Hubert von Goisern im Großen Festspielhaus

Montag, 17.10.2016

Hubert von Goisern im Großen Festspielhaus

Hubert von Goisern hat den Blues. Hubert von Goisern hat auch: die Vielfarbigkeit und die flirrende Energie von New Orleans. Dieses spezielle Südstaatengefühl. Und das alles balanciert er auf der Basis seiner eigenen Tradition, die zwar geografisch aus den Alpen kommt, faktisch aber die ganze Welt in einer musikalischen Idee ist.

Goisern war auf Musiksuche im Süden der USA. Und das, was er mitgebracht hat, ist stimmig, von der druckvollen Rocknummer über den schwungvollen Countrysong bis hin zur herzensschweren Ballade. Das musikalische Fenster steht sperrangelweit offen.  Alles ist Goisern.

Für „Federn“ spielt Hubert von Goisern mit ein paar bekannten Nummern. Das lebensweise, lässige Hank Williams-Cover „Es is wahr“ kommt mit so viel Schwung, mit so intensivem Groove daher, dass es nicht mehr aus dem Ohr will. „So a Segn“ könnte eine uralte, österreichische Volksweise sein – ist in Wahrheit aber „Amazing Grace“, kompakt instrumentiert, trotzdem episch und verträumt. Ein bluesiges Schulterzucken: die Monk-Nummer „I bin ganz alloan“ oder der leicht frivole Aufruf an „Corrina“ mit den Worten: „Des kann‘s nit sein“. Dagegen drängt das schnelle, laute, fröhliche „Singa gang guat“, aus dem man noch die Originalversion heraushört – nämlich „Oh, Susanna“. Wieder so ein Ohrwurm, der einen nicht verlässt – obwohl nicht angepasst, nicht glattgebügelt, nicht reibungsfrei. Wie macht er das nur?

Was aber wirklich herausragend ist an „Federn“, das ist die musikalische und thematische Spannweite. In seinen Eigenkompositionen gelingt es Hubert von Goisern, so direkt und unverblümt zu treffen, dass man mitgeht – sofort und mit Leidenschaft. Das liegt zum einen an seinem untrüglichen Gespür für Melodien, die neu wirken, aber auch vertraut. An den erdigen, echten, sich auf das Wesentliche konzentrierenden Arrangements.  Aber auch an der Tiefe seiner Texte: „Snowdown“ ist ein wütender, ein aufrüttelnder Blues über den Mut zur Wahrheit in einer Gesellschaft, in der Täuschung eine immer größere Rolle spielt. Das ist brandaktuell, und es fühlt sich noch viel drängender an, wenn Hubert von Goisern seine Wut darüber hinausschreit.

Der Blues setzt sich fort in Nummern wie „Am hell-lichten Tag“, ein zauderndes, aber ehrliches Kopfschütteln über Menschen und Dinge, die einem Momente verfinstern. Goisern ist hier ganz tief versunken im Klang des schweren, eindringlichen Sounds der Südstaaten, nur um bei den schnelleren Nummern direkt wieder daraus auszubrechen. Die wirken so energiegeladen, so frei und treibend, dass man unwillkürlich anfängt, den Takt zu klopfen. Weil man nicht anders kann. Und weil sie eben so freudig dazu drängt,  diese Mischung auf Cajun, Country und Bluegrass, aus Pedal Steel und Ziehharmonika.

„Federn“ ist ein leichtes, schönes Spiel. Denn die Rhythmen aus New Orleans müssen nicht mit heißer Nadel an die österreichische Klangbasis gestrickt werden. Sie passen einfach – als wäre es nie anders gewesen. Seltsam, wie Hubert von Goisern das immer wieder fertig bringt: man fühlt sich in der Welt zu Hause.

 

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