.
 
Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Jabloner, als er von 1998 bis 2003 Vorsitzender der Historikerkommission der Republik Österreich war. Den Vorsitz hatte er auch im Kunstrückgabebeirat über. Zudem war Jabloner Mitglied des Österreich-Konvents.
 
Politisch wurde der Sohn eines Impresarios stets der SPÖ zugerechnet, was zu Beginn seiner Karriere in den 1990er-Jahren zu teils heftiger Kritik der Freiheitlichen führte. Seine korrekte Vorgangsweise in so gut wie allen Causen brachten ihm aber längst einen guten Ruf über die Parteigrenzen hinweg. Wobei selbst Jabloner nicht nur Freunde hatte. So war beispielsweise Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) mit dem VwGH-Präsidenten vor allem in Asylangelegenheiten das ein oder andere Mal zusammengeprallt.
 
Als sein Hobby gilt die Oper, als Traumjob soll der 70-Jährige einst jenen des Staatsoperndirektors angegeben haben.
 
Zur Person: Clemens Jabloner, geboren am 28. November 1948 in Wien, verheiratet, drei Kinder. 1993-2013 Präsident des Verwaltungsgerichtshofs, 1998-2003 Vorsitzender der Historikerkommission, seit 30. Mai designierter Vizekanzler.
 

Elisabeth Udolf-Strobl: Tourismus-Expertin als Wirtschaftsministerin

strobl.jpg © BDMW/Thule G. Jug
 
Mit Elisabeth Udolf-Strobl (63) leitet eine Tourismus-Expertin das Wirtschaftsministerium. Die Spitzenbeamtin in diesem Ressort gilt als Wegbegleiterin des einstigen Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel (ÖVP). Aktuell leitet Udolf-Strobl die Sektion V (Kulturelles Erbe). Auch im Außenministerium war sie bereits tätig.
 
Udolf-Strobl (geboren am 12. April 1956) studierte Rechtswissenschaften sowie Englisch und Spanisch an der Uni Wien. 1986 trat sie als Vertragsbedienstete in das damalige Bundesministerium für Handel, Gewerbe und Industrie ein. Nach verschiedenen Stationen im Ressort wurde sie 1991 dem Kabinett des damaligen Ministers Schüssel zugeteilt. Ab 1995 arbeitete sie ein Jahr lang im Außenministerium, wechselte danach aber wieder in ihr Stammressort unter Minister Johann Farnleitner (ÖVP).
 
1999 wurde Udolf Strobl zur Leiterin der damaligen Sektion VII für Tourismus und Freizeitwirtschaft bestellt, 2002 wurde ihr Aufgabenfeld um das der Historischen Objekte erweitert.
 

Eduard Müller: Ehemaliger Finanzbeamter ganz oben angelangt

Eduard Müller © APA/HANS KLAUS TECHT
 
Ein einstiger Finanzbeamter ist ganz oben in der Hierarchie angelangt: Der gebürtige Burgenländer Eduard Müller (56) wird Finanzminister. Der Leiter der Sektion 1 im Ressort übernimmt auch die Agenden für öffentlichen Dienst und Sport, die der zurückgetretene FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache über hatte. Er war auch Geschäftsführer des Linde Verlages, wo er etwa das "SteuerSparBuch" publizierte.
 
Müller wurde am 31. August 1962 in Oberwart geboren und besuchte die Handelsakademie. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften und einem postgradualen MBA-Studium begann er seine berufliche Laufbahn beim Finanzamt in seiner Geburtsstadt. Weiter ging es über die Finanzlandesdirektion 1997 ins Ministerium. Dort war Müller unter anderem Leiter des Reformteams der österreichischen Steuer-und Zollverwaltung.
 
Von 2013 bis 2015 war Müller zudem Geschäftsführer der Linde Verlag Ges.m.b.H., wo er nach wie vor regelmäßig publiziert. Mit Oktober 2015 holte ihn Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) als Präsidialchef ins Ministerium zurück. Seit 2015 ist Müller auch noch Bundesvorsitzender der Prüfungskommission für Steuerberater in der Kammer der Wirtschaftstreuhänder und stellvertretender Generalsekretär im Finanzministerium.
 

Thomas Starlinger: vom Adjutanten des Präsidenten zum Minister

Starlinger © APA/BUNDESHEER/ARNO PUSCA
 
Mit Thomas Starlinger übernimmt ein bisheriger Mitarbeiter des Bundespräsidenten die Funktion des Verteidigungsministers. Denn Alexander Van der Bellen machte Starlinger Anfang 2017 zu seinem Militär-Adjutanten. Der 56-jährige Generalmajor übernahm damit die Aufgabe des Verbindungsorgans des Staatsoberhaupts und Oberbefehlshabers zum Bundesheer.
 
Zuvor war Starlinger, geboren am 27. Jänner 1963 in Gmunden, vier Jahre lang Vize-Chef des Stabes beim multinationalen Kommando "Operative Führung Eingreifkräfte" in Ulm, wodurch er mit den aktuellen geopolitischen Entwicklungen mit Fokus auf den Balkan, Nahen und Mittleren Osten und Afrika sowie den Flüchtlingsbewegungen aus dem Osten und Süden Richtung EU bestens vertraut war.
 
Nach Absolvierung der Militärakademie war der Oberösterreicher als Kompaniekommandant in Linz und an der Heeresunteroffiziersakademie in Enns tätig. Nach dem Generalstabslehrgang von 1997 bis 2000 war Starlinger zunächst bei der 7. Jägerbrigade Chef des Stabes und stellvertretender Brigadekommandant, von 2003 bis 2007 war er bei der österreichischen Militärmission in der Europäischen Verteidigungsagentur Brüssel tätig.
 
Im Dezember 2007 wurde Starlinger zum Kommandanten der 7. Jägerbrigade in Klagenfurt bestellt. Von November 2008 bis Mai 2009 übernahm er das Kommando über die "Multinationale Task Force Süd" im Rahmen des KFOR-Einsatzes im Kosovo. Weitere Auslandseinsätze absolvierte er in Syrien, Zypern, im Iran und in Tadschikistan. Starlinger galt laut Medienberichten übrigens als Befürworter der Abschaffung der Wehrpflicht und der Einführung eines Berufsheeres in Österreich.
 

Maria Patek: Forst-Expertin führt Landwirtschaftsministerium

Maria Patek © Jagd Österreich
 
Maria Patek (60) ist seit August 2018 Leiterin der Sektion "Forstwirtschaft und Nachhaltigkeit" im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus. Davor leitete sie die Sektion "Wasserwirtschaft".
 
Von 1993 bis 2016 hatte sie verschiedene Funktionen im Bereich der Wildbach und Lawinenverbauung im Landwirtschaftsministerium inne. Die seit 1983 im Landwirtschaftsministerium tätige Patek ist Diplom-Ingenieurin, sie hat ihr Studium der Forst- und Holzwirtschaft an der Universität für Bodenkultur abgeschlossen. Außerdem hat sie den MBA in Public Management an der Universität Salzburg gemacht.
 
"Mich begeistern die vielfältigen Wirkungen des Waldes", erklärte Patek, als sie die Sektion Forstwirtschaft im Vorjahr übernommen hatte. Es gehe "um die Sicherstellung einer multifunktionalen nachhaltigen Waldbewirtschaftung, was nur durch einen bestmöglichen Austausch und Ausgleich der vielfältigen Interessen gehen kann".
 
Internationale Vorträge hielt Patek in der halben Welt - von Japan über China bis nach Argentinien. Patek war auch Präsidentin der Plattform Naturgefahren der Alpenkonvention sowie Initiatorin des internationalen Frauennetzwerkes im Naturgefahrenmanagement. Im Landwirtschaftsministerium agierte sie zwei Jahre lang als Beauftragte für Gender Mainstreaming.
 

Ines Stilling: Gleichstellungs-Beauftragte aus dem Kanzleramt

Ines Stilling © Parlamentsdirektion
 
Aus der im Kanzleramt angesiedelten Sektion für Frauenangelegenheiten und Gleichstellung kommt die neue Frauen- und Familienministerin Ines Stilling (42). Die Juristin machte Karriere unter den roten Ressortchefinnen Doris Bures, Heidrun Silhavy und Gabriele Heinisch-Hosek. Berufliche Erfahrung sammelte sie zudem bei der Arbeiterkammer und der Siemens AG sowie bei einer Wirtschaftsprüfungskanzlei.
 
Stilling (geboren am 10. August 1976) studierte Rechtswissenschaft an der Karl-Franzens-Universität in ihrer Geburtsstadt Graz. Danach zog es sie zuerst in die Privatwirtschaft als Personal- und Controlling-Chefin bei einem internationalen Handelskonzern. Von 2003 bis 2007 war sie Referentin der Abteilung Arbeitsrecht mit Schwerpunkt Mutterschutz und Kinderbetreuungsgeld in der Arbeiterkammer Wien.
 
Der Ruf in die Politik kam für Stilling 2007, als sie Fachexpertin für den Bereich Arbeitsmarkt und Vereinbarkeit im Büro von Frauenministerin Bures wurde. Von 2008 bis 2009 war sie Referentin für den Bereich Arbeitsmarkt und Vereinbarkeit im Büro von Frauenministerin Silhavy, danach unter Frauenministerin Heinisch-Hosek, deren Büro sie bis 2012 leitete. Seitdem ist Stilling Leiterin der Sektion für Frauenangelegenheiten und Gleichstellung im Bundeskanzleramt.
 

Andreas Reichhardt: Hofers Ex-Generalsekretär wird Verkehrsminister

Andreas Reichardt © APA-FOTO: HERBERT NEUBAUER
 
Mit Andreas Reichhardt zieht wohl ein Wunschkandidat der FPÖ ins Verkehrsministerium ein. Der 50-jährige Wiener startete seine politische Karriere als Referent des Zweiten bzw. Dritten Nationalratspräsidenten Thomas Prinzhorn (FPÖ), stieg unter Minister Hubert Gorbach (FPÖ) zum stellvertretenden Kabinettschef auf und wurde 2018 Generalsekretär von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ).
 
Der am 23. Oktober 1968 geborene Reichhardt begann sein Berufsleben nach Matura und Studium der Rechtswissenschaften in Wien als Beschäftigter bei der Biodroga Cosmetics GesmbH. Seinen Fuß auf die politische Ebene setzte der parteilose Jurist mit seiner Tätigkeit als parlamentarischer Wirtschaftsreferent im Büro des Zweiten (beziehungsweise Dritten) Nationalratspräsidenten Thomas Prinzhorn (FPÖ).
 
Von 2003 bis 2004 war Reichhardt im Kabinett des ehemaligen Verkehrsministers Hubert Gorbach (FPÖ) als stellvertretender Kabinettschef tätig, zuständig für die Bereiche Innovation und gewerblicher Rechtsschutz. Seit dem Jahr 2005 leitete er dann die Sektion III (Innovation und Telekommunikation) im Verkehrsministerium - und diente dort auch unter SPÖ-Ministern als Sektionschef.
 
Richtig bergauf ging es dann unter der nun abgetretenen türkis-blauen Regierung: Mit Jänner 2018 wurde der Korporierte (Grenzlandsmannschaft Cimbria Wien) dann unter FPÖ-Vizeparteiobmann Hofer Generalsekretär in dessen Ressort.
 
Seit Frühjahr 2018 ist Reichhardt Mitglied im Aufsichtsrat der Asfinag sowie im ÖBB-Aufsichtsrat.
 

Brigitte Zarfl: Ernährungswissenschafterin führt Sozialressort

Brigitte Zarfl © Sozialministerium
 
Mit Brigitte Zarfl (56) führt nun eine Ernährungswissenschafterin das Sozial- und Gesundheitsministerium. Derzeit leitet sie die Präsidialsektion des großen Ressorts.
 
Die am 11. August 1962 in Krems geborene Zarfl arbeitete zunächst wissenschaftlich - als Mitarbeiterin am Ludwig-Boltzmann-Institut für Stoffwechselerkrankungen und Ernährungen sowie als Universitätsassistentin am Institut für Ernährungswissenschaften.
 
Unter Ministerin Lore Hostasch (SPÖ) wechselte die Mutter zweier Töchter Ende 1997 ins Gesundheitsressort, wo sie Fachreferentin für allgemeines Gesundheitswesen im Kabinett der Ministerin war. Ab 2004 war Zarfl in der EU-Sozialpolitik aktiv und vertrat Österreich im EU-Sozialschutzausschuss. 2006 wurde sie Abteilungsleiterin, 2009 Gruppenleiterin und stellvertretende Sektionsleiterin im Sozialministerium.
 
Mit 1. Mai 2015 wurde sie von Ressortchef Rudolf Hundstorfer (SPÖ) zur Leiterin der Präsidialsektion im Sozialministerium bestellt. "Durchsetzungsstärke, Engagement und einen kollegialen Führungsstil" attestierte Hundstorfer ihr damals.
 

Wolfgang Peschorn: Anwalt der Republik wird Innenminister

Wolfgang Peschorn © APA/Fohringer
 
Nach dem Tauziehen zwischen den Parteien um die Besetzung des Innenministers wurde mit Wolfgang Peschorn offenbar ein Kandidat gefunden, auf den sich alle einigen konnten. Peschorn ist seit 2006 Leiter der Finanzprokuratur, fungiert also als Anwalt der Republik.
 
Peschorn (am 17. Mai 1965 in Wien geboren) studierte Rechtswissenschaften an der Uni Wien. 1991 trat er in den Anwaltsdienst der Finanzprokuratur ein und legte 1995 die Rechtsanwaltsprüfung sowie 1997 die Prokuraturprüfung erfolgreich ab.
 
Seit Mai 2006 leitet er die Finanzprokuratur, der die anwaltliche Vertretung und Beratung der Republik Österreich obliegt. Unter seiner Leitung wurde die Finanzprokuratur neu strukturiert. Mediale Bekanntheit erlangte Peschorn durch seine Tätigkeit bei der Aufarbeitung der Vorgänge rund um die Pleite der Hypo Alpe Adria oder der Eurofighter-Vergabe.
 

Iris Eliisa Rauskala: Ehrgeizige Pragmatikerin für die Bildung

rauskalaWenzelBKA.jpg
 
Mit Iris Eliisa Rauskala (41), der derzeitigen Leiterin der Präsidialsektion im Bildungsministerium, hat sich Übergangskanzlerin Brigitte Bierlein eine ehrgeizige Pragmatikerin an die Spitze des Ressorts geholt. Ihre Laufbahn geriet unter dem einstigen ÖVP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) in Schwung. Geboren ist Rauskala am 14. März 1978 in Helsinki.
 
Die neue Bildungsministerin studierte Internationale Wirtschaftswissenschaften an der Leopold Franzens Universität Innsbruck, wo sie von 2001 bis 2007 auch beschäftigt war. Ein Studienaufenthalt führte sie an die britische Coventry Business School, 2006 erhielt sie ihren Doktortitel in Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.
 
Rauskala war unter anderem Referentin im Büro der einstigen ÖVP-Bildungsminister Johannes Hahn, Beatrix Karl und Karlheinz Töchterle. 2015 machte sie Mitterlehner zur Leiterin der Sektion VI des Ressorts, seit 2018 ist sie Leiterin der Präsidialsektion.
 

Brigitte Bierlein: Österreichs erste Kanzlerin

Bierlein Van der Bellen © Getty Images
 
Die große Karriere kam spät, dann aber nachdrücklich. Zwei Jahre vor der Pension wurde Brigitte Bierlein im Vorjahr erste Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs, nun wird sie Österreichs erste Regierungschefin. Die 69-Jährige wird dem bürgerlichen Lager zugerechnet.
 
Dass sie ihre größten Karriereschritte - jenen zur Vizepräsidentin und später zur Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs jeweils unter schwarz- bzw. türkis-blauen Regierungen machte, ist kein Zufall. Der Wienerin werden gute Kontakte nicht nur zur ÖVP, sondern auch zur FPÖ nachgesagt. Parteimitglied ist sie allerdings nicht.
 
Eigentlich hatte sie ihre Laufbahn 2003 mit dem Vorrücken in den VfGH schon als gekrönt erachtet. Damals gestand sie einen "gewissen gesunden Ehrgeiz" ein, der gepaart mit "viel Spaß an der Arbeit" wohl auch nötig war, um sich als Frau in der früher stark männlich dominierten Welt der Juristen durchzusetzen.
 
In dieser Welt war die stets um ein elegantes Äußeres bemühte Juristin schon als Standesvertreterin nicht nur mit ihren fachlichen Qualifikation, sondern auch mit resolut-selbstbewusstem Auftreten und schnörkellos-geraden Ansagen aufgefallen. 1977 von den Richtern zu den Staatsanwälten gewechselt, engagierte sie sich in der Vereinigung Österreichischer Staatsanwälte - und wurde dort 2001 zur Präsidentin gewählt. Auf diese Funktion musste sie mit dem Eintritt in den VfGH verzichten. Vor dem Wechsel in das Höchstgericht war sie nicht weniger als zwölf Jahre Generalanwältin in der Generalprokuratur.
 
Nur ganz am Beginn war die gebürtige Wienerin nicht ganz so zielstrebig: 1949 als Tochter eines Beamten geboren, wollte sie eigentlich Kunst oder Architektur studieren. Die Mutter (die selbst eine Kunst-Ausbildung hatte) riet ihr ab, Bierlein entschied sich für Jus - und ab diesem Moment ging es geradeaus nach oben: In nur vier Jahren absolvierte sie das Studium, mit 26 legte sie die Richteramtsprüfung ab, mit 28 Jahren wurde sie zur Staatsanwältin ernannt, mit 41 Generalanwältin, 2003 Vizepräsidentin am VfGH und am 1. Jänner 2018 dessen Leiterin. Dass sie jetzt allenfalls über ihren Nachfolger mitbestimmen könnte, ist nicht ganz unheikel.
 
Für Familie blieb der Wienerin keine Zeit, sie hätte es sich nicht vorstellen können, Job und Kinder unter einen Hut zu bringen, sagte Bierlein in Interviews. In ihrer Freizeit besucht Bierlein gerne Vernissagen und Ausstellungen, sowie - wenn es die Zeit zulässt - Oper und Theater. Auch sammelt sie Kunst, hat etwa einen (Josef) Mikl zu Hause hängen. Nur am Rande mit Kultur zu tun hat, dass sie erst vor Kurzem zur Leiterin der Sonderkommission zum Skandal in der Wiener Ballett-Akademie bestellt wurde.
 
Zur Person: Brigitte Bierlein, geboren am 25. Juni 1949 in Wien, Lebenspartnerschaft, keine Kinder. 1971 zur Dr. jur. promoviert, 1975 Richteramtsprüfung, Richterin am Bezirksgericht Innere Stadt und am Strafbezirksgericht Wien, ab 1977 Staatsanwältin, 1986 Wechsel in die Oberstaatsanwaltschaft Wien, 1987 Strafrechtssektion im Justizministerium, dann wieder OStA. 1990 bis 2002 Generalanwältin in der Generalprokuratur. 1995 Vorstandsmitglied, von 2001 bis 2003 Präsidentin der Vereinigung Österreichischer Staatsanwälte. 2003 Vizepräsidentin, seit 1. Jänner 2018 interimistische Leiterin des VfGH.
Diesen Artikel teilen:
Jetzt spielt TOMMY LJUNGBERG CALL IT A DAY
Nächster Song SIMON GRIBBE / DOMINO

Fotoalbum 1 / 28