Ukrainische Flüchtlinge

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Baerbock rechnet mit 8 Millionen Flüchtenden

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Deutsche Außenministerin für "solidarische Luftbrücke" zur Verteilung innerhalb Europas - Polen verzeichnet Rückgang der Ankünfte - EU-Kommission warnt vor Kinderhandel

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock erwartet Millionen weitere Ukraine-Flüchtlinge in der Europäischen Union. Acht Millionen Flüchtlinge werden laut Schätzungen aufgenommen werden müssen, sagte Baerbock am Montag vor Beratungen mit ihren EU-Amtskollegen in Brüssel. "Ich glaube, wir müssen uns sehr bewusst machen, dass bereits über drei Millionen Menschen geflohen sind, dass aber viele, viele weitere Millionen Menschen fliehen werden", sagte sie.

Noch vor zwei Wochen hatte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell gesagt, dass mit fünf Millionen Flüchtlingen aus der Ukraine gerechnet werde. In den ersten Tagen des Krieges seien vor allem diejenigen geflohen, die über ein Auto verfügten oder Verwandtschaft in anderen europäischen Ländern hätten, erklärte Baerbock am Montag. Mit Zunahme der Brutalität des russischen Krieges würden aber nun weitere Menschen kommen, "die in Europa niemanden haben, die überhaupt nichts mitnehmen konnten".

Aus Sicht von Baerbock machen es die Entwicklungen notwendig, die Menschen in ganz Europa zu verteilen. "Wir müssen von der Außengrenze direkt in europäische Länder verteilen. Jeder muss Geflüchtete aufnehmen", sagte sie und schlug eine "eine solidarische Luftbrücke" vor. Die Zahl pro Land werde "in die Hunderttausende" gehen müssen. Zusätzlich sollte auch über den Atlantik verteilt werden.

Polen verzeichnete indes einen Rückgang der Flüchtlingsankünfte. Wie die polnischen Grenzschützer am Montag mitteilten, wurden am Sonntag 33.800 Menschen abgefertigt. Das seien 16 Prozent weniger als am Samstag. Insgesamt haben sich 2,1 Millionen Menschen über die polnische Grenze in Sicherheit gebracht. Unklar ist, wie viele davon in andere EU-Staaten, darunter Österreich, weitergereist sind. In Deutschland wurden bis Montag 225.357 Kriegsflüchtlinge erfasst. In Österreich wurden nach Angaben vom Sonntag bisher 14.500 Flüchtlinge erfasst, doch dürfte dies nur ein Bruchteil der angekommenen Personen sein. Aktuell geht die österreichische Regierung davon aus, rund 200.000 Ukraine-Flüchtlinge versorgen zu müssen.

Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat am 24. Februar begonnen. Nach UNO-Angaben sind bereits mehr als 3,1 Millionen Menschen aus der Ukraine ins Ausland geflohen. Die Ukraine - flächenmäßig das größte Land in Europa - hatte vor Beginn des russischen Angriffs mehr als 44 Millionen Einwohner.

Besorgt über möglichen Kinderhandel zeigte sich EU-Migrationskommissarin Ylva Johansson. Die Hälfte der geflohenen Menschen seien Kinder, sagte sie am Montag bei einem Besuch in Estland. In der Ukraine gibt es viele Waisenkinder und Kinder, die von Leihmüttern geboren wurden, aber nicht von ihren Eltern abgeholt wurden. Das erhöhe das Risiko, dass solche Kinder verschleppt oder Opfer von Zwangsadoptionen würden, sagte Johansson. "Es besteht das große Risiko, dass mit solchen gefährdeten Kindern Handel getrieben wird."

Bisher seien nur wenige unbegleitete Kinder an den EU-Grenzen gemeldet worden, sagte die EU-Kommissarin weiter. Es gebe auch nur einige wenige Berichte über Menschenhandel. Dennoch hätte Polizei, Aktivisten und Frauenorganisationen in der Ukraine einige alarmierende Fällen gemeldet. An den Grenzen könnten Kriminelle auftauchen, die sich als Helfer ausgeben, und schutzbedürftige Menschen missbrauchen könnten. Bei früheren Massenfluchten sei Kinderhandel häufig vorgekommen, sagte Johansson. "Wir sollten nicht warten, bis wir den Beweis für umfassenden Menschenhandel haben, denn dann könnte es bereits zu spät sein."

Quelle: APA