Flachau

Flachau Wochenende

Attacke pur und enge Rennen

Herren fahren coronabedingt statt der Klassiker nun in Salzburg - Adelboden-Sieger Schwarz hofft, seine Stärken ausspielen zu können.

Zum sechsten Mal in der alpinen Ski-Weltcupgeschichte ist Flachau Austragungsort von Herren-Slaloms. Und aufgrund der coronabedingten Verschiebungen geht am Samstag (9.30/12.30 Uhr) und Sonntag (10.30/13.45) gleich ein Doppelpack in Szene. Das Gelände präsentiert sich anders als bei den nun gestrichenen Klassikern in Wengen und Kitzbühel. Der Kreis jener, die vorne mitmischen können, wird entsprechend erweitert, die ÖSV-Protagonisten gehören freilich dazu.

In Österreichs Slalomteam gibt es mit Marco Schwarz einen Läufer, der schon oft gezeigt hat, dass er im Flachen seine Akzente setzen kann. So wie der Kärntner freilich auch im Steilen seine Qualitäten hat, was er als Erster in Adelboden eindrucksvoll bewies. "Das Flache taugt mir, ich kann da meine Stärken ausspielen. Die Übergänge fahre ich auch normalerweise sehr stark. Man muss von Start bis Ziel gescheit pushen und attackieren", sagte er. Das Niveau werde sicher wieder sehr hoch sein. "Ich glaube, es wird eine sehr enge Kiste. Vielleicht rückt alles noch ein bisserl näher zusammen. Ich bin gerüstet und freue mich darauf."

Er erinnert sich keiner Erlebnisse in Flachau, sei noch nie auf dem Hang gewesen. "Ich glaube, dass es vielen gleich geht. Es wird für alle sehr spannend werden. Viele Rennen waren hier noch nicht und die sind lange her." Die Sieger hießen 1996 Alberto Tomba (ITA), 2002 und 2011 Ivica Kostelic (CRO), im Jänner 2004 Kalle Palander (FIN) und im Dezember 2004 Giorgio Rocca (ITA). Für die drei zweiten Plätze des ÖSV sorgten Mario Reiter (1996), Manfred Pranger (2004) und Rainer Schönfelder (2004).

Den Sieg im Berner Oberland hat der Disziplinführende Schwarz gleich auf der achtstündigen Heimfahrt im Auto mit Trainer Marko Pfeifer analysiert und danach einen Pausetag eingelegt. Nun stand Training in Going auf dem Programm. "Im Prinzip fängt es beim nächsten Rennen wieder von null an, es heißt fleißig weiterarbeiten. Jeder muss das Maximum rausholen, dass er Rennen gewinnt oder zumindest ums Podium mitfährt", sind seine Erkenntnisse nach dem erstmaligen Gewinn eines Weltcup-Slaloms.

Sein Debüterfolg in dieser Disziplin (und insgesamt dritter Weltcupsieg) habe nichts an der Herangehensweise geändert. "Dass ich es drauf habe, habe ich schon länger gewusst. Man muss weiterhin Gas geben, keiner der Konkurrenten schläft. Die Abstände sind sehr eng, da kann man sich nicht viel erlauben und muss fleißig weiterarbeiten." Für Flachau wird er versuchen, bereits für das erste Rennen das perfekte Setup zu haben. "Es ist fein, wenn man zwei Tage hintereinander ein Rennen auf dem gleichen Hang hat, da kann man sich am zweiten Tag besser darauf einstellen. Da kann man sicher noch was verändern, wenn es nötig ist. Man hat den Hang im Kopf und gespürt, wie sich der Schnee anfühlt."

In bisher vier Saisonrennen hat es mit Ramon Zenhäusern (SUI) in Alta Badia, Henrik Kristoffersen (NOR) in Madonna, Linus Straßer (GER) in Zagreb und Schwarz in Adelboden vier verschiedene Sieger und acht verschiedene Podestfahrer gegeben. Nur Schwarz mit zusätzlich zwei dritten Rängen, Manuel Feller mit zwei zweiten und Straßer mit einem zusätzlichen zweiten standen öfters auf dem Stockerl.

Michael Matt schrammte als zweifacher Vierter zweimal vorbei. "Der zweite Lauf in Adelboden war ganz gut, das waren nach dem Fehler ein paar geile Schwünge dabei." Gänzlich zufrieden ist der Flirscher aber noch nicht. Wenn man Sachen zu genau oder zu perfekt fahren wolle, werde das Ganze verkrampfter, erklärte er. "Da fehlt der Fluss nach vorne, dass man den Ski laufen lässt. In Zagreb und Adelboden habe ich das aber im zweiten Lauf geschafft. Dann ist noch ein großer Sprung möglich." Mit jeweils Laufbestzeit ging es in Kroatien von Halbzeitrang 26 auf 4, in der Schweiz von 13 auf 4.

"Ich glaube, dass Flachau ein lässiger Hang ist, und vor allem mit der Kurssetzung kann man ja viel machen. Ich denke, dass wir in der Slalomgruppe gut drauf sind und dass es egal ist, auf welchem Hang wir fahren", erklärte Matt. Es sei ein Hang, auf dem er schnell Skifahren könne. Vom Technischen her wäre Kitzbühel anspruchsvoller, und da man auf schwierigem Gelände viel trainiert habe, hätte man sich ein bisschen abheben können. "In Flachau wird das ganze Feld eng beieinander sein, da muss man zweimal gut fahren." Darauf hoffe er, damit es mit dem Sprung auf das Podest auch wieder klappe.

Das Rote Trikot an Schwarz abgegeben hat nach einem Ausfall in Adelboden Feller. Daraus, dass er sehr viel lieber in Wengen und Kitzbühel gefahren wäre, machte der Tiroler kein Hehl, sein im Mediengespräch getätigter "Märchenwiese"-Sager kam nicht überall gut an. Auf Instagram relativierte er: "Umso einfacher der Hang, umso schwieriger wird es, auf dem Podium zu landen. Risikobereitschaft ist gefragt, um da ein Wörtchen mitzureden."

In der Disziplinwertung sei noch lange keine Entscheidung gefallen, als Dritter liegt er 39 Punkte hinter Schwarz und 23 hinter Straßer. "Es ist noch alles offen. Es ist schneller vorbei, als man meint, man ist aber auch schnell einmal hundert Punkte vorne. Schlussendlich denke ich, wenn ich am Start stehe, nicht, was ich für eine Nummer anhabe oder wieviele Punkte mir auf dies oder jenes fehlen. Ich versuche mich, darauf zu konzentrieren, was ich zu tun habe, das ist schnell und stabil skifahren. Wenn ich das auf den Punkt bringe, werde ich auch ein Wörtchen mitreden können."

Neben dem genannten Trio wird der ÖSV auch Fabio Gstrein, Christian Hirschbühl, Adrian Pertl, Marc Digruber und Johannes Strolz in die Rennen schicken. Gstrein war als Achter in Zagreb bereits einmal Top Ten in diesem Winter, Pertl als Elfter und Hirschbühl als Zwölfter klopften in Adelboden daran an.