12. Oktober 2020 08:29
Maßnahmenverschärfung
Ab Dienstag im Tennengau
Komplettes Veranstaltungsverbot / keine Privatpartys / in Kuchl wird unter anderem die Sperrstunde auf 17 Uhr vorverlegt.
Ab Dienstag im Tennengau
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Aufgrund zuletzt deutlich steigender Covid-19-Infektionszahlen im Tennengau verschärft das Land ab Dienstag die Maßnahmen in diesem Bezirk und für Kuchl gelten zusätzliche Einschränkungen. „Wir haben die Spitzenwerte vom März wieder erreicht. Ein zweiter Lockdown wäre aber eine Katastrophe. Leider müssen wir die soziale Nähe reduzieren, denn der private Bereich ist massiv betroffen, hier passieren viele Infektionen und das Contact-Tracing, um die Infektionsketten zu unterbrechen, stößt trotz aller Verstärkungen und Bemühungen an die Grenzen des Bewältigbaren“, so Landeshauptmann Wilfried Haslauer nach einem Gespräch mit den Tennengauer Bürgermeistern am Sonntagnachmitttag.

Landeshauptmann Wilfried Haslauer wiederholte die drei Ziele des Landes: „Das Gesundheitssystem nicht überlasten, einen zweiten, kompletten Lockdown entgegenwirken und eine Reisewarnung Deutschlands gegen Salzburg verhindern. Darum müssen wir im Tennengau jetzt eingreifen.“

Die Maßnahmen für den Tennengau im Überblick

  • Komplettes Veranstaltungsverbot (Sport/Musik/Feuerwehrübungen und so weiter)

  • Privatpartys außerhalb des Wohnraums sind untersagt, was von der Exekutive umfangreich und rigoros kontrolliert wird.

  • An Begräbnissen können maximal 100 Personen teilnehmen

  • Kindergartenfremde Personen (inklusive Eltern) dürfen den Kindergarten nicht betreten, sondern sich von den Kindern vor der Türe verabschieden

  • Turnhallen werden für den außerschulischen Bereich geschlossen

Sondermaßnahmen für Kuchl

  • Gastronomie ab 17 Uhr geschlossen

  • Besuchsverbot für Pflege- und Senioreneinrichtungen (ausgenommen Palliativversorgung)

Vorläufig gelten die Maßnahmen für den Tennengau und für Kuchl von Dienstag, 13.Oktober, 00.00 Uhr bis Montag, 26. Oktober, 24.00 Uhr.

Alarmierender Anstieg im Tennengau

Das Infektionsgeschehen der letzten Tage und Wochen machte diese Maßnahmen nötig. Gab es Mitte letzter Woche im Bezirk Hallein noch rund 85 aktiv auf Covid-19 getestete Personen, so ist diese Zahl mit Stand heute, 11. Oktober, 8.30 Uhr, auf 145 gestiegen. Auf 100.000 Einwohner gerechnet entspricht dies im Tennengau 238 Personen, der Landesschnitt beträgt zurzeit 90. Beim „Sorgenkind“ Kuchl mit 61 aktiven Fällen beträgt dieser Wert sogar 827. „Der Tennengau ist mit einer 7-Tages-Inzidenz von fast 200 schwer betroffen, es gibt aber auch eine dynamische Entwicklung in anderen Bezirken“, fasst Landesstatistiker Gernot Filipp zusammen.

Haslauer: „Gesundheitssystem nicht überfordern.“

Landesweit wurden seit gestern 101 Neuinfektionen registriert, 504 Personen sind derzeit aktiv infiziert, die 7-Tages-Inzidenz beträgt 66,8, die Reproduktionszahl 1,18 und die mittlere Wachstumsrate der aktiven Fälle mehr als sieben Prozent. „Auch wenn der Anteil von Menschen mit Corona in Krankenhäusern mit derzeit vier Prozent gering scheint, müssen wir darauf achten, das Gesundheitssystem nicht zu überfordern, denn das könnte innerhalb weniger Wochen - wenn nichts unternommen wird - der Fall sein“, so Landeshauptmann Wilfried Haslauer.

 Juhasz: „Sinkende Eigenverantwortung erschwert Behördenarbeit.“

Laut Landessanitätsdirektorin Petra Juhasz gibt es aktuell im Tennengau zahlreiche Cluster, unter anderem ist das Seniorenheim in Kuchl betroffen. „Es ist mittlerweile schwierig, beim Contact-Tracing korrekte und genaue Antworten zu bekommen. Die Eigenverantwortung ist sehr gering geworden. Das erschwert unsere Arbeit enorm. So kann es häufig passieren, dass Kontaktpersonen der Kategorie 1 unterwegs sind und weitere Menschen anstecken. Mir ist bewusst, dass die Bevölkerung müde ist nach sieben Monaten, aber unkorrekte Angaben gefährden hier wirklich Menschen“, so Juhasz.

Fürst: „Falschangaben kosten wertvolle Zeit.“

Dem pflichtet Bezirkshauptmann Helmut Fürst bei: „Das Contact-Tracing ist schwierig. Viele machen das gewissenhaft, aber es nimmt zu, dass man falsche Angaben bekommt. Teilweise brauchen wir die Polizei und verlieren so wertvolle Zeit beim Contact-Tracing und beim Unterbrechen der Infektionsketten“, sagt Fürst

 

Quelle: Land Salzburg