07. Februar 2011 15:51
Urteil am Mordprozess "Silke Schnabel"
Angeklagter schuldig gesprochen
Nach dem Mord an Silke Schnabel vor über 18 Jahren wird der Angeklagte Anton W.  zu 19 Jahren und acht Monaten am Salzburger Landesgericht nicht rechtskräftig verurteilt.
Angeklagter schuldig gesprochen
© antennesalzburg

Unter großem Zuschauerinteresse hat am Montag am Salzburger Landesgericht der Prozess um den vor mehr als 18 Jahren begangenen Mord an Silke Schnabel begonnen. Für die Tat musste sich ein 52-jähriger Lagerarbeiter verantworten, der schon unmittelbar nach der Tat im Visier der Ermittlungen stand, aber aus Mangel an Beweisen wurden die Ermittlungen gegen den Lagerarbeiter eingestellt. Fast 15 Jahre später - im Februar 2008 hat Opferanwalt Stefan Rieder auf Wunsch von Schnabels Mutter die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt.

Beweismittel von damals sind spurlos verschwunden

Auf der Suche nach neuen Beweisen ließ der Staatsanwalt den Verdächtigen begutachten. Diese Woche werden die Gutachter im Prozess aussagen. Für den Verteidiger Karl Wampl sind die Vorwürfe nur Vermutungen, keine stichhaltigen Beweise.

Tag 1 im Mordprozess:

Die Einvernahme von Anton W. dauerte nur fünf Minuten. Am Montag als Anton W. vom Richter befragt wurde, antwortete er undeutlich und leise: "Entschuldigung, ich war es nicht". Der Beschuldigte hielt seinen Kopf weiterhin gesenkt und hüllte sich in Schweigen.

Tag 2 im Mordprozess:

Eine Kronzeugin hat den Angeklagten schwer belastet. Die ehemalige Prostituierte hat am Dienstag unter Tränen ausgesagt, dass auch sie von dem 52-jährigen Anton W. gewürgt worden war. Zudem habe er ihr gedroht, dass ihr das selbe wie Silke Schnabel passieren könnte.

Auch die damalige Geschäftsführerin jenes Lokals in Salzburg, in dem sich Schnabel und der Beschuldigte in der mutmaßlichen Tatnacht aufhielten, meinte: "Sicher ist er der Mörder."

Der Angeklagte saß während der Zeugeneinvernahme am Vormittag regungslos auf seinem Platz und gab kein Wort von sich. Als die Ex-Prostituierte an die Reihe kam, wurde er auf Anordnung des Vorsitzenden aus dem Saal geführt.

Tag 3 im Mordprozess:

Am dritten Tag des Mordprozess gegen Anton W. haben die beiden Beamten ausgesagt die den 52-jährigen damals halbnackt und betrunken am Salzach-Ufer gefunden haben. Außerdem der damalige Chefermittler, der sich noch in chronologischer Genauigkeit an den Fall erinnern konnte. Am Ende des Verhandlungstages waren ironischerweise die Anwälte beider Seiten mit den Aussagen zufrieden.

Tag 4 im Mordprozess:

Am vorletzten Tag des Mordprozess wurde Kriminalpsychologe Thomas Müller befragt. Müller hat nicht ausgeschlossen, dass ein Mörder am Tatort einschlafen kann. Nach der Tatnacht vor 18 Jahren war der Angeklagte schlafend an der Salzach entdeckt worden. Gut eineinhalb Stunden lang hat Thomas Müller heute seine Tatort-Analyse im Gerichtssaal präsentiert und den Angeklagten Anton W. schwer belastet. Der Psychologe hält - unter gewissen Voraussetzungen - den Angeklagten für Silke Schnabels Mörder.

"Der Angeklagte Anton W. hat weinend den Gerichtsaal verlassen"

Nachdem dem Angeklagten am Donnerstag­nachmittag zwei Richter seine protokollierten Stellungnahmen zum Mordfall Silke Schnabel vorgelesen hatten und er dazu Stellung nehmen durfte, kam es zu einem Gefühlsausbruch. Anton W. hat weinend den Gerichtsaal verlassen.

Tag 5: Das Urteil:

Nach dem Mord an Silke Schnabel vor über 18 Jahren haben sich die Geschworenen  am Freitag, 11.02.2011 mit sieben zu eins Stimmen für die Verurteilung des 52-jährigen Anton W. entschieden. 

Die Berufsrichter legten das Strafmaß dann auf 19 Jahre und acht Monate Haft fest.

Der Anwalt des Angeklagten legte volle Berufung ein - sowohl gegen den Schuldspruch als auch die Urteilshöhe. Damit ist die Entscheidung noch nicht rechtskräftig.

Der Beschuldigte beteuerte bis zuletzt seine Unschuld, dem Verteidiger zufolge gibt es keine stichhaltigen Beweise oder eine DNA-Spur.

Unsere Antenne Reporter waren natürlich beim wohl spannendsten Mordprozess der Jahres mit dabei und haben für euch berichtet!