Obus

Staustadt Salzburg

1. Verkehrskonzept soll Lösung bringen

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Anteil des motorisierten Individualverkehrs soll von 44 auf 40 Prozent reduziert werden - Öffentlicher Verkehr soll Schritt für Schritt attraktiver werden

Die Stadt Salzburg wird auch in der näheren Zukunft eine Autofahrer-Stadt bleiben: Die von der zuständigen Vizebürgermeisterin Barbara Unterkofler (ÖVP) am Montag vorgestellte erste Gesamt-Verkehrsstrategie hat eine Senkung des motorisierten Individualverkehrs (MIV) um gerade einmal vier Prozentpunkte zum Ziel. Mit dann 40 Prozent des Gesamtverkehrsaufkommens blieben Auto und Co. klar die Nummer 1. Schritt für Schritt soll aber der öffentliche Verkehr attraktiver werden.

Die vier Prozentpunkte, um die Unterkofler den MIV-Anteil senken will, sollen zu gleichen Teilen mit Fußgängern (aktuell 19 Prozent) und Öffis (derzeit nur 15 Prozent) ausgeglichen werden. Wobei beim öffentlichen Verkehr zunächst zumindest einmal der laufende Rückgang angehalten werden soll, erklärte Franz Schober, Verkehrs-Chef im Magistrat, bei der Präsentation am Montag. Und Unterkofler stellte gleich zu Beginn klar, dass das Problem nicht alleine hausgemacht ist, denn die täglichen 57.000 Einpendler würden das innerstädtische Verkehrsaufkommen in etwa verdoppeln. In den Zentralraum-Bezirken Flach- und Tennengau liegt der MIV-Anteil sogar bei rund zwei Drittel.

Wo will Unterkofler nun den Hebel ansetzen? Grundsätzlich möchte sie keine Mobilitätsform verteufeln, vielmehr sollten sie sich gut ergänzen, wobei der Umweltverbund (ÖV, Rad und Fuß) so attraktiv werden soll, dass viele Menschen auf diese Formen der Fortbewegung umsteigen wollen. Dazu solle schon im Speckgürtel der Bus beschleunigt und das Auto gebremst werden, und zwar mit so genannten Pförtnerampeln. Gleichzeitig will die Vizebürgermeisterin die Parkraumbewirtschaftung in den Wohnbezirken der Stadt ausweiten, was Pendlern wegen der dann fehlenden Langzeit-Parkmöglichkeiten den Umstieg in die Öffis "erleichtern" soll. Freilich müssten dazu die Park-and-Ride-Möglichkeiten im Umland ausgebaut werden, das Land mit dem zuständigen Landesrat Stefan Schnöll (ÖVP) sei hier aber sehr bemüht.

Dann will Unterkofler die Autobahn-Abfahrt Hagenau zu einem Halbanschluss ausbauen, was die Stadtteile Itzling, Elisabeth-Vorstadt, Lehen und Schallmoos um insgesamt fünf Millionen Auto-Kilometer im Jahr entlasten würde. Eine Maut-Befreiung auf der Westautobahn zwischen Staatsgrenze und Salzburg-Nord würde außerdem den "Vignetten-Ausweichverkehr" durch das Stadtgebiet reduzieren.

Bei der "Verkehrsberuhigung" der Innenstadt wird aber nur an kleinen Schrauben gedreht: Der kurze Abschnitt zwischen Neutor und Griesgasse ist als Begegnungszone geplant, außerdem sollen rund 85 öffentliche Stellplätze aus der Altstadt-Fuzo in die (künftig) erweiterte Mönchsberggarage "verlegt" werden. Und am Rudolfskai ist eine Gehsteig-Verbreiterung in Planung.

Der öffentliche Verkehr wird laut Schober künftig nach dem Zwiebelschalen-Prinzip organisiert werden: Das Rückgrat soll die S-Bahn inklusive der noch zu errichtenden Stadtregionalbahn S-Link mit einem 30-Minuten-Takt bilden. Nächste "Schale" sind die Regionalbusse ebenfalls im Halb-Stunden-Takt, die in Zukunft auch im innerstädtischen Verkehr eine größere Rolle spielen sollen. Dann folgen die "Speckgürtel-Linien", die derzeit von der Salzburg-AG-Tochter Albus betrieben werden, mit einem 15-Minuten-Takt. Und der Obus bekommt nach und nach geänderte Linienführungen, die dem heutigen Bedarf entsprechen, und soll außer in den Tagesrandzeiten im 7,5-Minuten-Takt unterwegs sein. Die ersten Änderungen sind an den Obus-Linien 2, 9 und 12 geplant und werden rund sechs Millionen Euro kosten. Unterkofler strebt dazu eine Fifty-fifty-Lösung mit dem Land an.

Zumindest im nationalen Vergleich relativ gut da steht Salzburg beim Anteil des Radverkehrs mit 21 Prozent. Diesen möchten die Verkehrs-Ressortchefin auf 24 Prozent heben, pro Jahr werden zwei Millionen Euro in bessere Radwege investiert.

Vorerst ist Unterkoflers Strategie nur ein Wegweiser. Denn wenn es bei der Realisierung dann ums Zahlen geht, sind die politischen Gremien der Stadt zuständig.

Quelle: APA

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