Mordprozess in Salzburg

"Er war lebenslustig"

Im fortgesetzten Mordprozess gegen eine 30-Jährige, die ihren 57-jährigen Ehemann, einen Promi-Skihüttenwirt im Pongau, am 3. März 2019 mit einem Messerstich getötet haben soll, ist am Dienstag der Sohn des Gastronomen als Zeuge befragt worden. "Mein Vater war ein lebenslustiger Mensch", schilderte der 32-Jährige. Einen Suizidgedanken habe er ihm gegenüber nicht geäußert.

Sein Vater habe sich mit der modernen Apres-Ski-Hütte einen Traum verwirklicht, sagte der Sohn. "Er war ein Visionär in dieser Hinsicht. Er war recht zufrieden, wie er sich das aufgebaut hat. Ich habe nie erlebt, dass er zu mir gekommen wäre und gesagt hätte, er mag nicht mehr. Mein Vater war sicher der lustigste Mensch, den ich kennengelernt habe. Er hat das Leben genossen, privat und geschäftlich." Als er rund zwei Stunden vor dem Tod seines Vater mit ihm telefoniert habe, "war er super drauf". Er habe ein gutes Verhältnis zu ihm gehabt, sagte der 32-Jährige. "Wenn ihn etwas sehr belastet hätte, hätte er mir das erzählt."

Die Berufsrichter des Geschworenengerichtes und auch die Staatsanwältin erkundigten sich über die Beziehung des Ehepaares. Er habe nicht bemerkt, dass die beiden gestritten hätten oder dass es zu tätlichen Übergriffen gekommen wäre, antwortete der Sohn des Verstorbenen. Auch ihm gegenüber sei sein unbescholtener Vater niemals handgreiflich geworden. Das Ehepaar sei "normal eifersüchtig" aufeinander gewesen, "so wie es eben ist, wenn man jemanden gern hat".

Sein Vater habe die Angeklagte "wirklich sehr gerne gehabt", meinte der Pongauer. Er selbst habe mit der Frau, die auf der Apres-Ski-Hütte jahrelang mitgearbeitet hatte, kein Problem gehabt. Das Ehepaar habe mit den Gästen Alkohol konsumiert, "das gehört zu einer Skihütte dazu, dass man mit den Gästen trinkt und sie animiert".

Als er am 3. März nach Mitternacht die Küche des väterlichen Gastronomiebetriebes im Tal betreten hatte, sei sein Vater auf dem Boden gelegen und von Polizisten reanimiert worden. Die Beschuldigte sei außer sich gewesen, "sie hat viel geweint", schilderte der Zeuge. Wie es ihm heute gehe, fragte Opferanwalt Stefan Rieder. "Nicht sehr gut. Die Situation ist ziemlich belastend. Bis jetzt haben wir keine ruhige Minute gehabt, und jetzt geht die Saison los. Papa fehlt sehr."

Die angeklagte Rumänin hat zu Prozessbeginn gestern, Montag, erneut ihre Unschuld beteuert und von einem Unfall gesprochen. In ihrer ersten Vernehmung durch die Polizei erklärte sie, ihr Mann sei eifersüchtig gewesen. Als er ihre Hand genommen habe, in dem sie ein Küchenmesser hielt, und sie mit dem Messer zu ihm gezogen habe, habe er gerufen, er wolle lieber sterben, als dass er sie mit einem anderen Mann sehe. Sie habe zunächst vermutet, er wolle sie erschrecken oder ihr Angst machen, sagte sie gestern. Zunächst habe sie angenommen, er habe nur einen Kratzer erlitten. Tatsächlich war der Mann schwer verletzt, er verblutete innerlich. Sowohl er als auch seine Frau waren zur Tatzeit alkoholisiert.

Die Angeklagte hatte auch geschildert, dass ihr Mann ihr gegenüber des Öfteren aggressiv gewesen sei und sie im Streit geohrfeigt und an den Haaren gerissen hätte. Von mutmaßlich heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem Wirtspaar haben allerdings weder der Sohn noch zwei weitere Mitarbeiter, die heute dazu befragt wurden, etwas mitbekommen. "Ich würde das als normale Streitigkeiten bezeichnen, die jedes Ehepaar hat", meinte ein 26-jähriger Zeuge. Einmal habe er beobachtet, wie der Wirt gegenüber seiner Frau "aggressiver war, er hat sie mehr angeschrien". Vor dem Zwischenfall in der Küche habe er keinen Streit bemerkt.

Ein 43-jähriger Kellner hatte die letzten Worte seines bereits am Boden liegenden Chefs gehört. Auf die Frage, was denn passiert sei, habe der Wirt geantwortet: "Es tut so weh, es wird schon wieder gut." Der Wirt habe keine Angaben darüber gemacht, ob er von jemanden verletzt worden wäre, erklärte der Zeuge.

Am heutigen Verhandlungstag sollen insgesamt zehn Zeugen befragt werden. Der Prozess wird morgen, Mittwoch, am Landesgericht Salzburg fortgesetzt.

 

Quelle: APA

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