Triumph für die ÖVP

Nationalratswahl 2019

Triumph für die ÖVP

Exakt 135 Tage nach Platzen des Ibiza-Skandals und 134 Tage, nachdem Sebastian Kurz die Koalition mit der ÖVP aufgekündigt hatte, feiert die ÖVP ihren größten Wahlsieg des Jahrzehnts. Die Türkisen legen an diesem Sonntag bei der Nationalratswahl dramatisch zu und springen locker über die 37-%-Marke. Ein Triumph: Die ÖVP liegt in allen Ländern außer Wien vorn. Ein letzter Turbo war da wohl der FPÖ-Spesen-Skandal rund um den ehemaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.

Pamela Rendi-Wagner konnte sich – nachdem die SPÖ Kurz im Mai im Parlament gestürzt hatte – nicht mehr erholen. Erstmals kam die SPÖ mit der ÖVP nicht in ein Kanzler-Duell, die roten Wähler der Nationalratswahl 2017 wechselten in Scharen zurück zu den Grünen. Die Folge: ein Absturz, der sich gewaschen hat, das schlechteste SPÖ-Ergebnis der Geschichte –­ und der größte Abstand zwischen dem Ersten, der ÖVP, und dem Zweiten, eben der völlig zerstörten Ex-Kanzlerpartei SPÖ.

Noch schlimmer hat es allerdings die Freiheitlichen erwischt, der Spesenskandal hat die Hofer-Kickl-Doppel­strategie über den Haufen geworfen – und jetzt hat Norbert Hofer als neuer FPÖ-Chef sogleich einen Mega-Absturz zu verantworten.

Erste Hochrechnungen

Die ÖVP hat bei der Nationalratswahl mit Rekord-Vorsprung Platz 1 erreicht. Laut einer ersten Hochrechnung der ARGE Wahlen für die APA kommt die Volkspartei auf 37,1 Prozent - vor der SPÖ, die mit 22,5 Prozent ihr historisch schlechtestes Ergebnis bei einer Bundeswahl verbucht. Die FPÖ stürzt ab, die Grünen schaffen fulminant den Wiedereinzug. NEOS legt zu, JETZT scheitert hingegen klar.

Für die ÖVP bedeutet diese Hochrechnung von 17.05 Uhr (Auszählungsgrad: 45 Prozent) ein Plus von rund 5,6 Prozentpunkten (Ergebnis 2017: 31,5 Prozent). Der Vorsprung von rund 14,6 Prozentpunkten ist der größte bei einer Nationalratswahl in der zweiten Republik - 1990 lag die SPÖ mit 10,7 Prozentpunkten Abstand vor der ÖVP auf Platz 1. Die Hochrechnung beinhaltet bereits eine Wahlkartenschätzung.

Für die SPÖ bedeuten die 22,5 Prozent ein Minus von 4,4 Prozentpunkten gegenüber 2017. Damit unterschreitet die SPÖ auch den bisherigen historischen Tiefststand von 2013 (26,82 Prozent) deutlich.

Der FPÖ bescherten die Ibiza-Affäre sowie die Spesendiskussion von Ex-Parteichef Heinz-Christian Strache ein Minus von fast zehn Prozentpunkten und ein Ergebnis von nur mehr 16,7 Prozent. 2017 hatte die Partei noch 26 Prozent erzielt.

Souverän den Wiedereinzug geschafft haben die Grünen: Für die Öko-Partei weist die Hochrechnung ein Ergebnis von 13,1 Prozent aus. 2017 war die Partei mit 3,8 Prozent überraschend an der 4-Prozent-Hürde gescheitert und musste sich nach Jahrzehnten aus dem Nationalrat verabschieden. Mit dem heutigen Ergebnis scheint das bisherige Grüne Rekord-Ergebnis der Nationalratswahl 2013 (12,4 Prozent) übertroffen zu werden.

Einen deutlichen Zugewinn und ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Nationalratswahl konnten diesmal die NEOS verbuchen: Die Pinken legten von 5,3 Prozent auf 7,8 Prozent zu.

Mandats-Verteilung

In Mandaten bedeutet das vorläufige Ergebnis vom Sonntag übrigens folgende Verteilung: Die ÖVP kommt auf 73 Sitze im neuen Nationalrat, die SPÖ auf 41 und die FPÖ auf 32 Mandatare. Die Grünen erhalten 23 Mandate. Für die NEOS bedeutet das vorläufige Endergebnis 14 Nationalratsitze.
 
Die noch nicht ausgezählten Wahlkarten (mehr als 1 Million) bringen für manche Parteien noch Verbesserungen, für andere leichte Verschlechterungen. Das Ergebnis der ÖVP wird dann (laut Briefwahlschätzung der Hochrechner der ARGE Wahlen) etwas niedriger liegen, bei etwa 37,4 Prozent. SORA/ORF sieht die Partei schlussendlich bei 37,1 Prozent. Gegenüber der Wahl 2017 bedeutet das ein Plus von rund sechs Prozentpunkten. Der Vorsprung auf die zweitplatzierte Partei von rund 15,5 Prozentpunkten ist der größte in der Zweiten Republik.
 

Türkis-Grün in aller Munde – doch Kogler ziert sich

Grüne. Werner Kogler und seine runderneuerte Grünen-Truppe sind indes die anderen Wahlsieger des Tages – das Grünen-Plus ist sogar noch größer als das der ÖVP. Kogler fährt jetzt das beste Ergebnis für die Grünen aller Zeiten ein.

Die Folge: ÖVP und Grüne haben derart stark zugelegt, dass sie eine gemeinsame Bundesregierung bilden könnten. Laut vorläufigen Endergebnis ohne Briefwahl geht sich eine bequeme Mandatsmehrheit aus (siehe weiter unten) – und das sogar ohne einen dritten Partner (Neos). Kein Wunder, dass die türkis-grüne Variante in aller Munde war – doch Kogler zierte sich und beharrte darauf, dass die ÖVP sich völlig ändern müsse.

Neos. Doch auch die pinke Partei von Beate Meinl-Reisinger gehört zu den Wahlsiegern der gestrigen Nationalratswahl: Die Neos legen ebenfalls zu, kamen aber an das selbst gesteckte Ziel von 8 % nicht ganz heran. Und: Sie kommen auch in keine Koalitionsdiskussion – als Partner werden sie nicht gebraucht.

Aus für Pilz. Bleibt als dritter Verlierer die Liste Jetzt: Die Versuche von Peter Pilz, in den letzten Tagen noch Unentschlossene zu überzeugen, war vergebens – Pilz wird in Pension gehen und Journalist werden. 

Rot und Blau stürzen ins Polit-Aus

Crash, Absturz, Desaster – in den Parteizentralen von SPÖ und FPÖ suchte man nach den richtigen Worten für das, was am gestrigen Sonntag passiert ist:
Pamela Rendi-Wagner fuhr an diesem Tag das schlechteste SPÖ-Wahlergebnis bei einer Bundeswahl aller Zeiten ein. Über die Gründe waren sich die Polit-Analytiker und Insider völlig einig: Rendi-Wagner konnte sich im Wahlkampf zwar unglaublich steigern – die Abwahl von Sebastian Kurz am Tag nach der für die ÖVP so siegreichen EU-Wahl konnte die SPÖ-Vorsitzende bis heute nicht erklären. Das haben vor allem die älteren Wählerinnen und Wähler der SPÖ bis zum Wahltag nicht verziehen. Allerdings: Im Gegensatz zur FPÖ gab es bei den Roten zunächst keine Personaldiskussion.

Wahlkarten

Spannend wird es übrigens auch heute Montag. Denn noch nie wurden so viele Wahlkarten (1,07 Millionen) ausgegeben. Damit fehlt beim amtlichen Ergebnis am Sonntagabend (20–21 Uhr) noch ein Fünftel der Stimmen. Die Briefwahlstimmen der Nationalratswahl werden heute Montag ausgezählt.

Diesen Artikel teilen:
Jetzt spielt ADEL TAWIL TU M’APPELLES
Nächster Song ONE DIRECTION / STORY OF MY LIFE

Fotoalbum 1 / 28

Diese Website verwendet Cookies
Cookies dienen der Benutzerführung und der Webanalyse und helfen dabei, die Funktionalität der Website zu verbessern, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Nähere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Impressum